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Ukraine bestätigt Offensive „Vivaldi" – Laut ISW empfindlicher Schlag gegen russischen Plan zur Einkreisung von Slowjansk und Kramatorsk

Das 3. Armeekorps der Ukraine hat seine offensive Operation „Vivaldi" im Norden der Oblast Donezk öffentlich bestätigt und GoPro-Aufnahmen veröffentlicht. Im Raum Lyman wurden fünf Ortschaften zurückerobert, wodurch russische Versuche, den ukrainischen „Festungsgürtel" um Slowjansk und Kramatorsk einzukreisen, nach Einschätzung des ISW erheblich gestört wurden.

Das Wichtigste

  • Erstmals öffentliche Bestätigung eines ukrainischen Gegenstoßes im Norden der Oblast Donezk durch das 3. Armeekorps.
  • Rückeroberung von fünf Ortschaften auf der Richtung Lyman; 75 km² wurden nach Angaben des Korps freigegeben und weitere 10 km² deokkupiert.
  • ISW-Einschätzung vom 15. September: Operation „Vivaldi" vereitelte ein operativ wichtiges russisches Ziel – die Einkreisung von Slowjansk und Kramatorsk.
  • Laut Armeekorps wurde das russische Elite-UAV-Zentrum „Rubikon" so geschwächt, dass sein Kommando es von der Richtung Lyman-Boriwka abziehen musste.
  • Vom Korps genannte feindliche Verluste (Schätzung): rund 1 500 Soldaten, über 12 000 Drohnen, Hunderte gepanzerte Fahrzeuge, Artillerie- und Kfz-Einheiten – von unabhängiger Seite nicht bestätigt.
  • Angriffe mit Mehrfachraketenwerfern und schweren Bombern zerstörten Personenkonzentrationen, einen Übergang, ein Munitionslager, eine Drohnenbesatzung, eine Kanone und einen feindlichen Mehrfachraketenwerfer.
  • Auch kremlnahe russische Milblogger räumen ein, dass ukrainische Erfolge den russischen Vormarsch auf Slowjansk verzögern und die Nordflanke der russischen Südgruppe verwundbar machen.

Warum es wichtig ist

Mit der Bestätigung von „Vivaldi" hat die Ukraine erstmals offiziell einen Gegenstoß im Norden der Oblast Donezk eingeräumt. Nach Einschätzung des ISW wurde damit ein operativ wichtiges russisches Ziel durchkreuzt – die geplante Einkreisung des ukrainischen „Festungsgürtels" um Slowjansk und Kramatorsk. Selbst kremlnahe russische Milblogger bestätigen, dass die ukrainischen Erfolge den russischen Vormarsch auf Slowjansk verzögern und die Nordflanke der russischen Südgruppe anfällig machen. Zudem meldet das Korps die Schwächung des russischen Elite-UAV-Zentrums „Rubikon" und beobachtet interne russische Führungsprobleme, darunter Kommandeure, die eigene Verluste verschleiern, indem sie aus ungeschultem Personal Sturmabteilungen bilden.

Was geschehen ist

Das 3. Armeekorps der ukrainischen Streitkräfte hat die offensive Operation „Vivaldi" im Norden der Oblast Donezk erstmals öffentlich bestätigt und GoPro-Aufnahmen veröffentlicht. Auf der Richtung Lyman wurden nach Korpsangaben fünf Ortschaften – Nowoseliwka, Oleksandriwka, Jarowa, die Außenbezirke von Korowij Jar sowie Serednje in der Gemeinde Lyman – zurückerobert; insgesamt seien 75 km² freigegeben und weitere 10 km² deokkupiert worden. Der Kommandeur des Korps, Andrij Biletzky, zeigte Aufnahmen aus den befreiten Gebieten und gab der Operation ihren Namen. Die ukrainischen Einheiten setzten Mehrfachraketenwerfer und schwere Bomber ein und zerstörten Personenkonzentrationen, einen Übergang, ein Munitionslager, eine Drohnenbesatzung, eine Kanone und einen feindlichen Mehrfachraketenwerfer. Einheiten für unbemannte Systeme unterbrachen feindliche Logistikrouten, woraufhin die russischen Kräfte Treib- und Schmierstoffvorräte außerhalb der Ukraine in die Oblast Woronesch verlegten. Laut 3. Armeekorps wurde das russische UAV-Zentrum „Rubikon" so empfindlich getroffen, dass sein Kommando es von der Richtung Lyman-Boriwka abzog. Die Operation sei nach Angaben von Zhorin unter Informationsabdeckung erfolgt; die ukrainischen Truppen hätten letztlich mehr Gelände gewonnen als geplant.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die ukrainische Berichterstattung stellt die offizielle Lesart des 3. Armeekorps in den Mittelpunkt: die Bestätigung eines Gegenstoßes, die geräumten Ortschaften, die Nennung des Kommandeurs Andrij Biletzky sowie eine Verlustbilanz von rund 1 500 Soldaten, über 12 000 Drohnen und Hunderten gepanzerten Fahrzeugen, Artillerie- und Kfz-Einheiten. Hervorgehoben werden das strategische Motiv – die Abwendung einer möglichen Einkreisung von Slowjansk und Kramatorsk – sowie taktische Vorteile wie Informationsabdeckung und das Übertreffen der eigenen Planungsziele. Besondere Aufmerksamkeit erhält die Schädigung des russischen Elite-UAV-Zentrums „Rubikon", das aus der Richtung Lyman-Boriwka abgezogen werden musste.

Wo die Berichte auseinandergehen

Russische Milblogger geben an, russische Einheiten hätten Stellungen südlich von Lyman verloren und könnten die Stadt selbst nicht mehr zurückgewinnen, während das ISW einschätzt, die russische Führung habe den Verlust des Lyman-Absatzes und die taktische Initiativeinbusse wahrscheinlich noch nicht realisiert oder versuche weiterhin, die ukrainischen Bodennachschubwege zum „Festungsgürtel" von Westen her zu unterbrechen. Russische Kriegskorrespondenten machen zudem Feldkommandeure und eine Kultur „schöner Berichte" für die ukrainischen Erfolge verantwortlich, während ein anderer russischer Blogger behauptet, die übergeordnete russische Militärführung „kennt die Lage vor Ort" – offen bleibt, ob das Problem lokales Kommandeursverhalten oder ein von oben anerkanntes systemisches Versagen ist.

Hintergrund

Als „Festungsgürtel" wird die ukrainische Verteidigungslinie um Slowjansk und Kramatorsk in der Oblast Donezk bezeichnet. Russische Kräfte hatten seit längerem versucht, diesen Gürtel von Süden und Südwesten einzukreisen; nach Einschätzung des ISW hat der ukrainische Vorstoß nördlich von Lyman diese Einkreisungsabsicht „unrealistisch" gemacht. Auf ukrainische Angriffe auf russische Logistikrouten reagierten die russischen Streitkräfte unter anderem mit der Verlegung von Treib- und Schmierstoffvorräten in die Oblast Woronesch.