Ereignis: 2. September · Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Tusk nennt Brand in polnischer Drohnenfabrik Sabotage – zweites Feuer bei Luftfahrt-Zulieferer

Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat am 2. September erklärt, der Brand im Drohnenwerk von Grupa WB (WB Electronics) im Skarżysko-Kamienna in der Nacht zum 31. August sei zweifellos vorsätzliche Brandstiftung und ein Akt der Sabotage gewesen. Ein zweites Feuer bei JFG Composites in Lublin, einem Zulieferer für die Luftfahrtindustrie, wird noch untersucht; Tusk schloss dort eine vorsätzliche Brandstiftung nicht aus. Die polnische Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren wegen terroristischer Straftaten und der Beteiligung an der Tätigkeit eines ausländischen Nachrichtendienstes eingeleitet.

Das Wichtigste

  • In der Nacht zum 31. August brach im Drohnenwerk Grupa WB (WB Electronics) im polnischen Skarżysko-Kamienna ein Brand aus; Ministerpräsident Donald Tusk erklärte am 2. September, es bestehe kein Zweifel an vorsätzlicher Brandstiftung und Sabotage.
  • Das Werk produziert unbemannte Luftfahrtsysteme (Drohnen) für die polnische und die ukrainische Armee.
  • Laut Polizei wurde der Alarm nach einem Eindringen in das Firmengelände ausgelöst; nach dem Löschen des Brandes sicherte die Polizei Spuren. Inoffizielle Informationen sprechen von einer Überwachungskamera, die eine unbekannte Person mit Sturmhaube beim Übersteigen des Zauns aufnahm.
  • Auch bei JFG Composites in Lublin, einem Hersteller von Komponenten für den Flugzeugbau, kam es in den vergangenen Tagen zu einem Brand. Tusk zufolge gibt es dort bisher keine direkten Beweise für vorsätzliche Brandstiftung, die Version könne aber nicht ausgeschlossen werden.
  • Die polnische Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen Beteiligung an der Tätigkeit eines ausländischen Nachrichtendienstes gegen Polen und wegen eines terroristischen Delikts im Zusammenhang mit der Brandstiftung ein.
  • Tusk warnte, die kommenden Wochen und Monate könnten für die Region entscheidend sein, da Russland plane, die Spannungen in Mittel- und Osteuropa zu verschärfen und die Lage zu destabilisieren.
  • Tusk verknüpfte die Vorfälle mit der für Freitag (4. September) geplanten Parlamentsabstimmung über die Überstimmung des Vetos von Präsident Karol Nawrocki gegen ein Gesetz zur Regulierung des Kryptowährungsmarktes und erklärte, Kryptowährungen seien das Hauptmittel Russlands zur Finanzierung solcher Operationen.

Warum es wichtig ist

Ein großes europäisches Drohnenwerk, das sowohl die polnische als auch die ukrainische Armee beliefert, ist von einem Brand betroffen, den der polnische Regierungschef ausdrücklich als Sabotage bezeichnet. Die polnische Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren wegen terroristischer Straftaten eingeleitet, das ausdrücklich eine Verbindung zu einem ausländischen Nachrichtendienst prüft. Tusk selbst brachte die Vorfälle mit russischen Versuchen in Verbindung, Mittel- und Osteuropa zu destabilisieren, und nutzte die Lage, um im Parlament für eine strengere Regulierung des Kryptowährungsmarktes zu werben.

Was geschehen ist

In der Nacht zum 31. August brach im Werk von Grupa WB (WB Electronics) im polnischen Skarżysko-Kamienna ein Brand aus. Das Unternehmen stellt unbemannte Luftfahrtsysteme her, die sowohl von der polnischen als auch von der ukrainischen Armee eingesetzt werden. Nach Angaben der Polizei wurde der Alarm durch ein Eindringen auf das Firmengelände ausgelöst; die Einsatzkräfte fanden beim Eintreffen ein Feuer im Gebäude und sicherten anschließend Spuren. Nach inoffiziellen Informationen soll eine Überwachungskamera eine unbekannte Person mit Sturmhaube aufgezeichnet haben, die über den Zaun auf das Gelände stieg. Ministerpräsident Donald Tusk erklärte am 2. September vor einer Regierungssitzung, es bestehe kein Zweifel daran, dass es sich um vorsätzliche Brandstiftung und einen Akt der Sabotage gehandelt habe. In den Tagen zuvor hatte es zudem einen Brand in einer Produktions- und Lagerhalle von JFG Composites im polnischen Lublin gegeben, die Komponenten für den Flugzeugbau herstellt. Tusk erklärte, dort gebe es bislang keine direkten Beweise für vorsätzliche Brandstiftung, die Version könne aber angesichts der Art der Produktion nicht ausgeschlossen werden. Die polnische Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Beteiligung an der Tätigkeit eines ausländischen Nachrichtendienstes gegen Polen und wegen eines terroristischen Delikts ein; in die Ermittlungen sind auch die polnischen Sonderdienste eingebunden, deren Sprecher Jacek Dobrzyński bestätigte, dass alle Versionen – einschließlich Sabotage – geprüft würden. Tusk verknüpfte die Vorfälle zudem mit der für den 4. September geplanten Parlamentsabstimmung über die Überstimmung des Vetos von Präsident Karol Nawrocki gegen ein Gesetz zur Regulierung des Kryptowährungsmarktes. Er erklärte unter Berufung auf die Dienste, Kryptowährungen seien das Hauptmittel Russlands zur Finanzierung solcher Operationen, und warnte, die kommenden Wochen und Monate könnten für die gesamte Region Mittel- und Osteuropa kritisch werden.

Wo die Berichte auseinandergehen

Tusk äußerte sich zur Brandstiftung bei den beiden Vorfällen mit unterschiedlicher Sicherheit: Für den Brand bei Grupa WB in Skarżysko-Kamienna erklärte er, es bestehe kein Zweifel an vorsätzlicher Brandstiftung und Sabotage. Für den Brand bei JFG Composites in Lublin sagte er dagegen, es lägen derzeit keine direkten Beweise für vorsätzliche Brandstiftung vor; diese Version könne aber angesichts der Art der Produktion nicht ausgeschlossen werden. Die ukrainischen Medien, die über die Pressekonferenz Tusk berichteten, gaben diese abgestufte Bewertung übereinstimmend wieder.

Hintergrund

Grupa WB (WB Electronics) ist ein wichtiger Hersteller unbemannter Luftfahrtsysteme, die sowohl von der polnischen als auch von der ukrainischen Armee genutzt werden. JFG Composites in Lublin stellt Komponenten für den Flugzeugbau her und gehört damit in eine verwandte Rüstungslieferkette. In den vergangenen Monaten hatten polnische Geheimdienst- und Sicherheitskreise wiederholt vor möglichen russischen Sabotageakten und False-Flag-Operationen gegen Polen und das Baltikum gewarnt. Parallel dazu bereitete sich das polnische Parlament auf eine Abstimmung über die Überstimmung des Vetos von Präsident Karol Nawrocki gegen ein Gesetz zur Regulierung des Kryptowährungsmarktes vor.