Ukraine warnt ICAO vor unsicherem russischen Luftraum und fordert Flugverbot über Russland

Am 2. September 2026 hat die Ukraine die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) offiziell darüber informiert, dass der russische Luftraum aufgrund der dort herrschenden militärischen Aktivitäten für die Zivilluftfahrt nicht mehr sicher sei. Außenminister Andrij Sybiha rief Fluggesellschaften und Regierungen dazu auf, Flüge über russisches Gebiet zu vermeiden. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Vorabend vor den Risiken gewarnt. Die Warnung führte bereits zu Flugstreichungen türkischer Airlines und zu einem Kurseinbruch russischer Fluggesellschaften.

Warum es wichtig ist

Die formelle Mitteilung an die ICAO ist eine diplomatische Aufwertung der ukrainischen Kampagne, die Folgen des Krieges auf russisches Territorium zu tragen. Sie könnte das Verhalten von Fluggesellschaften, Versicherern und Regierungen bei Flügen über Russland nachhaltig beeinflussen. Die unmittelbaren Reaktionen – Flugstreichungen türkischer Carrier und ein Kurseinbruch russischer Airlines um mehr als fünf Prozent – zeigen, dass die Warnung operative Konsequenzen hat. Zugleich löste sie eine scharfe Reaktion von Präsident Wladimir Putin aus, der die Erklärung als „Bekenntnis zum Staatsterrorismus“ bezeichnete und Vergeltung androhte.

Was geschehen ist

Die Ukraine hat am 2. September 2026 die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) offiziell darüber in Kenntnis gesetzt, dass der russische Luftraum für die Zivilluftfahrt nicht mehr sicher sei. Außenminister Andrij Sybiha kündigte die Mitteilung über die Plattform X an und berief sich auf das Recht auf Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UN-Charta. Er erklärte, Russland ignoriere gezielt die Bedrohungen, die sich aus seiner Aggression gegen die Ukraine ergäben und in den vergangenen Jahren bereits zu mehreren Vorfällen geführt hätten. Infrastrukturminister Mykola Kalaschnyk wandte sich in einem Schreiben an ICAO-Generalsekretär Juan Carlos Salazar Gomez und forderte ein vollständiges Verbot von Zivilluftflügen über Russland. Er verwies auf Vorfälle mit elektronischer Kriegführung und GPS-Spoofing über dem Baltikum und Russland, die Zehntausende Flüge von Ryanair, Wizz Air und Finnair betroffen hätten, sowie auf eine steigende Zahl ziviler Flugunfälle über Russland und auf das Verhalten der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija. Am Abend des 1. September hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, der russische Luftraum werde für die Zivilluftfahrt zunehmend unsicher, und Fluggesellschaften, Versicherer und weitere Marktteilnehmer aufgefordert, diese Risiken bei Flügen nach Russland zu berücksichtigen. Er begründete die Gefahr mit Aktivitäten ukrainischer Drohnen und Raketen als Reaktion auf die russische Aggression. Die Warnung hatte unmittelbare Folgen: Die türkische Fluggesellschaft Pegasus strich für die Nacht zum 2. September mehrere Flüge zwischen Bodrum und Moskau, darunter PC1456, und verwies gegenüber Passagieren auf die „Luftraumsituation“; auf der eigenen Facebook-Seite nannte das Unternehmen „technische Gründe“ und kündigte an, dass die Flüge ab dem 2. September wieder planmäßig verkehrten. Auch Turkish Airlines und andere Carrier sagten Flüge vom und zum Moskauer Flughafen Wnukowo ab, der in der Nacht zum 2. September aus Sicherheitsgründen Flugbeschränkungen verhängte. Die Aktien russischer Fluggesellschaften einschließlich Aeroflot fielen nach Selenskyjs Erklärung um mehr als fünf Prozent. Präsident Wladimir Putin bezeichnete Selenskyjs Aussage bei einer Pressekonferenz am Rande des SCO-Gipfels in Bischkek als „Bekenntnis zum Staatsterrorismus“ und kündigte an, Russland werde „eine Antwort finden“.

