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Ukraine deckte monatelange verdeckte Offensive nahe Lyman auf – Russland verlagert Druck auf Mykolajka

Das 3. Armeekorps der Ukraine hat am 15. September die monatelange verdeckte Operation „Vivaldi" nördlich von Lyman in der Oblast Donezk öffentlich gemacht. Die Operation lief seit Mai unter voller Geheimhaltung; westliche OSINT-Analysten wurden gebeten, keine Frontdaten mehr zu veröffentlichen. Nach der Aufdeckung verlagerte Russland Kräfte südlich von Lyman und übt nun Druck auf das Dorf Mykolajka aus.

Das Wichtigste

  • Operation „Vivaldi": ukrainische Offensive des 3. Armeekorps unter Andrij Biletsky nördlich von Lyman, Oblast Donezk.
  • Start der Offensive im Mai 2025 unter OPSEC-Bedingungen; westliche OSINT-Analysten wurden gebeten, keine Geolokalisierungsdaten mehr zu veröffentlichen.
  • Französischer OSINT-Analyst Clément Molin erkannte Frontveränderungen auf Satellitenbildern bereits im Juni.
  • Öffentliche Bestätigung am 15. September 2025; am 20. September wurden die Dörfer Schandryholowe, Derylowe und Drobyschewe als befreit gemeldet.
  • Stand 15. September: 75 km² geräumt, 10 km² deokkupiert; 3. Korps sprach später von weiteren 40 km² durch die Befreiung der drei Dörfer.
  • Texty.org.ua nennt 125 km² befreit, davon 50 km² vollständig deokkupiert.
  • Verluste der russischen Streitkräfte laut 3. Korps: rund 1.500 (später 3.000) Soldaten, über 12.000 Drohnen, Hunderte gepanzerte Fahrzeuge und Artilleriesysteme; die Elitedrohneneinheit „Rubikon" wurde aus dem Abschnitt Lyman–Borowa abgezogen.
  • Nach dem Stopp nördlich von Lyman verlagerten russische Kräfte Teile nach Süden und drücken auf Mykolajka, das laut DeepState als Vorposten vor Slowjansk gilt.

Warum es wichtig ist

Die Operation zeigt, dass die Ukraine mit strikter Informationssicherheit – inklusive der Bitte an westliche OSINT-Analysten, keine Frontdaten zu publizieren – monatelang unbemerkt vorrücken konnte. Berichten zufolge stoppte sie den russischen Versuch, den „Gürtel der Festungsstädte" im Donbass einzukesseln, und fügte der russischen 20. und 25. Armee sowie der Elitedrohneneinheit „Rubikon" schwere Verluste zu. Der russische Generalstab und Wladimir Putin wussten demnach nichts von der Offensive, während Russland öffentlich die Einnahme von Lyman und Swjatohirsk beanspruchte. Der Druck hat sich nun nach Süden auf das Dorf Mykolajka verlagert, das als Vorposten vor Slowjansk gilt – die Front hat sich verschoben, die Bedrohung aber nicht.

Was geschehen ist

Das 3. Armeekorps der ukrainischen Streitkräfte unter dem Kommandeur Andrij Biletsky hat am 15. September 2025 erstmals öffentlich die monatelange verdeckte Operation „Vivaldi" nördlich von Lyman in der Oblast Donezk bestätigt. Die Offensive lief seit Mai unter voller Geheimhaltung: westliche OSINT-Analysten, darunter der Franzose Clément Molin, der bereits im Juni Frontveränderungen auf Satellitenbildern bemerkt hatte, wurden gebeten, keine Geolokalisierungsdaten aus dem Abschnitt mehr zu veröffentlichen. Der russische Generalstab und Wladimir Putin erfuhren Berichten zufolge erst Anfang September davon, während Russland am 1. September die Einnahme von Swjatohirsk beanspruchte. Am 15. September nannten die Verteidigungskräfte offiziell 75 km² geräumtes und 10 km² deokkupiertes Gebiet; die Verluste der russischen Streitkräfte wurden mit rund 1.500 Soldaten, über 12.000 Drohnen und Hunderten gepanzerten Fahrzeugen, Artilleriesystemen und Kfz angegeben. Am 18. September teilte das 3. Korps mit, die russische Elitedrohneneinheit „Rubikon" sei wegen hoher Verluste aus dem Abschnitt Lyman–Borowa abgezogen worden. Am 20. September bestätigte Biletsky die Befreiung der Dörfer Schandryholowe und Derylowe sowie die volle Kontrolle über Drobyschewe; laut 3. Korps wuchs die Zahl der deokkupierten Fläche dadurch um weitere 40 km², die gesamten russischen Verluste stiegen auf 3.000 Soldaten. Texty.org.ua beziffert die Gesamtbefreiung auf 125 km², davon 50 km² vollständig deokkupiert. Das Institute for the Study of War schrieb, die Operation habe russische Versuche gestört, den „Gürtel der Festungsstädte" im Donbass einzukesseln. Nach dem Stopp nördlich von Lyman verlagerte Russland Berichten zufolge Kräfte südlich der Stadt und drückt auf Mykolajka, das laut DeepState-Analyst Roman Pohorily ein äußerst wichtiger Vorposten vor Slowjansk ist. Ukrainische Teilnehmer sagten gegenüber NV, die eigenen Verluste seien um ein Vielfaches kleiner als die russischen – ungewöhnlich, da Angreifer üblicherweise höhere Verluste erleiden.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen nennen unterschiedliche Zahlen zu befreitem und vollständig deokkupiertem Gebiet: Offizielle Angaben des 3. Korps vom 15. September sprechen von 75 km² geräumt und 10 km² deokkupiert; die Pressestelle des 3. Korps nennt zusätzlich 40 km² durch die Befreiung von Schandryholowe, Derylowe und Drobyschewe; Texty.org.ua kommt insgesamt auf 125 km² befreit, davon 50 km² vollständig deokkupiert.

Hintergrund

Das 3. Armeekorps der Ukraine übernahm den Abschnitt nördlich von Lyman, nachdem vorherige Brigaden dort in der Defensive versagt hatten und russische Kräfte eine „Klaue" nördlich der Stadt bilden konnten. Der DeepState-Mitgründer Roman Pohorily beschrieb den Personalmangel als anhaltendes Problem auf dem Lyman-Abschnitt, das sich nach einem Wechsel in der Führung der Streitkräfte der Ukraine aber zu bessern beginne. Pohorily führt die Verschiebung der Prioritäten – weg von reinen Sturmregimenten hin zu einer gerechteren Verteilung zwischen den Brigaden – auf Diskussionen auf Ebene des Präsidenten und des stellvertretenden Leiters des Präsidialamtes Pawlo Palissa zurück.