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Moskauer Flughäfen zum zweiten Mal in Folge nachts geschlossen – Selenskyj warnt vor russischem Luftraum

Die Moskauer Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo haben in der Nacht zum 3. September zum zweiten Mal in Folge den Flugbetrieb eingestellt, nachdem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj internationale Fluggesellschaften und Versicherer vor der zunehmenden Gefahr im russischen Luftraum gewarnt hatte. Rosawiazija meldete temporäre Beschränkungen an Flughäfen in der Region Moskau, laut Flightradar24 wurden Hunderte Flüge annulliert oder verspätet. Die Ukraine hat die ICAO offiziell informiert und ein vollständiges Verbot von Zivilflügen über Russland gefordert; die ICAO aktualisierte daraufhin ihre Sicherheitsempfehlungen für Konfliktgebiete. Russische Amtsträger wiesen die Warnungen zurück, Wladimir Putin sprach von „Staatsterrorismus“.

Das Wichtigste

  • Die Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo stellten in der Nacht zum 3. September zum zweiten Mal in Folge den Flugbetrieb ein; Rosawiazija meldete temporäre Beschränkungen an Flughäfen der Region Moskau.
  • Laut Flightradar24 wurden in Scheremetjewo 21 Flüge annulliert und 235 verspätet, in Wnukowo 22 annulliert und 94 verspätet; auch in Schukowski, Gelendschik, Sotschi, Pensa und Saratow gab es Beschränkungen.
  • Am 1. September warnte Selenskyj Fluggesellschaften und Versicherer, der russische Luftraum werde für Zivilflugzeuge „vollständig gefährlich“; am 2. September erklärte Außenminister Andrij Sybiha, die Ukraine habe die ICAO informiert.
  • Minister Mykola Kalaschnyk forderte in einem Schreiben an den ICAO-Generalsekretär ein vollständiges Verbot von Zivilflügen über Russland und berief sich auf das Recht auf Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UN-Charta.
  • Die ICAO veröffentlichte am 2. September eine aktualisierte Stellungnahme zu Sicherheitsmaßnahmen im Konfliktgebiet und benannte weitreichende Waffen, Drohnen, GNSS-Störungen sowie moderne Luftabwehr als Bedrohungen für die Zivilluftfahrt.
  • Rosawiazija veröffentlichte ein NOTAM, demzufolge ukrainische Dokumente zum russischen Luftraum keinerlei Rechtskraft hätten und gegen das Chicagoer Abkommen verstießen; russische Luftfahrt und Infrastruktur arbeiteten planmäßig.
  • Wladimir Putin nannte Selenskyjs Äußerungen einen „Anspruch auf Staatsterrorismus“ und drohte mit Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur; die Aeroflot-Aktie verlor nach den Warnungen mehr als 5 %.

Warum es wichtig ist

Mehrere russische Flughäfen wurden binnen zwei Nächten wiederholt geschlossen, Hunderte Flüge wurden annulliert oder verspätet – ein bislang beispielloser Grad an Störung im zivilen Luftverkehr Russlands. Mit der öffentlichen Warnung eines ukrainischen Präsidenten an internationale Fluggesellschaften und Versicherer erreicht der Konflikt eine neue informations- und versicherungsrechtliche Eskalationsstufe. Die Ukraine hat die Auseinandersetzung auf die internationale Ebene gehoben, indem sie die ICAO informierte und ein pauschales Verbot von Zivilflügen über Russland forderte; die ICAO reagierte mit aktualisierten Konfliktgebiets-Empfehlungen. Russische Spitzenpolitiker wiesen die Warnungen als „Staatsterrorismus“ zurück, Wladimir Putin drohte mit Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Die Aktien russischer Fluggesellschaften reagierten mit deutlichen Verlusten, was die wirtschaftliche Reichweite der Warnungen unterstreicht.

Was geschehen ist

In der Nacht zum 3. September stellten die Moskauer Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo zum zweiten Mal in Folge den Flugbetrieb ein. Die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija meldete temporäre Beschränkungen an Flughäfen der Region Moskau; nach Flightradar24-Daten wurden in Scheremetjewo 21 Flüge annulliert und 235 verspätet, in Wnukowo 22 annulliert und 94 verspätet. Auch in Schukowski (Ramenskoje) traten Beschränkungen in Kraft, Domodedowo wickelte Flüge „in Abstimmung mit den zuständigen Behörden“ ab. Im Lauf der Nacht folgten Beschränkungen an den Flughäfen Gelendschik, Sotschi, Pensa und Saratow. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin meldete nach Angaben von ASTRA die Abfangen von 37 Drohnen Richtung Moskau bis 07:20 Uhr Ortszeit; in einer anderen Version war von 10 Drohnen die Rede.

