HUR warnt vor Desinformationskampagne gegen den Militärgeheimdienst
Der ukrainische Militärgeheimdienst (HUR) hat am 3. September eine gezielte Desinformationskampagne gegen sich und seine Kampfeinheiten angeprangert. Die Warnung erfolgte vor dem Hintergrund eines bewaffneten Zusammenstoßes zwischen HUR und dem SBU am 2. September in Kiew im Zusammenhang mit dem Fall des RDK-Vizekommandeurs Stepan Kaplunov.
Das Wichtigste
- Der ukrainische Militärgeheimdienst (HUR) warnte am 3. September vor einer gezielten Desinformationskampagne zur Diskreditierung der Aufklärung und ihrer Kampfeinheiten.
- Laut HUR sollen Medien, Blogger und Telegram-Kanäle mit zweifelhafter Reputation einbezogen werden, auch gegen finanzielle Vergütung.
- HUR rief die Öffentlichkeit auf, ausschließlich verifizierten offiziellen Quellen zu vertrauen.
- HUR forderte Journalisten und Blogger auf, sich bei entsprechenden Angeboten unverzüglich an die Strafverfolgungsbehörden zu wenden.
- Am 2. September kam es in Kiew in der Bereznaky-Siedlung (Schumskoho-Straße) zu einem bewaffneten Zusammenstoß zwischen HUR und SBU; mehrere HUR-Kämpfer wurden verwundet.
- Der SBU veröffentlichte am 3. September ein Video, in dem RDK-Vizekommandeur Stepan Kaplunov FSB-Kontakte einräumt; Kaplunov bestreitet dies und spricht von einer erzwungenen Aussage.
- Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Vorfall zwischen SBU und HUR als „beschämend" und entließ Oleh Khramov, Leiter der SBU-Abteilung für Staatsgeheimnisschutz und Lizenzierung.
Warum es wichtig ist
Die Erklärung ist eine offizielle öffentliche Warnung einer ukrainischen Sicherheitsbehörde vor einer laufenden Informationsoperation gegen sie selbst. Sie erfolgte nach einem beispiellosen bewaffneten Konflikt zwischen HUR und SBU, der die Spannungen zwischen zwei staatlichen Sicherheitsorganen im Krieg öffentlich sichtbar machte. HUR appellierte an Medien und Blogger, kostenpflichtige Angebote zur Verbreitung diskreditierender Inhalte zu melden. Präsident Selenskyj schaltete sich persönlich ein, nannte den Vorfall „beschämend" und ordnete personelle Veränderungen an – ein Signal für die politische Brisanz auf höchster Ebene.
Was geschehen ist
Am 3. September veröffentlichte die Hauptaufklärungsdirektion (HUR) des ukrainischen Verteidigungsministeriums über ihren Telegram-Kanal eine Erklärung, wonach eine gezielte Desinformationskampagne zur Diskreditierung des Militärgeheimdienstes und seiner Kampfeinheiten im Gange sei. Laut HUR planten die Organisatoren, Medien, Blogger und Telegram-Kanäle mit zweifelhafter Reputation einzubeziehen, auch gegen finanzielle Vergütung. HUR rief die Bevölkerung auf, nur verifizierten offiziellen Quellen zu vertrauen, und bat Journalisten sowie Blogger, sich bei entsprechenden Angeboten sofort an die Strafverfolgungsbehörden zu wenden. Gleichzeitig betonte HUR, dass der Militärgeheimdienst und seine Einheiten weiterhin die Freiheit und Würde der Ukraine verteidigten und alle Kampf- und Spezialaufgaben zur Abwehr der russischen Aggression erfüllten. HUR benannte die mutmaßlichen Organisatoren der Kampagne nicht. Die Erklärung steht im Kontext eines bewaffneten Zusammenstoßes zwischen HUR und SBU am 2. September in der Bereznaky-Siedlung in Kiew (Schumskoho-Straße), bei dem die Sondereinheit Alpha des SBU Waffen einsetzte und mehrere HUR-Kämpfer verletzt wurden. Der SBU erklärte, der Vorfall stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen zu mutmaßlichen FSB-Kontakten des RDK-Vizekommandeurs Stepan Kaplunov. Der RDK hatte am 1. September berichtet, Kaplunov sei „von Unbekannten entführt" worden; Kaplunov selbst gab an, am 23. August von Personen, die sich als Polizisten ausgaben, verschleppt und unter Druck zu einem Geständnis gebracht worden zu sein. Am 3. September veröffentlichte der SBU ein Video, in dem Kaplunov FSB-Kontakte zu bestätigen scheint; er weist die Vorwürfe als erzwungen zurück. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den SBU-HUR-Zwischenfall als „beschämend" und entließ am selben Tag Oleh Khramov, den Leiter der SBU-Abteilung für Staatsgeheimnisschutz und Lizenzierung.
Wo die Berichte auseinandergehen
Der SBU stellt die Aussage Stepan Kaplunovs vor der Kamera als echtes Geständnis dar und spricht von einer Festnahme im Rahmen von Ermittlungen. Kaplunov selbst, sein Anwalt Taras Borovsky und RDK-Kommandeur Denys Kapustin hingegen schildern den Ablauf anders: Kaplunov sei bereits am 23. August von Personen, die sich als Polizisten ausgaben, entführt und unter Drohungen zu einem Geständnis gezwungen worden; sein Aufenthaltsort nach der Freilassung sei unbekannt. Darüber hinaus bestehen Differenzen darüber, ob die vom SBU kommunizierte „gemeinsame" Vereitelung eines FSB-Auftragsmordes tatsächlich eine abgestimmte Operation war: Laut einer Quelle erschien die Darstellung einer gemeinsamen Aktion zunächst auf den offiziellen HUR-Kanälen, wurde dort aber später wieder entfernt.
Hintergrund
Am 2. September kam es in der Bereznaky-Siedlung in Kiew (Schumskoho-Straße) zu einem bewaffneten Zusammenstoß zwischen SBU und HUR; die Sondereinheit Alpha des SBU setzte Waffen ein, mehrere Kämpfer auf Seiten der Verteidigungskräfte wurden verwletzt. Der SBU erklärte, der Konflikt stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen zu mutmaßlichen FSB-Verbindungen des RDK-Vizekommandeurs Stepan Kaplunov. Kaplunov, sein Anwalt und RDK-Kommandeur Denys Kapustin geben dagegen an, er sei am 23. August von vermeintlichen Polizisten verschleppt und unter Druck zu einem Geständnis gebracht worden. Am 3. September veröffentlichte der SBU ein Video, in dem Kaplunov FSB-Kontakte und einen versuchten Rekrutierungsversuch einzuräumen scheint; Kaplunov weist dies als erzwungen zurück. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete Voruntersuchungen sowohl zur Schießerei in Kiew als auch zur mutmaßlichen Entführung Kaplunovs ein. Am 3. September entließ Präsident Selenskyj Oleh Khramov, den Leiter der SBU-Abteilung für Staatsgeheimnisschutz und Lizenzierung, und bezeichnete den SBU-HUR-Zwischenfall als „beschämend".