Veröffentlicht am · Aktualisiert:

AKW Saporischschja nach mehr als zwei Wochen wieder ans externe Stromnetz angeschlossen

Ukrainische Fachleute haben am 7. September 2026 die externe Stromversorgung des seit März 2022 russisch besetzten Kernkraftwerks Saporischschja (ZNPP) wiederhergestellt. Um 19:02 wurde die 330-kV-Leitung „Ferosplavna-1" unter einer IAEA-vermittelten lokalen Waffenruhe repariert und ans Netz genommen. Damit endete ein mehr als zweiwöchiger Notbetrieb über Dieselgeneratoren, deren Reserven nach IAEA-Angaben zur Neige gingen.

Das Wichtigste

  • Externe Stromversorgung des AKW Saporischschja am 7. September um 19:02 über die 330-kV-Leitung „Ferosplavna-1" wiederhergestellt
  • Eigenbedarf der Anlage zum Zeitpunkt der Wiedereinschaltung: 11 MW
  • Seit dem 20. August war die Anlage auf Dieselgeneratoren angewiesen — Reserven laut IAEA nahezu erschöpft
  • Lokale Waffenruhe trat am Samstag, 5. September, in Kraft; Reparatur durch ukrainische Spezialisten unter IAEA-Vermittlung
  • Alle sechs Reaktorblöcke befinden sich im „cold shutdown" und benötigen für dessen Aufrechterhaltung kontinuierlich externen Strom
  • IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi sprach von einem „wichtigen Schritt zur Verhinderung eines nuklearen Unfalls"
  • Energoatom: vollständige nukleare und strahlungsspezifische Sicherheit erst nach Rückgabe der Anlage unter ukrainische Kontrolle

Warum es wichtig ist

Das AKW Saporischschja ist das größte Kernkraftwerk Europas. Ein vollständiger Verlust der Stromversorgung — etwa durch Treibstoffmangel der Dieselgeneratoren — hätte das Risiko eines nuklearen Unfalls in einer aktiven Kampfzone bedeutet. Die Wiedereinschaltung über die IAEA-vermittelte lokale Waffenruhe ist ein seltenes Beispiel lokaler Deeskalation rund um die Anlage. Energoatom betont zugleich, dass erst eine Rückgabe unter ukrainische Kontrolle dauerhafte nukleare Sicherheit garantieren könne.

Was geschehen ist

Am 7. September 2026 um 19:02 wurde das temporär besetzte Kernkraftwerk Saporischschja nach einer dreitägigen Reparatur durch ukrainische Energiefachleute wieder an die 330-kV-Leitung „Ferosplavna-1" angeschlossen. Der Eigenbedarf der Anlage betrug zu diesem Zeitpunkt 11 MW. Die Anlage war seit dem 20. August ohne externe Stromversorgung und hatte ihre kritischen Systeme über Notstrom-Dieselgeneratoren versorgt — deren Treibstoffreserven laut IAEA nahezu aufgebraucht waren. Die Reparatur erfolgte unter einer lokalen Waffenruhe, die am Samstag, 5. September, auf IAEA-Vermittlung in Kraft getreten war. Alle sechs Reaktorblöcke befinden sich im „cold shutdown", einem Zustand, in dem der Reaktor zwar keinen Strom erzeugt, aber zur Aufrechterhaltung dauerhaft externen Strom benötigt. Die IAEA warnte, dass ohne Wiederherstellung der externen Versorgung oder zusätzliche Diesellieferungen innerhalb weniger Tage ein vollständiger Stromausfall an der Anlage gedroht habe.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die ukrainische Berichterstattung stellt die ukrainischen Energiefachleute als die Akteure heraus, die die Reparatur und Wiedereinschaltung ausgeführt haben. Die Anlage wird durchgängig als auf „temporär besetztem" Territorium gelegen beschrieben. Hervorgehoben wird die Position von Energoatom, wonach vollständige nukleare und strahlungsspezifische Sicherheit erst nach der Deokkupation und der Rückkehr der Anlage unter ukrainische Kontrolle mit Energoatom als legitimem Betreiber möglich sei. Die Phase des Dieselgeneratorbetriebs wird als zusätzliches Risiko für die nukleare und strahlungsspezifische Sicherheit des größten Kernkraftwerks Europas unter Besatzungs- und Kampfbedingungen gerahmt. Ein ukrainischer Sender formuliert das Ende des Stromausfalls als Beendigung des „27. Blackouts" der Anlage.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Dauer des Ausfalls der externen Stromversorgung wird in den Quellen unterschiedlich angegeben: Ein Artikel beschreibt sie als „mehr als zwei Wochen", ein anderer — unter Berufung auf IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi — als „fast drei Wochen".

Hintergrund

Russland besetzte das AKW Saporischschja Anfang März 2022 und führt die Anlage seither unter russischer Kontrolle; wiederholt kam es zu Blackouts. Die seit dem 20. August andauernde Unterbrechung war nach ukrainischer Zählung der 15. solche Vorfall im Jahr 2026 und der 27. seit Beginn der großangelegten Invasion. Beschuss in der Nähe der Anlage hat wiederholt Übertragungsleitungen beschädigt und die Anlage auf für Notfälle ausgelegte Dieselgeneratoren zurückgeworfen. Alle Reaktorblöcke befinden sich im „cold shutdown" — einem Zustand mit abgeschaltetem Reaktor bei niedrigem Druck und niedriger Kühlmitteltemperatur, der dennoch auf unbestimmte Zeit externe Stromversorgung benötigt.