Ukrainischer General widerlegt Putins Behauptung über Einnahme von Swjatohirsk direkt vor Ort
Brigadegeneral Andrij Biletsky, Kommandeur des 3. Armeekorps der Ukraine, hat am 7. September eine Videoansprache aus dem Zentrum von Swjatohirsk im Gebiet Donezk aufgenommen und erklärt, die Stadt befinde sich vollständig unter ukrainischer Kontrolle. Damit widersprach er direkt den am 1. September von Wladimir Putin nach dem SOZ-Gipfel in Bischkek aufgestellten Behauptungen, russische Streitkräfte hätten Swjatohirsk eingenommen.
Das Wichtigste
- Biletsky nahm die Ansprache am 7. September vor der Heiligen Himmelfahrts-Lavra von Swjatohirsk auf; das 3. Armeekorps veröffentlichte das Video.
- Die 60. Panzerbrigade des 3. Armeekorps kontrolliert Swjatohirsk vollständig; die Stadt ist demnach faktisch eine ukrainische rückwärtige Zone.
- Putin hatte am 1. September in Bischkek erklärt, russische Streitkräfte hätten 14 ukrainische Ortschaften eingenommen, darunter Swjatohirsk und Kosatscha Lopan; das russische Verteidigungsministerium wiederholte diese Darstellung.
- ISW-Analysten, DeepState-Karten und die ukrainische Militärführung wiesen die russischen Angaben zurück; ISW bezeichnete sie als weit von der Realität entfernt.
- ISW zufolge waren russische Kräfte Swjatohirsk Ende Frühjahr/Anfang Sommer 2026 mindestens 13 km am nächsten und sind aufgrund ukrainischer Gegenoffensiven bei Lyman wahrscheinlich noch weiter entfernt.
- Außenminister Andrij Sybiha schrieb auf X, „Putin lügt so leicht, wie er atmet“, und forderte Moskau auf, Gefechtsfeldmeldungen vor deren Veröffentlichung zu überprüfen.
- Am 26. August hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj angekündigt, die Verteidigungsstellungen im Gebiet Donezk durch zwei neu formierte Gruppierungen unter Denys Prokopenko und Andrij Biletsky zu verstärken.
Warum es wichtig ist
Die Videoansprache liefert visuelles, am Ort gedrehtes Material, das die offiziellen russischen Angaben zur Einnahme von Swjatohirsk unmittelbar entkräftet. Dass ein hochrangiger ukrainischer Kommandeur persönlich aus dem Stadtzentrum spricht, untergräbt die russische Informationsoperation. Das ISW sowie ein kremlnaher russischer Kriegsberichterstatter erkannten das Video laut ukrainischen Quellen als Beleg für die ukrainische Kontrolle an. Der Vorgang verdeutlicht zudem ein wiederkehrendes Muster: weitreichende russische Behauptungen über Geländegewinne, die auf internationalen Foren wie dem SOZ-Gipfel verkündet werden, entsprechen nicht der überprüfbaren Lage am Boden. Swjatohirsk hat aufgrund seiner Lage im Gebiet Donezk und der Nähe zum Lavra-Kloster sowohl symbolische als auch operative Bedeutung; die neu formierten ukrainischen Gruppierungen unter Biletsky und Prokopenko sollen die Region stabilisieren.
Was geschehen ist
Am 7. September veröffentlichte das 3. Armeekorps der Ukraine ein Video, das Brigadegeneral Andrij Biletsky im Zentrum von Swjatohirsk vor der Heiligen Himmelfahrts-Lavra zeigt. Biletsky erklärte, die 60. Panzerbrigade seines Korps kontrolliere die Stadt vollständig; Swjatohirsk sei faktisch eine rückwärtige Zone der ukrainischen Streitkräfte. An die russische militärische und politische Führung gerichtet forderte er sie auf, ihre „Clownsnasen und bunten Perücken“ abzunehmen. Die Aufnahme steht in direktem Widerspruch zu den Angaben Wladimir Putins, der am 1. September auf einer Pressekonferenz in Bischkek nach dem SOZ-Gipfel behauptet hatte, russische Truppen hätten 14 ukrainische Ortschaften eingenommen, darunter Swjatohirsk und Kosatscha Lopan im Gebiet Charkiw. Das russische Verteidigungsministerium wiederholte diese Darstellung. Die ukrainische Militärführung, die Militärverwaltung des Gebiets Donezk, die DeepState-Karte und ISW-Analysten wiesen die russischen Angaben zurück; ISW bezeichnete die Behauptung als weit von der Realität entfernt. ISW zufolge waren russische Kräfte Swjatohirsk Ende Frühjahr/Anfang Sommer 2026 mindestens 13 km am nächsten und sind aufgrund ukrainischer Gegenoffensiven bei Lyman wahrscheinlich noch weiter entfernt. Außenminister Andrij Sybiha schrieb auf X, „Putin lügt so leicht, wie er atmet“.
Wo die Berichte auseinandergehen
Putin und das russische Verteidigungsministerium behaupten, russische Streitkräfte hätten Swjatohirsk (zusammen mit 13 weiteren Ortschaften, darunter Kosatscha Lopan) eingenommen. Dem widersprechen das 3. Armeekorps, die Militärverwaltung des Gebiets Donezk, die DeepState-Karte und ISW-Analysten, die die Stadt als unter ukrainischer Kontrolle und als rückwärtige Zone der ukrainischen Streitkräfte einstufen. Putins Angabe stammt von einer Pressekonferenz am 1. September in Bischkek nach dem SOZ-Gipfel; der tatsächliche Kontrollstatus zu diesem Zeitpunkt ist zwischen russischen und ukrainischen Quellen umstritten.
Hintergrund
Am 26. August hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj angekündigt, die Verteidigungsstellungen im Gebiet Donezk durch zwei neu formierte Gruppierungen unter Denys Prokopenko und Andrij Biletsky zu verstärken. Am 6. August erklärte die Militärverwaltung des Gebiets Donezk, Swjatohirsk befinde sich unter ukrainischer Kontrolle, die Lage sei jedoch durch die nahe Front und anhaltenden russischen Beschuss sehr schwierig. Wolodymyr Rybalkin, Leiter der Stadtverwaltung von Swjatohirsk, hielt sich nach Angaben der Gebietsverwaltung in der Stadt auf. ISW-Analysten schätzen, dass russische Kräfte Swjatohirsk Ende Frühjahr/Anfang Sommer 2026 mindestens 13 km am nächsten kamen und angesichts ukrainischer Gegenoffensiven bei Lyman wahrscheinlich noch weiter entfernt sind.