Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Indiens Außenminister Jaishankar zu historischem Besuch in Kiew eingetroffen

Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar ist am 3. September in Kiew eingetroffen – der erste eigenständige bilaterale Besuch eines indischen Außenministers in der Ukraine überhaupt. Bei Gesprächen mit seinem ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha und Präsident Wolodymyr Selenskyj standen Friedensbemühungen, bilaterale Zusammenarbeit, die Freiheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer und die globale Ernährungssicherheit im Mittelpunkt. Jaishankar erklärte, der russisch-ukrainische Krieg sei durch Diplomatie zu lösen und nicht durch Entscheidungen einzelner Staaten über den Kauf russischen Öls.

Das Wichtigste

  • 3. September: Jaishankar traf in Kiew ein – erster eigenständiger bilateraler Besuch eines indischen Außenministers in der Ukraine.
  • Empfang durch Außenminister Andrij Sybiha; Gespräch auch mit Präsident Wolodymyr Selenskyj.
  • Zentrale Themen: Friedensbemühungen, bilaterale Zusammenarbeit, Freiheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer, globale Ernährungssicherheit.
  • Jaishankar: Kriegslösung nur durch Diplomatie, nicht über Öl-Kaufentscheidungen; Konflikt dauere bereits das fünfte Jahr an.
  • Bilateraler Handel Ukraine–Indien liegt nach Angaben Sybihas bei 2,6 Mrd. US-Dollar.
  • Kooperationsfelder: Energie, Infrastruktur, Transport, Landwirtschaft, Pharma, Digitalisierung, Maschinenbau, Sicherheit, Bildung.
  • Indien hat laut Jaishankar 19 Hilfslieferungen mit 160 Tonnen Generatoren, Medikamenten und medizinischer Ausrüstung an die Ukraine geschickt.

Warum es wichtig ist

Der Besuch ist ein diplomatischer Meilenstein – der erste eigenständige bilaterale Besuch eines indischen Außenministers in der Ukraine. Angesichts der wachsenden indischen Käufe russischen Öls ist die Haltung Neu-Delis für Kiew politisch sensibel; Jaishankars Formulierung, der Krieg sei nur durch Diplomatie zu lösen, ist eine direkte Antwort auf ukrainische Kritik. Zugleich brachte der Besuch konkrete Ergebnisse: ein genanntes Handelsvolumen von 2,6 Mrd. US-Dollar, Pläne für eine zwischenstaatliche Wirtschaftskommission, identifizierte Kooperationssektoren und eine Abrechnung über humanitäre Hilfslieferungen. Mit der Erwähnung des Todes eines indischen Staatsbürgers bei einem Angriff auf Kiew und der Schädigung indischer Seeleute verknüpfte Jaishankar indische Sicherheitsinteressen direkt mit dem Krieg.

Was geschehen ist

Am 3. September traf der indische Außenminister Subrahmanyam Jaishankar in Kiew ein – der erste eigenständige bilaterale Besuch eines indischen Außenministers in der Ukraine seit Bestehen der bilateralen Beziehungen. Sein ukrainischer Amtskollege Andrij Sybiha hieß ihn willkommen und hielt mit ihm ein gemeinsames Pressebriefing ab. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Friedensbemühungen, bilaterale Zusammenarbeit, die Freiheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer und die globale Ernährungssicherheit. Sybiha bezifferte den bilateralen Handelsumsatz auf 2,6 Mrd. US-Dollar und nannte Energie, Infrastruktur, Transport, Landwirtschaft, Pharma, Digitalisierung, Maschinenbau, Sicherheit und Bildung als Kooperationsfelder. Jaishankar lud Sybiha zu einem Gegenbesuch nach Indien ein. Beide Seiten sprachen zudem über Angriffe auf Handelsschiffe, die indische Seeleute geschädigt hätten, und über den Tod eines indischen Staatsbürgers bei einem Angriff auf Kiew zwei Tage vor dem Briefing. Jaishankar erklärte, der Krieg könne nicht durch Entscheidungen über den Kauf russischen Öls gelöst werden, und verwies auf Indiens Verantwortung für 1,4 Milliarden Menschen unter schwierigen Energiebedingungen. Präsident Wolodymyr Selenskyj empfing Jaishankar ebenfalls; er erklärte, die ukrainische Luftabwehr habe die Delegation geschützt, indem sie die meisten der am Besuchstag gestarteten Drohnen abgeschossen habe. Sybiha bezeichnete den Besuch als historisch und betonte, er finde trotz anhaltender russischer Angriffe statt.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Quellen räumen dem parallelen Treffen Selenskyjs mit Jaishankar breiten Raum ein: Selenskyjs Erzählung vom Abschuss der meisten Drohnen am Besuchstag zur Sicherung der Delegation, sein Hinweis auf "Shaheds" mit iranischer Hilfe und seine Lesart einer "klaren" indischen Position zur Beendigung des Krieges stehen im Vordergrund. Sybiha betont den historischen Charakter des Besuchs trotz laufender russischer Angriffe, formuliert ukrainische Erwartungen an indische Unterstützung für UN-Charta, Souveränität, territoriale Integrität und Freiheit der Schifffahrt und stellt konkrete Wirtschaftszahlen und Sektoren der Zusammenarbeit heraus. Ukrainische Titel und Leads platzieren Jaishankars Aussage, der Krieg sei nicht über Ölkäufe zu lösen, als zentrale Botschaft – und stellen sie direkt neben die Tatsache steigender russischer Öllieferungen nach Indien.

Hintergrund

Jaishankar war bereits vor zwei Jahren als Teil einer Delegation von Premierminister Narendra Modi in der Ukraine. Modi hatte bei Gesprächen mit Präsident Wladimir Putin in Bischkek, Kirgisistan, erklärt, der Krieg müsse im Interesse der Menschlichkeit enden und Indien werde alle Friedensbemühungen unterstützen. Indien hat laut Jaishankar 19 Hilfslieferungen im Gesamtumfang von 160 Tonnen mit Generatoren, Medikamenten und medizinischer Ausrüstung an die Ukraine geschickt. Indische Raffinerien hatten zu Jahresbeginn ihre Käufe von russischem Rohöl wegen des Risikos höherer US-Zölle reduziert und sie später angesichts lieferbedingter Engpässe durch den Krieg im Nahen Osten wieder erhöht; im Juli erreichte russisches Rohöl einen Rekordanteil von über der Hälfte der indischen Ölimporte, ein Plus von 62,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sybiha wies darauf hin, dass der Besuch trotz anhaltender russischer Angriffe stattfand. Selenskyj erklärte, die ukrainische Kampfflugabwehr habe die meisten der am Besuchstag gestarteten Drohnen abgeschossen und so die Sicherheit der Delegation gewährleistet. Die Themen Freiheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer und globale Ernährungssicherheit hängen eng mit Angriffen auf die zivile Schifffahrt zusammen, von denen nach Jaishankars Worten indische Seeleute betroffen waren.