NABU und SAPO: Verdacht gegen organisierte Gruppe wegen Veruntreuung von 100.000 Tonnen Ukrnafta-Kraftstoffen
Die ukrainische Anti-Korruptionsbehörde NABU und die spezialisierte Staatsanwaltschaft SAPO haben nach eigenen Angaben eine organisierte Gruppe enttarnt, die des Zugriffs auf 100.000 Tonnen Ölprodukte der Ukrnafta im Wert von über 2,88 Mrd. Hrywnja verdächtigt wird. Im ersten Teil der Angelegenheit wurden vier Personen offiziell benachrichtigt; Ermittlungen wegen möglicher weiterer Vorfälle in späteren Zeiträumen laufen.
Das Wichtigste
- NABU und SAPO werfen einer organisierten Gruppe die Veruntreuung von 100.000 Tonnen Ukrnafta-Ölprodukten im Wert von über 2,88 Mrd. Hrywnja vor.
- Im ersten Ermittlungsabschnitt wurden vier Verdächtige benachrichtigt, darunter Ex-Vizepräsident der Ukrnafta Feliks Lunow.
- Die Ermittler bezeichnen die Menge als fast 20 % des gesamten an Ukrnafta-Tankstellen verkauften Kraftstoffs im Tatzeitraum.
- Kraftstoff wurde über Provisionsverträge an kontrollierte Firmen weitergeleitet und über eigene Großhandels- und Tankstellennetze verkauft; Erlöse flossen auf Konten im Ausland.
- Zur Verschleierung der wirtschaftlichen Eigentümer wurden Offshore-Gesellschaften auf Zypern, in Belize, St. Kitts und Nevis sowie auf den Britischen Jungferninseln genutzt.
- Die Ermittlungen werden operativ vom SBU begleitet; NABU entdeckte ein Leck bei Ermittlungsdaten und hält einen SBU-Vorgesetzten für möglicherweise beteiligt.
Warum es wichtig ist
Der Fall zählt zu den größten Anti-Korruptionsverfahren im Umfeld eines strategischen, staatlich verbundenen Ölunternehmens. Mit der offiziellen Benachrichtigung eines früheren Ukrnafta-Vizepräsidenten, weiterer Führungskräfte verbundener Firmen und eines ausländischen stellvertretenden Leiters der Ukrtatnafta erhält der Vorgang eine persönliche, namentliche Dimension. Die zusätzliche Vermutung, ein SBU-Offizier der begleitenden Einheit könne Ermittlungsdaten durchsickern lassen, verweist auf Reibung zwischen den beteiligten Behörden.
Was geschehen ist
NABU und SAPO erklärten, sie hielten eine organisierte Gruppe für verantwortlich, die zwischen 2017 und 2020 einen ersten Abschnitt eines mehrteiligen Plans zur Veruntreuung von Ukrnafta-Ölprodukten umgesetzt habe. Demnach wurde Kraftstoff über Provisionsverträge an eine kontrollierte Gesellschaft übergeben, anschließend an verbundene Firmen verkauft und über Großhandel sowie eigene Tankstellennetze, darunter Ukrnafta-Stationen, abgesetzt. Die Erlöse seien entgegen den Vertragsbedingungen nicht an die Ukrnafta zurückgeflossen, sondern auf Konten kontrollierter Firmen im Inland und im Ausland geleitet worden. Die Ermittler beziffern die Menge auf 100.000 Tonnen im Wert von mehr als 2,88 Mrd. Hrywnja, was fast 20 % des im fraglichen Zeitraum an Ukrnafta-Tankstellen verkauften Kraftstoffs entspreche. Im Rahmen des ersten Abschnitts wurden vier Personen offiziell benachrichtigt: der Geschäftsmann Mychajlo Kiperman, der Ex-Leiter des Vorstands der NPK-Galytschyna Bohdan Baradnyj, der Mitinhaber der Rochnjatiwnafta Jewhen Krytschewskyj sowie der ehemalige Vizepräsident der Ukrnafta Feliks Lunow. Für den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Ukrtatnafta Andrij Pintschuk, der einem anderen Staat angehöre, sei der Verdacht förmlich erstellt und im Rahmen internationaler Zusammenarbeit zur Aushändigung in das betreffende Land übermittelt worden. Die Ermittlungen werden operativ vom SBU begleitet. NABU erklärte zudem, ein Datenleck festgestellt zu haben und zu prüfen, ob ein SBU-Vorgesetzter der begleitenden Einheit Ermittlungsinformationen weitergegeben habe.
Hintergrund
NABU und SAPO beschreiben das Verfahren als mehrteilig; der hier veröffentlichte erste Abschnitt betrifft eine Kraftstoffveruntreuung in den Jahren 2017 bis 2020. Zur Verschleierung der wirtschaftlichen Eigentümer diente laut Ermittlern ein Netz von Offshore-Gesellschaften auf Zypern, in Belize, St. Kitts und Nevis sowie auf den Britischen Jungferninseln. Die Ukrnafta ist nach diesen Angaben das größte ukrainische Erdölförderunternehmen und betreibt ein eigenes Tankstellennetz; 2024 übernahm sie Vermögenswerte der Glusco-Kette, 2025 erwarb sie das ukrainische Tankstellengeschäft von Shell.