Polnischer Rechtsextremist Braun zerstört UPA-Denkmal an polnisch-ukrainischer Grenze
Der polnische EU-Abgeordnete Grzegorz Braun von der rechtsextremen „Konfederacja Korony Polskiej“ hat gemeinsam mit einem Parteikollegen einen Granitobelisken für UPA-Kämpfer im Dorf Białystok bei Dołhobyczów in der Woiwodschaft Lublin zerstört und ein Video der Tat selbst auf X veröffentlicht. Die polnische Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, unter anderem wegen Schändung eines Denkmals und Grabstätte, Sachbeschädigung und möglicherweise eines aus nationalen Motiven begangenen Hassverbrechens.
Das Wichtigste
- Der polnische EU-Abgeordnete Grzegorz Braun und sein Parteikollege Marcin Miksza zerstörten mit Hämmern bzw. Äxten einen Granitobelisken im Dorf Białystok bei Dołhobyczów (Woiwodschaft Lublin).
- Der Obelisk markiert die Grabstätte von 41 UPA-Kämpfern, die im Februar 1946 im Kampf mit dem sowjetischen NKWD getötet wurden; das Grabmal besteht seit den 1990er Jahren, in seiner heutigen Granitform seit 2019.
- Braun veröffentlichte ein Video der Tat auf X und forderte den Abriss des Denkmals, das nach seiner Darstellung „die Erinnerung an die Opfer des ukrainischen Völkermords an Polen“ verletze.
- Die polnische Polizei eröffnete am 6. September Ermittlungen wegen Schändung eines Denkmals und einer Grabstätte, Sachbeschädigung und möglicher national motivierter Hasskriminalität.
- Die Pressesprecherin des polnischen Innenministeriums, Karolina Gałecka, kündigte an, dass die Täter nicht ungestraft bleiben würden.
- Das Denkmal war bereits im Sommer 2026 sowie kurz vor Brauns Video verwüstet worden; die ukrainische Botschaft verurteilte die früheren Vorfälle offiziell.
Warum es wichtig ist
Ein amtierender EU-Abgeordneter hat eigenhändig ein Grabmal zerstört und dies gefilmt ins Netz gestellt — ein Vorgang, der Fragen nach der Verantwortlichkeit gewählter Amtsträger aufwirft. Die Tat berührt den hochsensiblen polnisch-ukrainischen Erinnerungskonflikt um UPA und Wolhynien in einer Phase, in der die ukrainische EU-Integration nach Aussage des stellvertretenden polnischen Außenministers Bosacki gerade an solche Symbolfragen geknüpft wird. Dass die Ermittler auch ein aus nationalen Gründen begangenes Hassverbrechen prüfen, unterstreicht die politische Brisanz.
Was geschehen ist
Grzegorz Braun, EU-Abgeordneter und Vorsitzender der rechtsextremen „Konfederacja Korony Polskiej“, zerstörte zusammen mit seinem Parteikollegen Marcin Miksza einen Granitobelisken im Dorf Białystok bei Dołhobyczów in der Woiwodschaft Lublin unweit der polnisch-ukrainischen Grenze. In einem selbst auf X veröffentlichten Video sind beide dabei zu sehen, wie sie mit Hämmern beziehungsweise Äxten die in den Stein eingravierten Inschriften zerschlagen. Das Denkmal markiert die Grabstätte von 41 UPA-Kämpfern, die im Februar 1946 im Kampf mit dem sowjetischen NKWD gefallen waren, und besteht seit den 1990er Jahren, in der heutigen Granitform seit 2019. In seinem Begleittext forderte Braun den sofortigen Abriss des Obelisken und begründete dies damit, dass das Denkmal „die Erinnerung an die Opfer des ukrainischen Völkermords an Polen“ verletze und illegal errichtet worden sei. Die polnische Polizei eröffnete am 6. September Ermittlungen wegen Schändung eines Denkmals und einer Grabstätte, Sachbeschädigung sowie des Verdachts eines aus nationalen Motiven begangenen Hassverbrechens; die Pressesprecherin des Innenministeriums, Karolina Gałecka, kündigte an, dass die Verantwortlichen nicht ungestraft bleiben würden. Das Denkmal war bereits im Sommer 2026 sowie kurz vor Brauns Video durch Unbekannte verwüstet worden; die ukrainische Botschaft hatte die früheren Vorfälle offiziell verurteilt.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die in den verfügbaren Quellen ausschließlich vertretenen ukrainischen Medien zeichnen Braun einhellig als „skandalösen“ und „ukrainophoben“ Ultranationalisten und rücken Empörung sowie die Zerstörung des UPA-Denkmals in den Mittelpunkt. Berichtet wird über die früheren Verwüstungen des Denkmals 2026 und die offizielle Verurteilung durch die ukrainische Botschaft; als zentrale ukrainische Stimme tritt der Soldat und Historiker Volodymyr Birchak auf, der den zerstörten Tryzub und die Aussetzung der Exhumationsgenehmigungen für die polnische Seite seit rund zehn Jahren hervorhebt und den Vorfall damit als Teil eines wiederkehrenden Musters polnischer Schändungen ukrainischer Grabstätten rahmt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen widersprechen sich darin, ob Braun und Miksza den Obelisken mit Hämmern beziehungsweise Vorschlaghämmern oder mit Äxten bzw. Beilen („sokyry-moloty“) bearbeiteten. Auch die Vertrauenswerte der Fakten schwanken erheblich: Während die zentralen Ereignisse – die Zerstörung, das Video und die Einleitung der Ermittlungen – mit hoher Sicherheit (0,95–0,98) belegt sind, tragen vor allem die Aussagen Volodymyr Birchaks zu den Exhumationsgenehmigungen und zu behaupteten Restaurierungen eine deutlich niedrigere Konfidenz (0,65–0,7).
Hintergrund
Der zerstörte Obelisk erinnert an 41 UPA-Kämpfer, die im Februar 1946 gegen den sowjetischen NKWD gefallen sind; das Grabmal besteht seit den 1990er Jahren, die heutige Granitform mit eingravierten Namen steht seit 2019. Das Denkmal war bereits zweimal verwüstet worden: im Sommer 2026 mit Farbe und einer beschädigten Steinbogenkonstruktion – was die ukrainische Botschaft offiziell verurteilte – und erneut kurz vor Brauns Video. Braun führt die rechtsextreme „Konfederacja Korony Polskiej“ und ist für eine Reihe antiukrainischer und provokativer Aktionen bekannt, darunter das Löschen einer Chanukka in der Sejmkantine im Dezember 2024 mit einem Feuerlöscher und die Entfernung ukrainischer Flaggen vom Kosciuszko-Hügel in Krakau (Juni 2024) sowie in Biała Podlaska (April 2025); im Sejm war er zudem der einzige Abgeordnete, der vor dem russischen Einmarsch gegen eine Resolution zur Unterstützung der Ukraine stimmte. Laut OKO.press sind Grabstätten in Polien unabhängig davon rechtlich geschützt, ob beim Aufstellen eines Denkmals Verwaltungsverfahren eingehalten wurden – was Brauns Behauptung einer illegalen Errichtung entgegensteht.