Auslöser war eine am 1. September öffentlich gewordene Warnung von Präsident Wolodymyr Selenskyj an Fluggesellschaften, Versicherer und Staaten, die weiterhin große russische Flughäfen nutzten: Der russische Luftraum werde für Zivilflugzeuge „vollständig gefährlich“, da die durch den russischen Angriffskrieg ausgelösten ukrainischen Drohneneinsätze die Luftfahrt zunehmend gefährdeten. Die Ukraine beabsichtige aber nicht, Passagierflugzeuge anzugreifen, internationale Unternehmen müssten jedoch militärische Risiken einkalkulieren. Am 2. September erklärte Außenminister Andrij Sybiha, die Ukraine habe die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) offiziell informiert. Minister für die Entwicklung von Gemeinden und Territorien Mykola Kalaschnyk übersandte dem ICAO-Generalsekretär ein Schreiben, in dem er ein vollständiges Verbot von Zivilflügen über Russland forderte und sich dabei auf das Recht auf Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UN-Charta berief.

Die ICAO veröffentlichte am 2. September eine aktualisierte Stellungnahme zu Sicherheitsmaßnahmen für Zivilflugzeuge in oder nahe von Konfliktgebieten. Sie benannte weitreichende Waffensysteme, Drohnen, GNSS-Funkstörungen und moderne Luftabwehr als Bedrohungen für die Zivilluftfahrt und wies auf ein erhöhtes Risiko hin, dass Zivilflugzeuge Zielscheibe oder „Querschläger“ werden könnten. Rosawiazija reagierte mit einem NOTAM, in dem sie erklärte, alle von der Ukraine veröffentlichten Dokumente zum russischen Luftraum hätten keinerlei Rechtskraft und verstießen gegen das Chicagoer Abkommen; die russische Luftfahrt arbeite planmäßig. Russlands Transportminister Andrej Nikitin erklärte, die Sicherheitsanforderungen würden laufend verschärft, man werde „keine schwerwiegenden Störungen“ zulassen. Wladimir Putin nannte Selenskyjs Worte einen „Anspruch auf Staatsterrorismus“ und drohte mit Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Berater Anton Kobjakow erklärte, der russische Luftraum „bleibe sicher“.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die ukrainischen Medien rahmen das Geschehen als direkte Folge von Selenskyjs Warnung und betonen die diplomatische Eskalation: die formelle Information der ICAO und die Forderung nach einem pauschalen Verbot von Zivilflügen über Russland. Einige Beiträge stellen Putins Reaktion als „Staatsterrorismus“-Vorwurf der ukrainischen Gegenposition des Zentrums für Desinformationsbekämpfung gegenüber, das Russland seinerseits terroristischer Handlungen beschuldigt. Hervorgehoben werden zudem die finanziellen Folgen für die russische Luftfahrtbranche – insbesondere der Kursverlust der Aeroflot-Aktie um mehr als 5 %. Ein Artikel greift einen Bericht des Atlantic-Journalisten Simon Shuster auf, wonach die Ukraine eine zuvor geplante Operation mit Schwärmen autonomer KI-Drohnen zur Blockade Moskauer Flughäfen gestartet habe.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Der einzige im Quellenkorpus enthaltene nicht-ukrainische Beitrag stellt die Geschichte primär als eine Aktualisierung der ICAO-Empfehlungen zur Flugsicherheit in Konfliktgebieten dar, ausgelöst durch die offizielle Warnung der Ukraine. Damit rückt er den multilateralen luftfahrtpolitischen Aspekt in den Vordergrund und behandelt die Schließungen Moskauer Flughäfen nur als Hintergrund.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Berichte widersprechen sich in der Zahl der Drohnen, die nach Angaben von Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin in der Nacht zum 3. September Richtung russische Hauptstadt abgefangen wurden: Mehrere ukrainische Quellen nennen 37 Drohnen, andere 10. Daneben klafft die Darstellung Rosawiazijas, die russische Luftfahrt und Bodeninfrastruktur arbeiteten planmäßig und ukrainische Dokumente hätten keine Rechtskraft, auseinander mit den gleichzeitig gemeldeten nächtlichen Schließungen von Wnukowo und Scheremetjewo, Hunderten Annullierungen und Verspätungen sowie Selenskyjs Hinweis, erste Fluggesellschaften hätten Flüge nach Russland bereits abgesagt.

Hintergrund

Selenskyj begründete die Gefahr mit dem russischen Angriffskrieg und dem ukrainischen Gegenangriff mit Drohnen und Raketen im russischen Luftraum, stellte aber klar, dass die Ukraine keine Passagierflugzeuge angreifen wolle. In ihrem Schreiben an die ICAO berief sich die Ukraine auf das Recht auf Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UN-Charta. Die ICAO verwies in ihrer Stellungnahme ausdrücklich darauf, dass der Einsatz von Waffen gegen Zivilflugzeuge nach dem Chicagoer Abkommen und einem Beschluss der ICAO-Versammlung verboten sei. Laut einem zitierten Bericht des Atlantic-Journalisten Simon Shuster markieren Selenskyjs Äußerungen aus Sicht westlicher Beobachter den Beginn einer zuvor geplanten ukrainischen Operation, die mit Schwärmen autonomer KI-Drohnen die Moskauer Flughäfen blockieren soll.