Moskauer Flughäfen Vnukovo und Scheremetjewo zum zweiten Mal in Folge nachts geschlossen
Die Moskauer Flughäfen Vnukovo und Scheremetjewo haben in der Nacht zum 3. September zum zweiten Mal in Folge den Flugbetrieb eingestellt. Nach Angaben der russischen Luftfahrtbehörde Rosawijazija wurden vorübergehende Beschränkungen für Starts und Landungen in der Region Moskau verhängt. Die Schließungen folgen auf Warnungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, dass der russische Luftraum für die Zivilluftfahrt zunehmend unsicher sei.
Warum es wichtig ist
Der Vorfall zeigt, wie die Kiewer Regierung Warnungen vor Risiken für die Zivilluftfahrt als Instrument einsetzt, um Druck auf die russische Luftfahrt auszuüben und international auf ein Flugverbot über Russland hinzuwirken. Er verdeutlicht eine direkte Eskalation des Informations- und Regulierungskampfes um die ICAO, da sowohl die Ukraine als auch Russland das Chicagoer Abkommen anführen. Zudem werden Marktauswirkungen für die russische Luftfahrt sichtbar – die Aktien von Aeroflot verloren mehr als fünf Prozent, und erste Fluggesellschaften lehnen Flüge zu russischen Zielen ab.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 3. September stellten die Flughäfen Vnukovo und Scheremetjewo in Moskau den Flugbetrieb zum zweiten Mal in Folge ein. Am Vortag hatten bereits drei Moskauer Flughäfen den Betrieb vorübergehend ausgesetzt. Laut der Flugtracking-Plattform Flightradar24 wurden an Scheremetjewo 21 Flüge gestrichen und 235 verspätet, an Vnukowo 22 Flüge gestrichen und 94 verspätet. Die russische Luftfahrtbehörde Rosawijazija führte zeitweilige Beschränkungen an Flughäfen der Region Moskau ein und erklärte zudem, dass die Luftverkehrsinfrastruktur planmäßig weiterarbeite. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin meldete für den Zeitraum bis 7:20 Uhr Ortszeit die Abfangung von 37 Drohnen, die sich Moskau aus dem Norden näherten; eine separate Angabe sprach von zehn zerstörten unbemannten Luftfahrzeugen in derselben Nacht. Auch an den Flughäfen Schukowski (Ramenskoje), Gelendschik, Sotschi, Pensa und Saratow wurden vorübergehende Beschränkungen verhängt. Am 1. September hatte Selenskyj Fluggesellschaften und Versicherer gewarnt, dass der russische Luftraum durch den Krieg und ukrainische Drohnenangriffe zunehmend unsicher werde; die Ukraine wolle keine Passagierflugzeuge angreifen, fordere aber internationale Unternehmen auf, militärische Risiken einzukalkulieren. Am 2. September teilte Außenminister Andrij Sybiha der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO mit, dass die Risiken für Flüge im russischen Luftraum zunähmen; gleichzeitig richtete Minister für Gemeinden- und Gebietsentwicklung Mykola Kalaschnyk ein Schreiben an den ICAO-Generalsekretär, in dem er einen vollständigen Bann ziviler Flüge über Russland forderte. Rosawijazija reagierte mit einem NOTAM, in dem sie alle ukrainischen Veröffentlichungen zum russischen Luftraum als rechtlich ungültig und als Verstoß gegen das Chicagoer Abkommen bezeichnete. Die ICAO veröffentlichte anschließend eine Erklärung, in der sie eine erhöhte Gefahr für Zivilflugzeuge in Konfliktgebieten feststellte und ankündigte, ihre Leitfäden zu aktualisieren.
