3 September 2026 · Aktualisiert am 3 September 2026

Großangelegter Drohnen- und Seebootangriff: Ukraine trifft Ziele in der Region Moskau und Hafen von Sotschi

In der Nacht zum 3. September 2026 hat die Ukraine nach eigenen Angaben Ziele in mehreren russischen Regionen sowie im Schwarzmeerhafen Sotschi angegriffen. Russland spricht von 416 abgefangenen Drohnen, die ukrainische Seekriegsflotte bestätigt den Treffer des Versorgungsschiffs Nefrit in Sotschi.

Das Wichtigste

  • Russlands Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht 416 Drohnen abgefangen zu haben – davon nach Angaben des Moskauer Gebietsgouverneurs Andrij Worobjow 56 über der Region Moskau.
  • In Kubinka (Region Moskau) schlug eine Drohne in ein mehrstöckiges Wohnhaus an der Naro-Fominsker Chaussee ein und löste Brände im 7.–9. Stock aus; das Gebäude liegt rund 5 km vom Kubinka-Militärflugplatz entfernt.
  • Im Dorf Bolschoje Bunykowo (Rajon Bogorodski) fiel eine Drohne auf das Gelände eines Werks und verursachte einen Brand; in Pawlowski Posad wurden durch eine Drohne Fenster von acht Wohnungen zerstört.
  • Am Morgen des 3. September griffen unbemannte Boote den Seehafen Sotschi (Region Krasnodar) an; über dem Hafen waren zwei Rauchsäulen sichtbar, auf dem Hafengelände brach ein Feuer aus.
  • Die ukrainischen Seestreitkräfte bestätigten, dass am 2.–3. September zwei russische Schiffe getroffen wurden, darunter das Versorgungsschiff Nefrit im Hafen von Sotschi, das Offshore-Öl- und -Gasoperationen unterstützte.
  • In der Region Sotschi befand sich nach Satellitenbildern von 2024 ein Militärschiff am angegriffenen Teil des Hafens; in der Nähe eines Explosionsorts wurde ein russisches Flugabwehrsystem „Pantsir“ fotografiert, das möglicherweise ein Ziel war.
  • Die Moskauer Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo stellten in der zweiten aufeinanderfolgenden Nacht den Betrieb ein, nachdem Präsident Selenskyj vor den Gefahren des russischen Luftraums für die Zivilluftfahrt gewarnt hatte.
  • Der Generalstab der Ukraine meldete zudem den Angriff auf das russische Schnellboot BK-16 im besetzten Sewastopol.
  • Der russische Drohnenabschuss wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums in den Oblasten Belgorod, Brjansk, Kaluga, Twer, Smolensk, Kursk, Orjol, Tula, Woronesch, Lipezk, Tambow, Rostow, Wolgograd und Pensa, der Region Moskau, der annektierten Krim und über dem Schwarzen Meer registriert.

Warum es wichtig ist

Der kombinierte Drohnen- und Seebootangriff in einer einzigen Nacht zeigt die Reichweite und Vielachsigkeit der ukrainischen unbemannten Systeme – gleichzeitig Ziele tief im russischen Hinterland (Region Moskau) und ein Schwarzmeer-Resorthafen. Mit dem Treffer des Versorgungsschiffs Nefrit verlagert sich die Zielauswahl offenbar auf Logistik, die russische Offshore-Öl- und -Gasoperationen stützt. Der Einschlag in ein Wohnhaus nur etwa 5 km vom Militärflugplatz Kubinka wirft Fragen zur Zielgenauigkeit auf.

Was geschehen ist

In der Nacht vom 2. auf den 3. September 2026 flog die Ukraine laut russischen Angaben einen der bislang größten Drohnenschläge: Das Verteidigungsministerium in Moskau sprach von 416 abgefangenen Drohnen über 14 Oblasten, der Region Moskau, der Krim und dem Schwarzen Meer. Gouverneur Andrij Worobjow listete Abfangungen in mindestens elf Stadtkreisen der Region Moskau auf. In Kubinka traf eine Drohne ein Wohnhaus an der Naro-Fominsker Chaussee, in Pawlowski Posad flogen Fenster von acht Wohnungen, in Bolschoje Bunykowo geriet ein Werksgelände in Brand. Am Morgen griffen unbemannte Boote den Hafen von Sotschi an – Satellitenbilder von 2024 zeigen ein dort zuvor festgemachtes Militärschiff, und in der Nähe eines Explosionsorts wurde ein „Pantsir“-Luftabwehrsystem fotografiert. Die ukrainische Seekriegsflotte bestätigte die Treffer auf das Versorgungsschiff Nefrit in Sotschi sowie auf das Schnellboot BK-16 im besetzten Sewastopol. Die Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo stellten in der zweiten aufeinanderfolgenden Nacht den Flugbetrieb ein.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Ursache der Rauchentwicklung über dem Hafen von Sotschi wird unterschiedlich beschrieben: Die meisten Berichte sprechen von einem Angriff unbemannter Boote; ein späterer Hinweis schildert, dass ein unbemanntes Boot die Küste erreichte und im Hafen detonierte. Der Ort des Fabrikbrands in der Region Moskau erscheint unter leicht abweichenden Transliterationen (Bolschoje Bunkowo, Welikoje Bunkowo, Welyke Bun'kowe).

Hintergrund

Der russische Hafen von Sotschi hatte nach Satellitenbildern von 2024 ein Militärschiff in dem nun angegriffenen Bereich liegen. In Sotschi wurde in der Nähe eines Explosionsorts ein „Pantsir“-Luftabwehrsystem fotografiert. In der Region Moskau liegen das Dorf Bolschoje Bunykowo mit industriellen Anlagen und mehrere Truppenübungsplätze. Die Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo hatten bereits in der Vorwoche den Betrieb zeitweise eingestellt, nachdem Präsident Selenskyj auf Risiken des russischen Luftraums für die Zivilluftfahrt hingewiesen hatte.