Wie ukrainische Quellen berichten

Ukrainische Quellen stellen die Erklärung als verantwortlichen Schritt dar und rücken die ukrainischen Entscheidungsträger – Außenminister Sybiha, Infrastrukturminister Kalaschnyk und Präsident Selenskyj – als Akteure in den Vordergrund, die ihr legitimes Recht auf Selbstverteidigung ausüben. Die Berichterstattung betont konkrete luftfahrtsicherheitliche Gründe: Vorfälle mit GPS-Spoofing und elektronischer Kriegführung über dem Baltikum und Russland, geschlossene russische Untersuchungen und mangelnde Einhaltung internationaler Standards durch Rosawiazija. Mehrere ukrainische Medien verwenden die Formulierung „der Krieg kehrt nach Russland zurück“, um deutlich zu machen, dass die Folgen der russischen Aggression nun das russische Staatsgebiet erreichen. Die ICAO-Mitteilung wird als formaler und diplomatisch begründbarer Vorgang behandelt, nicht als Drohung.

Worin sich die Berichterstattung unterscheidet

Uneinigkeit besteht darüber, ob die Ukraine tatsächlich eine großangelegte Drohnenoperation gegen Moskauer Flughäfen begonnen hat: The Atlantic berichtete, Selenskyjs Äußerungen wiesen auf den Beginn der sogenannten Operation „M&M's“ hin, deren Vorbereitung nach der Entlassung des früheren Verteidigungsministers Mychajlo Fedорow angeblich eingefroren worden sei; das Büro des ukrainischen Präsidenten bezeichnete entsprechende Informationen als „völligen Unsinn“. Daneben unterscheidet sich die Rahmendebatte: Putin wertete Selenskyjs Erklärung als „Bekenntnis zum Staatsterrorismus“, während ukrainische Vertreter sie als verantwortliche Wahrnehmung des Selbstverteidigungsrechts und als Warnung auf Grundlage realer Risiken für die Zivilluftfahrt darstellten.

Hintergrund

Selenskyj hatte am 1. September öffentlich erklärt, der russische Luftraum werde für die Zivilluftfahrt zunehmend unsicher, und dies mit ukrainischen Drohnen und Raketen als Reaktion auf die russische Aggression begründet. Außenminister Sybiha kündigte die ICAO-Mitteilung am 2. September über die Plattform X an. Infrastrukturminister Kalaschnyk hatte sich zudem persönlich an ICAO-Generalsekretär Juan Carlos Salazar Gomez gewandt und dabei auf Vorfälle mit elektronischer Kriegführung und GPS-Spoofing im Baltikum und in Russland sowie auf das Verhalten von Rosawiazija hingewiesen. Die Ukraine hatte ihren eigenen Luftraum zu Beginn der Vollinvasion am 24. Februar 2022 geschlossen – ein Präzedenzfall, auf den sie nun verweist. Putin äußerte sich auf einer Pressekonferenz am Rande des SCO-Gipfels in Bischkek am 1. September. In der Nacht zum 2. September strich Pegasus mehrere Flüge zwischen der Türkei und Moskau und verwies auf „technische Gründe“; weitere türkische und andere Fluggesellschaften sagten Flüge von und nach Wnukowo ab, das aus Sicherheitsgründen Flugbeschränkungen verhängte. Laut The Atlantic soll ein ukrainischer Plan mit der Bezeichnung „M&M's“ den Einsatz von bis zu 1000 kleinen Drohnen pro Tag Richtung Moskauer Flughäfen vorgesehen haben, um deren Betrieb zu lähmen; das Büro des ukrainischen Präsidenten bezeichnete diese Berichterstattung als „völligen Unsinn“.

Quellen