Deutschland identifiziert Verdächtige nach Drohnenangriff auf Flughafen Leipzig/Halle und macht Russland verantwortlich
Die deutschen Behörden haben eine lettische und eine russisch-belarussische Staatsbürgerin als Verdächtige im Fall der vereitelten Drohnenattacke auf den Flughafen Leipzig/Halle identifiziert. Die Bundesregierung hat Russland offiziell für den Vorfall verantwortlich gemacht und reagiert mit zusätzlicher Militärhilfe für die Ukraine, neuen Befugnissen für den Bundesnachrichtendienst (BND) und der Schließung des russischen Konsulats in Bonn.
Das Wichtigste
- In der Nacht zum 4. August wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit Sprengsatz und Zünder nahe einem ukrainischen An-124-Frachtflugzeug entdeckt.
- Die deutschen Ermittler identifizierten einen lettischen und einen russischen Staatsbürger aus Belarus als Verdächtige; der Lette lebt laut dem lettischen Inlandsgeheimdienst VDD seit mehreren Jahren dauerhaft in Russland.
- Die lettische Staatssicherheit VDD bestätigte die Zusammenarbeit mit deutschen Diensten und äußerte sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht weiter.
- Am 1. September erklärte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Russland trage die Verantwortung für den Vorfall; die Bundesregierung sprach offiziell von einem versuchten Sabotageakt.
- Laut einer gemeinsamen Untersuchung von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung vom 25. August wurden drei Drohnen eingesetzt; der geplante Angriff war demnach größer als zunächst angenommen.
- Die USA gehen nach Angaben gegenüber dem Wall Street Journal davon aus, dass die Drohne wahrscheinlich der russischen Regierung zuzuordnen ist.
- Deutschland kündigte als Reaktion unter anderem zusätzliche Militärhilfe für die Ukraine an, darunter tausende Angriffsdrohnen und Iris-T-Raketen.
- Der Bundestag wird im Herbst voraussichtlich ein Gesetz verabschieden, das dem BND offensive Cyber- und Sabotagebefugnisse gegen Angreifer einräumt.
- Deutschland drängt auf EU-Sanktionen gegen die russische Schattenflotte, verschärfte Einreisekontrollen für russische Staatsbürger und schloss das russische Generalkonsulat in Bonn.
Warum es wichtig ist
Es ist das erste Mal, dass die Bundesrepublik einen Anschlag auf deutschem Boden offiziell Russland zuschreibt. Da der Flughafen Leipzig/Halle seit 2022 als Basis für ukrainische Antonov-Maschinen dient, die in der Militärlogistik eingesetzt werden, zielt der Anschlag direkt auf die ukrainische Lieferkette. Die Reaktion Berlins – zusätzliche Militärhilfe, neue offensive BND-Befugnisse, EU-Sanktionsdruck und die Schließung des letzten russischen Konsulats – markiert eine spürbare Verschärfung der deutschen Haltung gegenüber Moskau.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 4. August wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit angebrachter Sprengladung und Zünder entdeckt, in der Nähe eines ukrainischen An-124-Frachtflugzeugs. Eine gemeinsame Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ergab am 25. August, dass insgesamt drei Drohnen eingesetzt wurden und der geplante Anschlag umfangreicher war als zunächst bekannt. Die deutschen Behörden identifizierten zwei Verdächtige: einen lettischen Staatsbürger, der nach Angaben des lettischen Inlandsgeheimdienstes VDD seit Jahren in Russland lebt und möglicherweise Verbindungen zu russischen Geheimdiensten hat, sowie einen russischen Staatsbürger aus Belarus. Der Lette war laut Medienberichten Ende Juli über den Berliner Flughafen nach Deutschland eingereist, mit einem Mietwagen nach Leipzig gefahren und zwei Tage vor dem Vorstand wieder über Berlin ausgereist. Am 1. September erklärte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Russland trage die Verantwortung; die Bundesregierung sprach offiziell von einem versuchten Sabotageakt. US-Geheimdienstkreise sagten gegenüber dem Wall Street Journal, die Drohne sei wahrscheinlich der russischen Regierung zuzuordnen. Die lettische VDD bestätigte die Zusammenarbeit mit den deutschen Diensten, äußerte sich aber wegen der laufenden Ermittlungen nicht im Detail. Als Konsequenz kündigte Deutschland zusätzliche Militärhilfe für die Ukraine an, darunter tausende Angriffsdrohnen und Iris-T-Raketen, und einen Gesetzentwurf, der dem BND offensive Cyber- und Sabotagebefugnisse einräumen soll. Zudem schloss Deutschland das russische Generalkonsulat in Bonn, die letzte russische Vertretung dieser Art im Land, und setzt sich auf EU-Ebene für schärfere Sanktionen ein.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die genaue Nacht, in der die Drohne am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt wurde, wird in den Quellen unterschiedlich angegeben – als Nacht zum 4. August und als Nacht zum 5. August. Medien hatten zudem berichtet, die An-124 sei mit Munition beladen gewesen; das deutsche Innenministerium wies diese Darstellung zurück.
Hintergrund
Der Flughafen Leipzig/Halle dient laut Berichten seit 2022 als Basis für ukrainische Antonov-Frachtflugzeuge und hat damit strategische Bedeutung für die Militärlogistik und die Ukraine-Hilfe. Der lettische Verdächtige soll seit mehreren Jahren in Russland leben und steht laut VDD im Verdacht, Verbindungen zu russischen Geheimdiensten zu haben.