4 September 2026 · Aktualisiert am 4 September 2026

SAPO-Chef Klymenko: Operation „Femida" trug zunächst den Codenamen „Disneiland"

Der Leiter der ukrainischen Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAPO), Oleksandr Klymenko, hat dargelegt, dass die Operation „Femida" anfangs den Arbeitstitel „Disneiland" trug, weil der Hauptverdächtige den Spitznamen „Miky Maus" hatte. Im Zuge der Ermittlungen wurde das Verfahren in die Fälle „Forest Gamp" und „Femida" aufgeteilt. Betroffen sind unter anderem eine damalige stellvertretende Leiterin des Präsidialamtes, der Ex-Abgeordnete Maksym Mykytas sowie Führungspersonen staatlicher Banken.

Das Wichtigste

  • SAPO-Chef Oleksandr Klymenko erklärte, die Operation „Femida" habe anfangs den Codenamen „Disneiland" getragen, weil der Hauptverdächtige „Miky Maus" genannt wurde; später wurde das Verfahren in „Forest Gamp" und „Femida" aufgeteilt.
  • Am 19. August 2025 meldeten NABU und SAPO im Fall „Forest Gamp" mehrere Amtsträger wegen Verdachts der Geldwäsche.
  • Am 20. August 2025 informierte NABU Teilnehmer einer kriminellen Vereinigung im Fall „Femida" über den Verdacht; laut Ermittlungen zielte die Gruppe auf Immobilien und Vermögenswerte durch unbefugte Eingriffe in die IT-Netze des Justizministeriums sowie durch gefälschte Gerichtsentscheidungen.
  • Laut Ermittlungen hinterlegten die Verdächtigen am 29. Juni eine Kaution von 150 Mio. Hrywnja für einen Beschuldigten im Fall „Midas" aus illegalen Mitteln.
  • Zur Gruppe gehörten nach Ermittlungsangaben eine stellvertretende Leiterin des Präsidialamtes, ein Ex-Abgeordneter, der Vorstandsvorsitzende einer staatlichen Bank und der Vorsitzende des Aufsichtsrats einer staatlichen Bank.
  • Am 19. August 2025 wurde Iryna Mudra als stellvertretende Leiterin des Präsidialamtes entlassen; das HACC (Hochrangiges Antikorruptionsgericht) ordnete am 25. August 2025 Untersuchungshaft mit Alternativkaution von 20 Mio. Hrywnja an, die Berufungskammer bestätigte die Maßnahme.
  • Für den Ex-Abgeordneten Maksym Mykytas wählte das HACC Untersuchungshaft mit Alternativkaution von 30 Mio. Hrywnja; die Berufungskammer bestätigte die Maßnahme am 1. September.
  • Für die ehemalige Leiterin der Finanzüberwachung der Sense Bank, Liudmyla Snihur, wurde eine Kaution von 3 Mio. Hrywnja festgesetzt.
  • Am 21. August 2025 wählte das HACC für den Präsidialamts-Mitarbeiter Viktor Dubovyk Untersuchungshaft mit Alternativkaution von 7 Mio. Hrywnja; er kam nach Zahlung der Kaution frei.

Warum es wichtig ist

Die Fälle „Femida" und „Forest Gamp" zielen auf mutmaßliche großangelegte Korruptionsschemata, die bis in das Präsidialamt und in staatliche Banken reichen. Dass eine amtierende stellvertretende Leiterin des Präsidialamtes entlassen, durchsucht und in Untersuchungshaft genommen wurde, macht das Vorgehen zu einem besonders hochrangigen Antikorruptionsverfahren gegen die Präsidialverwaltung. Die Ermittlungen stehen im Kontext der breiteren NABU/SAPO-Offensive, in deren Rahmen über den verwandten Fall „Midas" auch Ex-Energieminister Herman Halushchenko belastet wird.

Was geschehen ist

SAPO-Chef Oleksandr Klymenko erläuterte die Codenamen der laufenden Ermittlungen: Die Operation sei anfangs „Disneiland" genannt worden, weil der Hauptverdächtige „Miky Maus" geheißen habe; mit Ausweitung des Schemas sei sie in die Fälle „Forest Gamp" und „Femida" aufgespalten worden. Er begründete die Verwendung von Codenamen mit der Vermeidung von Informationslecks und möglicher Überwachung. Im Fall „Forest Gamp" informierten NABU und SAPO am 19. August mehrere Amtsträger über den Verdacht der Geldwäsche; laut Ermittlungen hatten die Verdächtigen am 29. Juni eine Kaution von 150 Mio. Hrywnja für einen Beschuldigten im Fall „Midas" aus illegalen Mitteln hinterlegt. Zur Gruppe gehörten nach Ermittlungsangaben eine stellvertretende Leiterin des Präsidialamtes, ein Ex-Abgeordneter, der Vorstandsvorsitzende und der Aufsichtsratsvorsitzende einer staatlichen Bank sowie weitere Personen. Bei der damaligen stellvertretenden Präsidialamtsleiterin Iryna Mudra wurden Durchsuchungen durchgeführt; Präsident Wolodymyr Selenskyj entließ sie am 19. August, sie erklärte später, sie habe selbst um die Entlassung gebeten. Am 20. August informierte NABU Beschuldigte im Fall „Femida" über den Verdacht; die Gruppe habe laut Ermittlungen durch unbefugte Eingriffe in die IT-Netze des Justizministeriums und gefälschte Gerichtsentscheidungen Immobilien und Vermögenswerte von juristischen Personen an sich gebracht. Das HACC legte für Mudra am 25. August Untersuchungshaft mit Alternativkaution von 20 Mio. Hrywnja fest (Berufungskammer bestätigt), für den Ex-Abgeordneten Maksym Mykytas Untersuchungshaft mit Alternativkaution von 30 Mio. Hrywnja (am 1. September von der Berufungskammer bestätigt), für die ehemalige Finanzüberwachungschefin der Sense Bank, Liudmyla Snihur, eine Kaution von 3 Mio. Hrywnja, und für den Präsidialamts-Mitarbeiter Viktor Dubovyk am 21. August Untersuchungshaft mit Alternativkaution von 7 Mio. Hrywnja, woraufhin dieser nach Kautionstellung das Untersuchungsgefängnis verließ.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen sind uneins, ob Iryna Mudra das Präsidialamt auf Entlassung durch Präsident Selenskyj hin verließ oder selbst ein Rücktrittsgesuch einreichte.