Selenskyj entlässt SBU-Vertreter nach bewaffnetem Zwischenfall zwischen Militärgeheimdienst und Geheimdienst in Kyjiw
Präsident Wolodymyr Selenskyj unterzeichnete am 2. September einen Erlass zur Entlassung von Oleh Witalijowytsch Chromow vom Posten des Leiters der Abteilung für den Schutz von Staatsgeheimnissen und Lizenzierung des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU). Die Entlassung folgt auf eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Mitarbeitern des Militärgeheimdienstes (GUR) und des SBU im Dniprovskyj-Distrikt von Kyjiw im Zusammenhang mit der angeblichen Entführung des stellvertretenden Kampfkommandeurs des Russischen Freiwilligenkorps (RDK), Stepan Kaplunow. Selenskyj kündigte weitere Personalentscheidungen und Konsequenzen an.
Das Wichtigste
- Präsident Wolodymyr Selenskyj unterzeichnete am 2. September den Erlass Nr. 868/2026 zur Entlassung von Oleh Chromow als Leiter der Abteilung für den Schutz von Staatsgeheimnissen und Lizenzierung des SBU.
- Der Erlass wurde auf der Website des Präsidialamtes veröffentlicht und enthält keine Begründung für die Entlassung.
- Chromow hatte die Position seit März 2023 inne.
- Am 1. September meldete das Russische Freiwilligenkorps (RDK), sein stellvertretender Kampfkommandeur Stepan Kaplunow sei im Hof eines Gebäudes von Unbekannten entführt worden.
- Am Morgen des 2. September verbreiteten sich in sozialen Netzwerken Informationen über eine Schießerei zwischen GUR und SBU im Dniprovskyj-Distrikt von Kyjiw im Zusammenhang mit dem Verschwinden Kaplunows.
- Laut Ukrajinska Prawda wurden drei GUR-Mitarbeiter verletzt; der SBU sprach von einem bewaffneten Angriff auf seine Ermittlungsgruppe während der Aufklärung einer angeblich vom russischen FSB organisierten Terroraktion.
- Die Generalstaatsanwaltschaft leitete Voruntersuchungen wegen Drohung und Angriff auf Strafverfolgungsbeamte ein.
- Präsident Selenskyj erklärte, Schusswaffengebrauch in der Ukraine sei ausschließlich gegen russische Besatzer erlaubt; jede andere Schießerei werde der Staat nicht dulden.
Warum es wichtig ist
Die Entlassung eines leitenden SBU-Vertreters unmittelbar nach einer Schießerei zwischen zwei ukrainischen Sicherheitsstrukturen — dem Militärgeheimdienst (GUR) und dem SBU — auf den Straßen Kyjiws wirft Fragen zur Koordinierung zwischen den Sicherheitsdiensten, zur Befehlsverantwortung und zum Gewalteinsatz zwischen Einheiten der eigenen Streit- und Sicherheitskräfte auf. Da der Auslöser der Auseinandersetzung ein Kommandeur des gegen Russland kämpfenden Russischen Freiwilligenkorps ist und SBU sowie GUR einerseits und das Korps andererseits widersprüchliche Darstellungen über eine angebliche FSB-Verbindung Kaplunows verbreiten, berührt der Vorfall auch die Haltung der Ukraine gegenüber russischen Oppositionskämpfern auf eigenem Staatsgebiet. Die öffentliche Null-Toleranz-Haltung Selenskyjs signalisiert weitere Personalentscheidungen im Sicherheitsapparat.
