UN verabschiedet Equal-Earth-Weltkarte – Ukraine enthält sich wegen Krim-Darstellung
Die UN-Generalversammlung hat am 4. September die Equal-Earth-Kartenprojektion als neue offizielle Weltkarte angenommen. 164 Staaten stimmten dafür, die USA dagegen. Die Ukraine enthielt sich, weil die Karte die besetzte Krim in einem helleren Farbton vom übrigen Ukraine-Territorium absetzt – eine Darstellung, die laut der Ständigen Vertretung der Ukraine gegen die UN-Charta und gegen Resolutionen der Generalversammlung zur territorialen Integrität verstoße. Auch Serbien, Estland, Georgien, Litauen und Moldau enthielten sich.
Das Wichtigste
- Die UN-Generalversammlung verabschiedete am 4. September die Equal-Earth-Kartenprojektion als Nachfolger der Mercator-Projektion.
- 164 Staaten stimmten für die Resolution, die USA dagegen; Ukraine, Serbien, Estland, Georgien, Litauen und Moldau enthielten sich.
- Die Resolution wurde von Togo eingebracht und von Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union unterstützt.
- Auf der Equal-Earth-Karte ist die Krim vom restlichen Ukraine-Territorium abgesetzt und in einem helleren Farbton dargestellt, der sich auch vom Farbton Russlands unterscheidet.
- Russisch besetzte Gebiete Georgiens und Moldaus erhalten auf der Karte keine vergleichbare Sondermarkierung.
- Die Ständige Vertretung der Ukraine erklärte, die Darstellung verletze die UN-Charta und Resolutionen der Generalversammlung zur territorialen Integrität der Ukraine, und warnte vor einem „Präzedenzfall, der die Weltgemeinschaft gefährden könnte“.
Warum es wichtig ist
Mit der Equal-Earth-Karte ersetzt die UN erstmals seit Jahrhunderten eine globale Standardprojektion und reagiert damit auf die Verzerrung der Größenverhältnisse – etwa wirkt Grönland auf der Mercator-Projektion ähnlich groß wie Afrika, obwohl Afrika rund 14-mal größer ist. Dass die Ukraine als einer von nur sechs Enthaltungsstaaten ausgeschert ist, unterstreicht, wie sensibel die Frage ist, wie besetzte Gebiete auf offiziellen UN-Karten markiert werden. Dass die Krim eigens hervorgehoben wird, während russisch besetzte Gebiete Georgiens und Moldaus unmarkiert bleiben, wirft die Frage auf, nach welchen Kriterien künftig über Markierungen entschieden wird.
Was geschehen ist
Die UN-Generalversammlung verabschiedete am 4. September mit 164 Ja-Stimmen die Equal-Earth-Kartenprojektion als neue offizielle Weltkarte; die USA stimmten dagegen. Die von Togo eingebrachte und von den Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union unterstützte Resolution ersetzt die seit dem 16. Jahrhundert gebräuchliche Mercator-Projektion. Auf der neuen Karte ist die Krim vom übrigen ukrainischen Territorium abgesetzt und in einem helleren Farbton dargestellt, der sich auch von der Farbgebung Russlands unterscheidet. Russisch besetzte Gebiete in Georgien und Moldau erhalten dagegen keine entsprechende Sondermarkierung. Die Ukraine – zusammen mit Serbien, Estland, Georgien, Litauen und Moldau – enthielt sich. Die Ständige Vertreterin der Ukraine erklärte, die Krim-Darstellung verstoße gegen die UN-Charta und gegen Resolutionen der Generalversammlung zur territorialen Integrität sowie zur Nichtanerkennung der russischen Annexion von 2014. Die Ukraine habe versucht, mit den Autoren der Resolution einen Kompromisstext zu finden, sei damit jedoch gescheitert. Der ukrainische UN-Botschafter Andrij Melnyk warnte vor einem gefährlichen Präzedenzfall und dankte den Staaten, die sich enthielten. Die ukrainische Abgeordnete Kira Rudyk kritisierte die Darstellung scharf.
Wo die Berichte auseinandergehen
In den vorliegenden Quellen wird Kira Rudyk teils als „ukrainische Abgeordnete“ (Ukrainian MP) und teils als „Volksvertreterin“ (People's Deputy) bezeichnet – beides meint dasselbe gewählte Parlamentsmitglied, der Titel variiert nur in der Übersetzung. Inhaltliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den Quellen sind nicht erkennbar.
Hintergrund
Die Equal-Earth-Projektion wurde 2018 entwickelt und gilt als deutlich maßstabsgetreuer als die seit dem 16. Jahrhundert verwendete Mercator-Projektion. Auf der Mercator-Projektion wirken Grönland und Afrika annähernd gleich groß, tatsächlich aber ist Afrika rund 14-mal größer. Die Resolution zur Einführung der neuen Karte wurde von Togo eingebracht und von den Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union unterstützt. 164 Staaten stimmten dafür, die USA dagegen. Auffällig ist, dass russisch besetzte Gebiete in Georgien und Moldau auf der Karte keine Sondermarkierung erhalten – die Hervorhebung der Krim bildet damit eine Ausnahme.