Ferrexpo sammelt rund 100 Millionen Dollar ein, Kernel-Eigentümer Verevsky steigt mit 50 Millionen ein
Der Schweizer Eisenkonzern Ferrexpo mit Hauptanlagen in der Ukraine hat am 4. September 2026 rund 100 Millionen US-Dollar über die Platzierung von 448,8 Millionen neuen Aktien zu 16,5 Pence pro Stück eingenommen. Kernel-Eigentümer Andrij Werewskyj steuerte 50 Millionen Dollar bei und hält anschließend rund 21,4 Prozent; der bisherige Großaktionär Fevamotinico (49,27 Prozent, verbunden mit Kostjantyn Schewaho) wird durch die Maßnahme auf 45,3 Prozent verwässert. Mit dem Erlös will das Unternehmen den Betrieb in den ukrainischen Werken Poltawa und Jerystiwka nach der Produktionspause vom 5. August wieder aufnehmen. Die Platzierung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre am 21. September.
Das Wichtigste
- Ferrexpo platzierte am 4. September 448.848.484 neue Aktien zu 16,5 Pence; das entspricht rund 73,1 Prozent des vorherigen Aktienbestands.
- Andrij Werewskyj investierte 50 Millionen US-Dollar und erhält 224.424.242 neue Aktien (künftiger Anteil: 21,44 Prozent).
- Fevamotinico, der bisherige Großaktionär mit 49,27 Prozent, abonnierte weitere 179.539.393 Aktien; sein Anteil sinkt auf 45,3 Prozent.
- Der Platzierungspreis liegt 42,3 Prozent unter dem letzten Börsenkurs von 28,6 Pence vom 30. April 2026 vor der Handelsaussetzung.
- Die Erlöse sollen die Liquidität sichern und die Wiederaufnahme des Betriebs der Poltawa- und Jerystiwka-Aufbereitungswerke ermöglichen.
- Die Platzierung muss noch von den Aktionären auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 21. September genehmigt werden; der Handel der neuen Aktien an der London Stock Exchange soll am 22. September beginnen.
Warum es wichtig ist
Ferrexpo zählt zu den größten Eisenerzproduzenten der Ukraine und ist ein wichtiger Lieferant europäischer Stahlwerke; die Solvenz des Unternehmens berührt daher ukrainische Arbeitsplätze ebenso wie die globale Versorgung. Die Beteiligung von Kernel-Eigentümer Andrij Werewskyj in Höhe von 50 Millionen Dollar ist eine seltene großvolumige Quersinvestition zwischen zwei der größten Agrar- und Industriekonglomerate der Ukraine und verschiebt die Eigentümerstruktur bei einem strategisch wichtigen ukrainischen Produzenten. Die Kapitalerhöhung folgt auf eine Produktionspause wegen Sicherheitsrisiken und blockierter Exporthäfen und verdeutlicht die unmittelbaren Auswirkungen des Krieges auf den ukrainischen Bergbausektor.
Was geschehen ist
Ferrexpo platzierte am 4. September 2026 im Rahmen eines beschleunigten Bookbuildings 448.848.484 neue Aktien zu 16,5 Pence pro Stück und sammelte damit rund 100 Millionen US-Dollar ein. Größter Einzelinvestor war Andrij Werewskyj, Eigentümer des Agrarkonzerns Kernel, mit 50 Millionen Dollar; im Gegenzug erhält er 224.424.242 neue Aktien, was seinen Anteil auf 21,44 Prozent erhöht. Der bisherige Großaktionär Fevamotinico, verbunden mit Kostjantyn Schewaho, abonnierte weitere 179.539.393 Aktien zu Platzierungspreis und kommt nach der Maßnahme auf rund 45,3 Prozent; der Streubesitz fällt auf etwa 33,3 Prozent. Der Platzierungspreis lag 42,3 Prozent unter dem letzten Börsenkurs von 28,6 Pence vom 30. April 2026, dem letzten Handelstag vor der Aussetzung des Aktienhandels am 1. Mai. Die Erlöse sollen die Liquidität des Konzerns sichern und die Wiederaufnahme des Betriebs in den ukrainischen Werken Poltawa und Jerystiwka finanzieren, die am 5. August wegen Sicherheitsrisiken stillgelegt worden waren. Die Platzierung steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre auf einer Hauptversammlung am 21. September; der Handel der neuen Aktien an der London Stock Exchange soll am 22. September aufgenommen werden. Der Handel der bestehenden Aktien soll am 7. September nach Abschluss der Abschlussprüfung und Veröffentlichung des Geschäftsberichts wiederaufgenommen werden.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainischsprachige Berichterstattung rahmt den Deal als unternehmerisch-strategisches Ereignis und stellt die Rolle Werewskyjs sowie die geplante Wiederaufnahme der Produktion der GZKs in der Region Poltawa in den Vordergrund. Die ukrainischen Medien betonen zudem die Verwässerung des bisherigen kontrollierenden Aktionärs Fevamotinico (verbunden mit Schewaho) und den neuen 21,4-Prozent-Anteil Werewskyjs als Verschiebung der Eigentümerstruktur bei einem strategisch wichtigen ukrainischen Produzenten. Gleichzeitig wird der Kriegskontext hervorgehoben – der Produktionsstopp vom 5. August, die Hafenblockaden und der russische Drohnenangriff auf ein Frachtschiff – als unmittelbarer Auslöser der Kapitalmaßnahme.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die verfügbaren Quellen weichen in der Aufschlüsselung der Platzierung voneinander ab: Artikel 3470 nennt die Gesamtsumme von 100 Millionen Dollar sowie Werewskyjs Beitrag von 50 Millionen Dollar, ohne Fevamotinicos Beitrag im Detail zu beziffern; die Artikel 4064 und 3902 geben Werewskyjs Beitrag mit „etwa 50 Millionen Dollar" und Fevamotinicos mit „etwa 40 Millionen Dollar" an, sodass rund 10 Millionen Dollar der Platzierung in den vorliegenden Quellen keinem Investor zugeordnet werden können.
Hintergrund
Ferrexpo ist eine in der Schweiz registrierte Eisen- und Stahlgruppe, deren Hauptanlagen – der Poltawsky GZK (100 Prozent), der Jerystiwsky GZK (100 Prozent) und der Bilanowsky GZK (99,9 Prozent) – in der Ukraine liegen. Das Unternehmen hatte die ukrainische Produktion am 5. August wegen Sicherheitsrisiken ausgesetzt und damals mitgeteilt, die verfügbaren Mittel reichten nur bis Mitte September. Die Nettoliquidität ohne Leasingverpflichtungen war von 47 Millionen Dollar Ende 2025 auf rund 21 Millionen Dollar am 30. Juni 2026 und etwa 17,8 Millionen Dollar am 28. August 2026 gesunken. Drei der vier für den ProduktExport vorgesehenen Schiffe bleiben in Häfen blockiert, ein Schiff mit Ladung im Wert von 5 bis 6 Millionen Dollar wurde von einer russischen Drohne beschädigt. Fevamotinico, der mit 49,27 Prozent vor der Platzierung größte Aktionär und mit Kostjantyn Schewaho verbunden, knüpfte seine Teilnahme an die Bedingung, dass sein Anteil nicht unter 45,2 Prozent fällt und kein Dritter außer Werewskyj nach der Rekapitalisierung mehr als 15 Prozent hält.