Putin benennt Bedingungen für Frieden und nennt ukrainische Luftraum-Warnungen „Staatsterrorismus“
Auf dem Wirtschaftsforum in Wladiwostok hat Wladimir Putin erklärt, Russland und die Ukraine müssten den Krieg in erster Linie untereinander beenden, sieht aber eine Chance für eine friedliche Lösung. Die ukrainischen Warnungen, der russische Luftraum sei für die Zivilluftfahrt unsicher, bezeichnete er als „Staatsterrorismus“ und warf den westlichen Partnern der Ukraine vor, durch ihr Schweigen zu Komplizen des internationalen Terrorismus zu werden. Seine Äußerungen fallen in eine Phase aktiver diplomatischer Kontakte zwischen den USA, Indien und Russland.
Das Wichtigste
- Putin erklärte beim Ostwirtschaftsforum in Wladiwostok, Russland und die Ukraine müssten den Krieg vorrangig direkt untereinander beenden; andere Staaten wie die USA und China seien zur Unterstützung bereit.
- Er sieht nach eigenen Worten eine Chance für eine friedliche Lösung des Krieges.
- Putin nannte die ukrainischen Warnungen vor der Unsicherheit des russischen Luftraums „Staatsterrorismus“ und sagte, solche Schritte erschwerten bilaterale Friedensverhandlungen.
- Den westlichen Partnern der Ukraine warf er Schweigen vor und erklärte, Schweigende würden zu Komplizen des internationalen Terrorismus.
- Putin sagte, Russland unterhalte mit der Ukraine vor allem über Geheimdienste Kontakte; eine Mobilisierungswelle in Russland wies er als „Informationsangriff“ vor den Duma-Wahlen zurück.
- Am 1. September hatte Wolodymyr Selenskyj erklärt, der russische Luftraum werde für die Zivilluftfahrt „völlig unsicher“; am 2. September informierte Außenminister Andrij Sybiha offiziell die ICAO.
- Am 1. September traf US-Finanzminister Scott Bessent am Rande des G20-Finanzministertreffens seinen russischen Amtskollegen Anton Siluanow und übermittelte die Forderung nach Kriegsende.
Warum es wichtig ist
Putin nutzte ein großes internationales Forum, um den Konflikt öffentlich als bilaterale Angelegenheit zwischen Russland und der Ukraine zu rahmen und andere mögliche Vermittler zurückzudrängen. Gleichzeitig öffnete er rhetorisch eine Tür zu einer friedlichen Lösung, verband sie aber mit der Bedingung, dass Kiew die von ihm als „Staatsterrorismus“ bezeichneten Handlungen einstellt. Die Verquickung von Friedensrhetorik mit Drohungen gegen ukrainische Angriffe auf die russische Ölinfrastruktur verdeutlicht, unter welchen Vorbehalten Moskau Verhandlungen führen würde. Die Äußerungen fallen in eine Phase paralleler diplomatischer Kontakte: das Gespräch zwischen US-Finanzminister Scott Bessent und seinem russischen Amtskollegen Anton Siluanow am Rande des G20-Treffens, eine offenbar geheime Reise von CIA-Direktor John Ratcliffe nach Moskau und Appelle des indischen Premierministers Narendra Modi in Bischkek.