Wie ukrainische Quellen berichten
Die ukrainische Berichterstattung stellt die Schließungen als Ergebnis einer bewussten ukrainischen Eskalationsstrategie dar: Selenskyjs Warnungen sowie die formellen Notifikationen über das Außenministerium und das Ministerium für Gemeinden- und Gebietsentwicklung an die ICAO werden als diplomatischer und juristischer Vorstoß für ein Flugverbot über Russland gerahmt. Hervorgehoben werden die Risiken für die Zivilluftfahrt durch russische Luftabwehrsysteme und die von Russland behauptete Missachtung von Sicherheitsmaßnahmen. Der Leiter des Zentrums für Desinformationsbekämpfung, Andrij Kowalenko, wies die Reaktion des Kremls als „Staatsterrorismus" als zynisch zurück. Putin werde zudem vorgeworfen, als Vergeltung Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur angedroht zu haben. Berichtet wird ferner über konkrete wirtschaftliche Folgen wie den Kursverlust der Aeroflot-Aktien und die ersten Fluggesellschaften, die russische Routen ablehnen.
Wie internationale Quellen berichten
International wird das Geschehen als Eskalation des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland im Rahmen der ICAO beschrieben. Im Mittelpunkt stehen die gegensätzlichen Positionen beider Staaten zum Chicagoer Abkommen sowie die von der ICAO angekündigte Aktualisierung ihrer Leitfäden, mit der die Behörde auf wachsende Risiken für die Zivilluftfahrt in Konfliktgebieten reagiert.
Worin sich die Berichterstattung unterscheidet
Die Quellenangaben zu Drohnenabfangungen in der Nacht zum 3. September widersprechen sich: Sobjanin wird sowohl mit der Zahl 37 (bis 7:20 Uhr Ortszeit) als auch mit der Zahl 10 (während der Nacht) zitiert. Grundlegender sind die gegensätzlichen Deutungen beider Seiten: Russische Vertreter (Putin, Transportminister Andrej Nikitin, Berater Anton Kobjakow sowie das NOTAM von Rosawijazija) erklären, der zivile Luftverkehr in Russland laufe normal und sei sicher; ukrainische Stellen (Selenskyj, Sybiha, Kowalenko, Kalaschnyk) stufen den russischen Luftraum als unsicher ein und fordern ein internationales Flugverbot.
Hintergrund
Am 1. September 2025 hatte Selenskyj öffentlich vor Fluggesellschaften und Versicherern gewarnt, dass der russische Luftraum für Zivilflugzeuge zunehmend gefährlich sei. Am 2. September informierte Außenminister Sybiha die ICAO über wachsende Bedrohungen; parallel wandte sich Kalaschnyk an den ICAO-Generalsekretär mit der Forderung nach einem vollständigen Bann ziviler Flüge über Russland. Rosawijazija antwortete mit einem NOTAM, das die ukrainischen Dokumente als rechtswidrig bezeichnete. Sobjanin meldete in derselben Zeit Drohnenabfangungen nahe der Hauptstadt, die von russischen Stellen als Begründung für Flughafenbeschränkungen angeführt wurden. Die ICAO veröffentlichte daraufhin eine Erklärung, in der sie erhöhte Risiken für die Zivilluftfahrt in Konfliktgebieten anerkannte und eine Aktualisierung ihrer Leitfäden ankündigte.
Quellen
- Українська правда — Аеропорти Москви призупиняли роботу другу ніч поспіль після попереджень Зеленського (3 September 2026)
- Новинарня — Аеропорти Москви призупиняли роботу другу ніч поспіль після попередження Зеленського (3 September 2026)
- Укрінформ — Московські аеропорти закривали другу ніч поспіль після попереджень Зеленського (3 September 2026)
- Суспільне Новини — Московські аеропорти другу ніч поспіль призупиняють роботу після попереджень Зеленського (3 September 2026)
- ZN.UA — Московські аеропорти другу ніч поспіль призупиняли роботу після попереджень Зеленського (3 September 2026)
- hromadske — Фіксує зростання ризиків ураження цивільних літаків. Після звернення України ІКАО оновлює свої рекомендації щодо реагування на загрози (3 September 2026)
- ZN.UA — Зміна маршрутів не розвʼязує проблем: ІСАО закликала країни самостійно дбати про безпеку польотів після попереджень України щодо РФ (3 September 2026)