Veröffentlicht am · Aktualisiert:

ISW widerspricht Putins Angaben zu Gebietsgewinnen und neuen Angriffsplänen

Das Institute for the Study of War (ISW) hat den Angaben Wladimir Putins beim Valdai-Diskussionsforum vom 1. Oktober 2026 widersprochen. Während Putin die Einnahme von 1301 Quadratkilometern ukrainischen Gebiets im September 2026 beanspruchte und Europa als Aggressor darstellte, bewertet das ISW die russischen Kräfte im selben Zeitraum als netto verlierend. Zudem wertet das ISW Putins Rede als Versuch, Russland als friedliches Opfer westlicher Aggression darzustellen, während NATO und ISW selbst russische Nuklear-Rhetorik, Drohnenüberflüge und Sabotageakte dokumentieren.

Das Wichtigste

  • Putin sprach am 1. Oktober 2026 beim Valdai-Diskussionsforum und behauptete, russische Streitkräfte hätten im September 2026 1301 Quadratkilometer ukrainisches Territorium eingenommen.
  • Das ISW bewertete die Nettokalaussagen Putins als „so weit von der Realität entfernt, dass sie Halluzinationen gleichen“ und stellte fest, dass die russischen Streitkräfte im September 2026 netto 80,81 Quadratkilometer verloren – bzw. 175,18 Quadratkilometer unter Einbeziehung russischer Durchbrüche in nicht kontrollierte Gebiete.
  • Laut ISW geht Putins „Theorie des Sieges“ angesichts des stockenden Frontverlaufs zu massiven Langstreckenangriffen über, mit denen der Kreml im Winter 2026–2027 die ukrainische Kapitulation erzwingen will.
  • ISW wies darauf hin, dass die ukrainischen Verteidigungskräfte zwischen März und September 2026 fast 300 Quadratkilometer zurückgewannen; im September 2026 selbst waren es 256,35 Quadratkilometer ukrainischerseits gegenüber 175,54 russischerseits.
  • Am 30. September erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, drei „Saisons“ der ukrainischen Operation hätten die russischen Durchbruchsabsichten Richtung Slovjansk-Kramatorsk vereitelt und über 5000 russische Verluste sowie weitere 250 für den Austauschfonds verursacht.
  • Eine NATO-Vertreterin wies Putins Darstellung zurück, verwies auf „verantwortungslose nukleare Rhetorik“ Russlands und bekräftigte, die Allianz verfüge über alles, was zur Verteidigung jedes Quadratzentimeters des Bündnisgebiets nötig sei.
  • ISW führte aus, dass Putin in seiner Rede den Eindruck erwecken wollte, Russland bedrohe niemanden, während Russland gleichzeitig Drohnen in den Luftraum der Republik Moldau und von NATO-Staaten entsende sowie Sabotage und Spionage betreibe.

Warum es wichtig ist

Das ISW stellt Putins zentraler Behauptung umfangreicher russischer Gebietsgewinne im September 2026 direkt dessen eigene Auswertung gegenüber, wonach die russischen Streitkräfte in dieser Zeitperiode netto Gebiet eingebüste hätten. Putins Angaben werden als Ausdruck einer in der russischen Militärführung tief verwurzelten Kultur der Lüge eingeordnet. Zugleich wertet das ISW die Rede als Indiz für einen Strategiewechsel: weg von langsamem Frontvormarsch, hin zu massiven Langstreckenangriffen, mit denen der Kreml im Winter 2026–2027 die ukrainische Kapitulation erzwingen will. Daneben versuchte Putin, Russland als friedliches Opfer westlicher Aggression darzustellen, während NATO und ISW selbst russische Nuklear-Rhetorik, Drohnenüberflüge in den Luftraum der Republik Moldau und von NATO-Staaten sowie Sabotageakte dokumentieren. Der Streit ist relevant dafür, wie westliche und ukrainische Medien offizielle russische Aussagen über den Krieg und die europäische Sicherheit bewerten.

Was geschehen ist

Beim Valdai-Diskussionsforum am 1. Oktober 2026 erklärte Wladimir Putin, die russischen Streitkräfte hätten im September 2026 1301 Quadratkilometer ukrainisches Territorium eingenommen – nach ISW-Angaben das 2,5-Fache der in den Vormonaten beanspruchten Gewinne. Das Institute for the Study of War widersprach dieser Darstellung mit Verweis auf die sichtbare Beweislage: Danach erlitten die russischen Streitkräfte im September 2026 Verluste 80,81 Quadratkilometer liegenden 175,18 Quadratkilometer an Boden, sofern die russischen Vorstöße in nicht kontrollierte Gebiete einbezogen werden. ISW bezeichnete Putins Angaben als „so weit von der Realität entfernt, dass sie Halluzinationen gleichen“ und erklärte, nicht einschätzen zu können, ob Putin die Unrichtigkeit seiner Zahlen kenne oder ob er ihm zugespielte, fabrizierte Gefechtsstandsdaten wiedergebe. ISW sieht darin eine in der russischen Militärführung tief verwurzelte Kultur der Lüge. Mit Hinweis auf den stockenden Frontverlauf wertet ISW Putins Rede zugleich als Anzeichen für einen Strategiewechsel: Die ursprüngliche, auf stetigem, aber langsamem Vorrücken beruhende Theorie des Sieges werde nun durch eine Kampagne massiver Langstreckenangriffe ersetzt, mit denen der Kreml im Winter 2026–2027 die ukrainische Kapitulation erzwingen wolle. Putin nutzte einen Großteil der Rede zudem, um Russland als niemanden bedrohend darzustellen und europäische Reaktionen auf russische Drohnenüberflüge und Sabotageakte als eigentliche Aggression umzudeuten. Eine NATO-Vertreterin wies diese Darstellung als „verantwortungslose nukleare Rhetorik“ zurück und bekräftigte, die Allianz verfüge über alles, was zur Verteidigung jedes Quadratzentimeters des Bündnisgebiets nötig sei.