Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Dritter Armeekorps der Ukraine meldet erfolgreiche Gegenoffensive „Vivaldi“ im Norden des Donezker Gebiets

Das Dritte Armeekorps der Ukraine hat am 15. September die Gegenoffensive „Vivaldi“ im Norden des Donezker Gebiets bestätigt und dabei die Befreiung von fünf Ortschaften auf der Lyman-Richtung bekannt gegeben. Das Institute for the Study of War (ISW) bewertet die Operation als operativ bedeutsam, da sie russische Versuche, den sogenannten „Festungsgürtel“ einzukesseln, gestört habe. Russische Militärblogger räumten verlorene Stellungen südlich von Lyman ein, und ISW geht davon aus, dass die russische Führung den Verlust möglicherweise noch nicht vollständig erkannt hat.

Das Wichtigste

  • Das Dritte Armeekorps bestätigte am 15. September erstmals eine Gegenoffensive im Norden des Donezker Gebiets unter dem Namen „Vivaldi“.
  • Ukrainische Streitkräfte haben auf der Lyman-Richtung fünf Ortschaften zurückerobert.
  • ISW stuft das Ziel, russische Umfassungsversuche des „Festungsgürtels“ zu durchbrechen, als operativ bedeutsam ein.
  • Ein mit dem Kreml verbundener russischer Militärblogger bestätigte, dass die ukrainischen Erfolge den russischen Vormarsch auf Slowjansk verzögern.
  • Kommandeur Andrij Biletzky bezifferte die russischen Verluste in dieser Phase auf rund 1.500 Soldaten, über 12.000 Drohnen sowie Hunderte gepanzerter Fahrzeuge, Artilleriesysteme und Kfz.
  • Nach ukrainischen Angriffen verlagerte die russische Seite Treibstoff- und Schmiermittelvorräte in das Gebiet Woronesch.

Warum es wichtig ist

Die Operation „Vivaldi“ ist die erste vom Dritten Armeekorps bestätigte Gegenoffensive im Norden des Donezker Gebiets und durchbrach den strategischen Vormarsch der russischen Truppen Richtung Slowjansk. Die Tatsache, dass selbst kremlnahe russische Militärblogger die eigenen Verluste und die Verzögerung des Vormarschs eingestehen, verleiht den ukrainischen Angaben zusätzliches Gewicht und deutet auf eine spürbare taktische Verschiebung hin.

Was geschehen ist

Am 15. September veröffentlichte das Dritte Armeekorps der ukrainischen Streitkräfte Videoaufnahmen einer Gegenoffensive mit dem Codenamen „Vivaldi“ im Norden des Donezker Gebiets. Kommandeur Andrij Biletzky gab bekannt, dass die ukrainischen Truppen die Kontrolle über fünf Ortschaften auf der Lyman-Richtung wiedererlangt hätten. Der Angriff erfolgte nach Informationen ukrainischer Quellen in informatorischer Stille und führte zu einem größeren territorialen Gewinn als ursprünglich geplant.

ISW bewertete die Operation als operativ bedeutsam: Sie habe russische Versuche gestört, den sogenannten „Festungsgürtel“ – die ukrainische Verteidigungslinie um Slowjansk und Kramatorsk – einzukesseln. Russische Streitkräfte konzentrieren sich laut ISW weiterhin auf Frontangriffe aus dem Süden und Umfassungsversuche aus dem Südwesten, während eigene Angriffsversuche Richtung Lyman gescheitert seien.

Biletzky bezifferte die russischen Verluste in dieser Phase auf rund 1.500 Soldaten, mehr als 12.000 Drohnen sowie Hunderte gepanzerter Fahrzeuge, Artilleriesysteme und sonstige Kfz. Ukrainische Angriffe auf Logistikrouten zwangen die russische Seite demnach, Treibstoff- und Schmiermittelvorräte in das Gebiet Woronesch zu verlegen. Unter den Ergebnissen der Operation wird zudem die gezielte Tötung russischer Offiziere genannt. Die Planung sei wegen der Gefahr einer Einkesselung von Slowjansk und Kramatorsk erfolgt.

Wo die Berichte auseinandergehen

Russische Militärblogger erkennen zwar verlorene Stellungen südlich von Lyman und die Unfähigkeit, verlorenes Terrain in der Stadt selbst zurückzugewinnen, an. ISW schätzt jedoch, dass das russische Kommando den Verlust des Lyman-Vorsprungs und der taktischen Initiative in dem Gebiet möglicherweise noch nicht realisiert hat oder weiterhin versucht, die ukrainischen Bodennachschubwege zum „Festungsgürtel“ von Westen her zu unterbrechen. Während also russische Blogger die Lage vor Ort einräumen, könnte die offizielle russische Führung das Ausmaß der Einbußen noch unterschätzen.

Hintergrund

ISW verfolgt seit Längerem die russischen Bemühungen, den „Festungsgürtel“ durch Angriffe aus dem Süden und Südwesten statt aus dem Osten einzukesseln. Zugleich haben kremlnahe russische Militärblogger wiederholt russische Kommandeure dafür kritisiert, durch übertriebene Erfolgsmeldungen die operative Planung zu verzerren – ein Faktor, der laut Bloggern die jüngsten ukrainischen Erfolge begünstigt habe.