Was geschehen ist
Beim Ostwirtschaftsforum in Wladiwostok erklärte Wladimir Putin, Russland und die Ukraine müssten den Krieg in erster Linie untereinander beenden, während andere Länder – namentlich die USA und China – zur Unterstützung bereit seien. Er sah eine Chance für eine friedliche Lösung. Gleichzeitig bezeichnete er die ukrainischen Warnungen, der russische Luftraum sei für die Zivilluftfahrt unsicher, als „Staatsterrorismus“ und sagte, solche Schritte erschwerten bilaterale Friedensverhandlungen. Den westlichen Partnern der Ukraine warf er Schweigen vor und erklärte, wer schweige, werde zum Komplizen des internationalen Terrorismus. Putin sagte zudem, Russland unterhalte mit der Ukraine vor allem über Geheimdienste Kontakte; eine neue Mobilisierungswelle wies er als „Informationsangriff“ vor den Duma-Wahlen zurück. Hintergrund: Am 1. September hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, der russische Luftraum werde für die Zivilluftfahrt „völlig unsicher“, und alle Fluggesellschaften gewarnt. Am folgenden Tag informierte Außenminister Andrij Sybiha die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) offiziell darüber. Am 1. September hatte US-Finanzminister Scott Bessent am Rande des G20-Finanzministertreffens seinen russischen Amtskollegen Anton Siluanow getroffen und die Forderung nach einem Kriegsende übermittelt. Zudem hatte der indische Premierminister Narendra Modi bei Gesprächen in Bischkek von Putin ein Ende des Krieges „für die Menschheit“ verlangt.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainischen Quellen rahmen Putins Friedensrhetorik durchgehend vor dem Hintergrund dokumentierter russischer Eskalation: Angriffe auf Ölraffinerien, eine intensive Drohnenkriegsführung und Störungen des Luftraums. Putins aggressive Begriffe – „Staatsterrorismus“, „Komplizen des internationalen Terrorismus“, Vergeltungsdrohungen – werden zusammen mit konkreten institutionellen Schritten der Ukraine präsentiert, etwa der Benachrichtigung der ICAO und der Warnung an Fluggesellschaften. Die ukrainische Berichterstattung stellt den russischen Luftraum als nachweislich unsicher dar und verweist dazu auf den Absturz eines Passagierflugzeugs von Azerbaijan Airlines am 25. Dezember 2024 über Grosny, auf die gestiegene Häufigkeit des „Kower“-Plans zur Schließung des Luftraums und auf nächtliche Sperrungen der Moskauer Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo. Diplomatische Kontakte – das Treffen Bessent–Siluanow, die Moskau-Reise des CIA-Direktors sowie Modis Appelle in Bischkek – erscheinen als externer Druck auf Russland, vor dem Putins Aussage zu einer „Chance für den Frieden“ vorsichtig oder widersprüchlich wirkt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen sind uneins darüber, welcher US-Geheimdienstverantwortliche die berichtete Geheimreise nach Moskau unternommen hat: Einige nennen CIA-Direktor William Burns, andere CIA-Direktor John Ratcliffe. Darüber hinaus sind die als Angaben des russischen Verteidigungsministeriums zitierten Statistiken zu Drohnenabschüssen und zum „Kower“-Plan im Jahr 2026 mit Daten bis August 2026 bzw. 31. Juli 2026 datiert, was Fragen zur Chronologie im Verhältnis zum Zeitpunkt von Putins Auftritt beim Ostwirtschaftsforum aufwirft.
Hintergrund
Am 1. September hatte Selenskyj erklärt, der russische Luftraum werde wegen verstärkter militärischer Aktivität für die Zivilluftfahrt unsicher, und Fluggesellschaften gewarnt. Am 2. September informierte die Ukraine die ICAO offiziell und forderte die Mitgliedstaaten auf, zivile Flüge durch den russischen Luftraum vollständig zu verbieten. Am 1. September hatte US-Finanzminister Scott Bessent am Rande des G20-Finanzministertreffens seinen russischen Amtskollegen Anton Siluanow getroffen und die Forderung nach einem Kriegsende übermittelt. CIA-Direktor John Ratcliffe war kurz vor dem Forum Berichten zufolge mit einem Militärflugzeug zu einer Geheimmission nach Moskau geflogen. In Bischkek hatte Indiens Premierminister Narendra Modi von Putin ein Kriegsende „für die Menschheit“ gefordert. Die Häufigkeit des „Kower“-Plans zur Luftraumsperrung in Russland ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen; die täglichen Rekorde abgeschossener Drohnen durch die russische Luftabwehr nahmen ebenfalls Jahr für Jahr zu. Die Moskauer Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo hatten nach Selenskyjs Warnungen in einer zweiten aufeinanderfolgenden Nacht den Betrieb eingestellt, Hunderte Flüge wurden gestrichen oder verspätet. Putin hatte zuvor erklärt, Russland verfolge seine Kriegsziele einschließlich der vollständigen Einnahme des ukrainischen Donbass. Die erste Mobilisierung in Russland war am 21. September 2022 angekündigt worden; Berichte über eine neue Welle vor den Duma-Wahlen wies Putin als „Informationsangriff“ zurück.