3 September 2026 · Aktualisiert am 4 September 2026

Anschlagsversuch auf russischen Luftwaffenoffizier in Engels – Selenskyj kündigt „asymmetrische Maßnahmen“ an

In der Stadt Engels im Gebiet Saratow wurde nach russischen Angaben ein hochrangiger Offizier der russischen Luft- und Raumfahrtkräfte durch Schüsse verletzt. Nach Angaben russischer Telegram-Kanäle handelt es sich bei dem mutmaßlichen Ziel um Generalmajor Mykola Varpakhovych, Kommandeur der 22. Schweren Bomberdivision. In seiner Abendansprache erklärte Selenskyj, „russische Kriminelle würden gefunden, egal wo sie sich verstecken“, und kündigte genehmigte „asymmetrische Maßnahmen“ der ukrainischen Verteidiger an. Die Ukraine hat offiziell keine Verantwortung für den Anschlag übernommen.

Das Wichtigste

  • In Engels, Gebiet Saratow, wurden nach russischen Angaben Schüsse auf einen hochrangigen Offizier der russischen Luft- und Raumfahrtkräfte abgegeben; er wurde verletzt.
  • Die russische Ermittlungskomitee bestätigte den Anschlagsversuch und die Einlieferung des Soldaten ins Krankenhaus, ohne weitere Details zu nennen.
  • Am Tatort wurden Patronen und Geschosse sichergestellt; ein Strafverfahren wurde unter zwei Artikeln eröffnet.
  • Russische Telegram-Kanäle benennen Mykola Varpakhovych, Kommandeur der 22. Schweren Bomberdivision der Fernfliegerkräfte, als mutmaßliches Ziel; eine offizielle Bestätigung liegt nicht vor.
  • Varpakhovych wird von der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft und dem SBU unter anderem für den Raketenangriff auf das Kinderkrankenhaus Okhmatdyt im Juli 2024 verdächtigt.
  • Selenskyj erklärte am 3. September, „russische Kriminelle werden gefunden, egal wo sie sich verstecken“, und kündigte „genehmigte asymmetrische Maßnahmen“ als Reaktion auf russische Drohnenangriffe an.
  • Die Ukraine hat offiziell keine Verantwortung für den Anschlag übernommen.

Warum es wichtig ist

Der Vorfall verbindet einen konkreten Anschlag innerhalb Russlands mit einem hochrangigen Kommandeur, dem die Ukraine die Anordnung des Raketenangriffs auf das Kinderkrankenhaus Okhmatdyt in Kiew vorwirft. Selenskyjs Reaktion deutet darauf hin, dass die Ukraine angesichts der zuletzt intensivierten russischen Drohnenangriffe zunehmend zu asymmetrischen Operationen auf russischem Territorium übergeht. Damit unterstreicht Kiew, dass die Verfolgung russischer Militärverantwortlicher über das Schlachtfeld hinaus eine bewusste Linie der ukrainischen Strategie ist.

Was geschehen ist

In Engels im Gebiet Saratow wurde nach Angaben russischer Quellen ein hochrangiger Offizier der russischen Luft- und Raumfahrtkräfte durch Schüsse verletzt. Die russische Ermittlungskomitee bestätigte den Vorfall und die Krankenhauseinlieferung des Soldaten; am Tatort wurden Patronen und Geschosse sichergestellt, ein Strafverfahren wurde unter zwei Artikeln eröffnet. Russische Telegram-Kanäle, darunter „Досье шпиона“ und ASTRA, identifizieren Generalmajor Mykola Varpakhovych, Kommandeur der 22. Schweren Bomberdivision der Fernfliegerkräfte, als mutmaßliches Ziel. Eine offizielle Bestätigung dieser Identität liegt bisher nicht vor. In seiner Abendansprache vom 3. September bezog sich Selenskyj auf den Vorfall und erklärte, „russische Kriminelle würden gefunden, egal wo sie sich verstecken“, ohne den Vorfall direkt zu benennen. Zugleich kündigte er an, dass „entsprechende Operationen genehmigt“ worden seien, und verwies auf den russischen Drohnenangriff auf eine Coca-Cola-Fabrik als Beispiel. Die Ukraine hat offiziell keine Verantwortung für den Anschlag übernommen.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Quellen stellen Selenskyjs Aussagen in den Vordergrund und betonen die Botschaft, dass russische Militärverantwortliche unabhängig von ihrem Aufenthaltsort zur Verantwortung gezogen werden sollen. Die Berichterstattung verknüpft den mutmaßlich Betroffenen unmittelbar mit konkreten Angriffen auf ukrainische Zivilisten und Infrastruktur, insbesondere mit dem Raketenangriff auf das Kinderkrankenhaus Okhmatdyt im Juli 2024 und früheren Angriffen auf Energieinfrastruktur. Gleichzeitig weisen ukrainische Medien ausdrücklich darauf hin, dass Kiew offiziell keine Verantwortung für den Anschlag übernommen hat, und lassen die Urheberschaft damit bewusst indirekt.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen sind sich uneinig bei der Truppenzugehörigkeit des Betroffenen: Während einige Berichte ihn als Offizier der russischen Weltraumstreitkräfte (ПКС) bezeichnen, ordnen ihn andere den russischen Luft- und Raumfahrtstreitkräften (VKS) zu. Uneinigkeit besteht zudem darüber, wie direkt Selenskyj in seiner Abendansprache auf den Vorfall in Engels Bezug nahm – ein Bericht versteht seine Worte über „russische Kriminelle, die überall gefunden werden“ als klare Anspielung auf den Anschlag, während ein anderer festhält, Selenskyj habe das Geschehen im Gebiet Saratow erwähnt, ohne sich präzise zu äußern.

Hintergrund

Bei dem mutmaßlichen Ziel handelt es sich nach Angaben russischer Telegram-Kanäle um Generalmajor Mykola Varpakhovych, Kommandeur der 22. Schweren Bomberdivision der Fernfliegerkräfte der russischen Luft- und Raumfahrtstreitkräfte. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft und der Sicherheitsdienst SBU hatten bereits im Juni 2023 einen Verdacht gegen ihn wegen gezielter Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur ausgesprochen. Am 31. August, vier Tage vor dem Anschlag, wurde ihm in absentia ein weiterer Verdacht wegen des Raketenangriffs auf das Kinderkrankenhaus Okhmatdyt in Kiew im Juli 2024 zugestellt.