31 August 2026 · Aktualisiert am 4 September 2026

Finnland: „Rusich"-Mitgründer Torden muss statt lebenslang 12,5 Jahre Haft wegen Kriegsverbrechen in der Ukraine verbüßen

Das Helsinki Court of Appeal hat die Strafe für Voislav Torden (geboren als Jan Petrowski), Mitgründer der russischen neonazistischen Gruppe „Rusich", von einer lebenslangen Freiheitsstrafe auf 12,5 Jahre wegen Kriegsverbrechen in der Ukraine aus dem Jahr 2014 reduziert. Das Gericht sah es als nicht eindeutig erwiesen an, dass Torden verwundete ukrainische Soldaten persönlich erschossen hat, wies aber Teile der Vorwürfe weiter als Kriegsverbrechen ein.

Das Wichtigste

  • Helsinki Court of Appeal reduzierte die Strafe von lebenslang auf 12,5 Jahre Haft für Voislav Torden (Jan Petrowski), Mitgründer der „Rusich"-Gruppe.
  • Das erstinstanzliche Helsinki District Court hatte ihn im März 2025 wegen vier Kriegsverbrechen aus dem Jahr 2014 zu lebenslanger Haft verurteilt; die Staatsanwaltschaft forderte im Berufungsverfahren Verurteilung wegen fünf Kriegsverbrechen.
  • Das Berufungsgericht erkannte Tordens Teilhabe an den Vorfällen an, sah aber nicht als erwiesen, dass er verwundete ukrainische Soldaten persönlich erschoss, und verneinte seine Befehlsverantwortung für deren Tötung.
  • Das Ritzeln des „Rusich"-Symbols in die Wange eines ukrainischen Soldaten stufte das Gericht nicht als Kriegsverbrechen ein, da die Wunde oberflächlich gewesen sei und keinen schweren physischen oder psychischen Schaden verursacht habe.
  • Als Kriegsverbrechen bestätigte das Gericht unter anderem Tordens MG-Beschuss ukrainischer Soldaten, das Fotografieren eines schwer verbrannten Leichnams eines ukrainischen Soldaten und dessen Verbreitung in sozialen Netzwerken sowie öffentliche Aussagen, „Rusich" nehme keine Gefangenen.
  • Einem Hinterhalt im September 2014 auf ukrainische Soldaten des „Aidar"-Bataillons waren 22 getötete und vier schwer verwundete ukrainische Soldaten zuzuordnen; die Russen lockten sie mit einer ukrainischen Flagge.
  • Torden wurde am 20. Juli 2023 am Flughafen Helsinki-Vantaa festgenommen; Finnlands Oberstes Gericht lehnte eine Auslieferung an die Ukraine wegen „unzureichender Haftbedingungen" ab.

Warum es wichtig ist

Das Verfahren ist eine seltene strafrechtliche Verfolgung eines russischerseits kämpfenden Fighters wegen in der Ukraine begangener Kriegsverbrechen und dürfte die Herangehensweise von Gerichten in Drittstaaten in ähnlichen Fällen beeinflussen. Die Reduzierung der Strafe von lebenslang auf 12,5 Jahre — einschließlich der Abweisung einzelner Anklagepunkte — wird von der Ukraine wahrscheinlich als Rückschlag für die Rechenschaftspflicht wahrgenommen, zumal Finnlands Oberstes Gericht eine Auslieferung Petrowskis wegen der Haftbedingungen abgelehnt hat und er die Strafe in Finnland verbüßen wird.

Was geschehen ist

Das Helsinki Court of Appeal hat die ursprüngliche lebenslange Freiheitsstrafe für Voislav Torden, Mitgründer der „Rusich"-Gruppe, auf 12,5 Jahre reduziert. Torden und andere „Rusich"-Kämpfer hatten laut Anklage im Herbst 2014 insgesamt 22 ukrainische Soldaten getötet und vier schwer verwundet; bei einem Hinterhalt im September 2014 gegen Angehörige des „Aidar"-Bataillons lockten die Russen die Soldaten mit einer ukrainischen Flagge in die Falle. Das Gericht erkannte Tordens Teilhabe an den Geschehnissen an, sah es aber als nicht eindeutig erwiesen an, dass er verwundete ukrainische Soldaten persönlich erschoss, und wies eine Befehlsverantwortung für deren Tötung zurück. Gleichzeitig bestätigte das Gericht, dass Torden mit einem Maschinengewehr auf ukrainische Soldaten feuerte — was als Kriegsverbrechen gewertet wurde —, dass er den Anführer von „Rusich" vor dem schwer verbrannten Körper eines getöteten ukrainischen Soldaten fotografierte und das Bild in sozialen Netzwerken verbreitete, sowie dass seine öffentlichen Aussagen, „Rusich" nehme keine Gefangenen, ein Kriegsverbrechen darstellen. Das Ritzeln eines „Rusich"-Symbols in die Wange eines ukrainischen Soldaten wurde hingegen nicht als Kriegsverbrechen eingestuft, da die Wunde oberflächlich gewesen sei. Torden war am 20. Juli 2023 am Flughafen Helsinki-Vantaa festgenommen worden; eine Auslieferung an die Ukraine lehnte Finnlands Oberstes Gericht wegen „unzureichender Haftbedingungen" ab.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die beiden ukrainischsprachigen Quellen fällen die Entscheidung des Berufungsgerichts unterschiedlich: Eine stellt die Reduzierung der Strafe von lebenslang auf 12,5 Jahre als zentrale Entwicklung heraus, die andere betont den gerichtlichen Befund, dass das Ritzeln des „Rusich"-Symbols in die Wange eines ukrainischen Soldaten mangels schwerer physischer oder psychischer Folgen kein Kriegsverbrechen darstelle.

Hintergrund

Die Gruppe „Rusich" kämpfte ab 2014 in der Ukraine auf Seiten russlandnaher Milizen und später gemeinsam mit der russischen Armee; die ukrainische NAZK hat nach eigenen Angaben festgestellt, dass „Rusich" Verbindungen zur Wagner-Söldnertruppe unterhält und möglicherweise als deren Untereinheit fungiert. Torden lebte ab 2004 in Norwegen und war dort und in Schweden in rechtsextremen Organisationen aktiv, bevor er 2014–2015 in der Ukraine kämpfte. Er unterliegt EU- und US-Sanktionen und darf den gesamten Schengen-Raum nicht betreten.