Was geschehen ist
Präsident Wolodymyr Selenskyj unterzeichnete am 2. September 2026 den Erlass Nr. 868/2026 zur Entlassung von Oleh Witalijowytsch Chromow vom Posten des Leiters der Abteilung für den Schutz von Staatsgeheimnissen und Lizenzierung des Sicherheitsdienstes der Ukraine. Der Erlass wurde auf der Website des Präsidialamtes veröffentlicht und enthält keine Begründung. Chromow hatte die Position seit März 2023 inne. Die Entlassung steht im Kontext eines bewaffneten Zwischenfalls in Kyjiw: Am 1. September hatte das Russische Freiwilligenkorps (RDK) mitgeteilt, sein stellvertretender Kampfkommandeur Stepan Kaplunow sei im Hof eines Gebäudes von Unbekannten entführt worden. In der Nacht auf den 2. September kam es nach Angaben von Kaplunows Anwalt Taras Borovsky an dessen Wohnsitz zu einer Konfrontation zwischen Einsatzkräften und Kameraden des RDK, bei der auf der Straße Schüsse fielen. Am Morgen des 2. September verbreiteten sich Berichte über eine Schießerei zwischen GUR und SBU im Dniprovskyj-Distrikt von Kyjiw. Laut Ukrajinska Prawda wurden dabei drei GUR-Mitarbeiter verletzt; Mitarbeiter des Staatlichen Ermittlungsausschusses (DBR) sowie der Leiter der SBU-Spezialeinheit „Alpha" trafen am Ort des Geschehens ein. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete Voruntersuchungen wegen Drohung und Angriff auf Strafverfolgungsbeamte ein. Am selben Morgen erklärten SBU und GUR gemeinsam, sie hätten eine Terroraktion verhindert, die der russische FSB gegen einen Anführer der russischen oppositionellen Nationalbewegung organisiert habe. Selenskyj kündigte Personalentscheidungen an und betonte, Schusswaffengebrauch in der Ukraine sei ausschließlich gegen russische Besatzer erlaubt. Der Leiter des Präsidialamtes, Kyrylo Budanow, erklärte, der DBR befasse sich mit der Lage.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die verfügbaren Quellen sind ausschließlich ukrainischsprachig und stammen von ukrainischen Agenturen und Medien. Die Berichterstattung stellt den Erlass des Präsidenten und seine Auswirkungen auf die SBU-Führung in den Mittelpunkt und verbindet die Entlassung direkt mit der Schießerei zwischen GUR und SBU in Kyjiw. Hervorgehoben werden das öffentliche Auftreten von Präsident Selenskyj und des Leiters des Präsidialamtes Kyrylo Budanow sowie die Einbindung von SBU, DBR und Generalstaatsanwaltschaft. Der Vorfall wird als Frage staatlicher Autorität und innerer Disziplin der Sicherheitskräfte gerahmt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Darstellungen darüber, was mit Stepan Kaplunow geschah und wer die bewaffnete Konfrontation auslöste, gehen auseinander. Das RDK und der Kommandeur der GUR-Einheit „Timur" beschreiben Kaplunow als tagsüber vom SBU entführt und ohne Anklage festgehalten; Kaplunow selbst weist die Behauptungen über FSB-Verbindungen zurück. Der SBU rahmt den Vorfall dagegen als bewaffneten Angriff auf seine Ermittlungsgruppe während eines Anti-Terror-Einsatzes gegen ein angebliches FSB-Komplott; die Angreifer seien Angehörige einer Einheit der Verteidigungskräfte gewesen und festgenommen worden. Auch zu den Verletzungen unterscheiden sich die Angaben: Ukrajinska Prawda berichtet von drei verletzten GUR-Mitarbeitern, andere Artikel erwähnen Schüsse auf der Straße und einen bewaffneten Angriff auf die SBU-Ermittler, ohne Verletzte zu nennen. Beim Erlass zur Entlassung variieren die Detailangaben: Manche Quellen beschränken sich auf die Mitteilung, dass Selenskyj Chromow entlassen hat; andere fügen die Erlassnummer 868/2026, den Veröffentlichungsort auf der Website des Präsidialamtes, den Hinweis auf Chromows Amtszeit seit März 2023 sowie das Fehlen einer Begründung im Erlass hinzu.
Hintergrund
Oleh Chromow leitete die Abteilung für den Schutz von Staatsgeheimnissen und Lizenzierung des SBU seit März 2023. Der Entlassungserlass (Nr. 868/2026) wurde auf der Website des Präsidialamtes der Ukraine veröffentlicht und enthält keine Begründung. Am 1. September erklärte das Russische Freiwilligenkorps (RDK), sein stellvertretender Kampfkommandeur Stepan Kaplunow sei im Hof eines Gebäudes von Unbekannten entführt worden. SBU und GUR teilten gemeinsam mit, sie hätten eine Terroraktion verhindert, die angeblich vom russischen FSB gegen einen Anführer einer russischen oppositionellen Nationalbewegung geplant war, der sich in der Ukraine aufhielt. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete Voruntersuchungen wegen Drohung und Angriff auf Strafverfolgungsbeamte im Zusammenhang mit dem Vorfall ein.