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Ukrainische Gegenoffensive „Operation Vivaldi“ bei Lyman enthüllt: Russische Aufklärung monatelang getäuscht

Das ukrainische 3. Armeekorps hat am 15. September die seit Ende Mai laufende Gegenoffensive nördlich von Lyman unter dem Namen „Operation Vivaldi“ öffentlich bestätigt. Nach Angaben eines Offiziers des Korps können russische Sturmgruppen der 1. Panzerarmee die Front im Raum Lyman nicht stabilisieren und müssen unzureichend ausgebildete Reserven heranziehen.

Das Wichtigste

  • Brigadegeneral Andrij Biletsky vom 3. Armeekorps hat „Operation Vivaldi“ am 15. September erstmals öffentlich bestätigt.

Warum es wichtig ist

Die Operation ist nach Darstellung ukrainischer und westlicher Beobachter monatelang an der russischen Aufklärung vorbeigegangen, was auf ein erhebliches Versagen der russischen Lagebeurteilung hindeutet. ISW schreibt, der Vorstoß habe russische Versuche gestört, den „Festungsgürtel der Städte“ im Donbas einzukesseln. OSINT-Analysten sprechen von einer faktischen Abtrennung des Lyman-Brückenkopfs auf einer Fläche von bis zu 240 Quadratkilometern.

Was geschehen ist

Ukrainische Kräfte führen seit Ende Mai eine zunächst geheime Gegenoffensive nördlich der Stadt Lyman durch. Das 3. Armeekorps unter Brigadegeneral Andrij Biletsky hat den Vorstoß am 15. September unter dem Namen „Operation Vivaldi“ erstmals öffentlich gemacht. Nach offiziellen ukrainischen Angaben wurden im Verlauf der Operation 75 Quadratkilometer vom Feind geräumt und 10 Quadratkilometer deokkupiert; die ukrainischen Verteidigungskräfte beziffern die russischen Verluste in dieser Phase auf rund 1.500 Soldaten, über 12.000 Drohnen sowie Hunderte gepanzerter Fahrzeuge, Artilleriesysteme und Kfz. Am 18. September meldete das 3. Korps, die russische Elite-Drohneneinheit Rubikon sei wegen hoher Verluste aus dem Abschnitt Lyman-Borowa abgezogen worden. Am 20. September bestätigte Biletsky die Deokkupation der Dörfer Schandryholowe und Derylowe sowie die vollständige Kontrolle über Drobyschewe; nach Angaben der Pressestelle des 3. Korps wurden dabei weitere 40 Quadratkilometer befreit, die russischen Gesamtverluste stiegen demnach auf 3.000 Mann. Ein Offizier des Korps mit dem Rufnamen Andrij sagte gegenüber Radio NV, die russische 1. Panzerarmee könne die Front bei Lyman nicht stabilisieren und müsse unzureichend ausgebildete Reserven einsetzen; die Hauptstoßrichtung der russischen „Sapad“-Gruppierung sei der Abschnitt Oskil-Swjatochirsk, wo die 20. Armee mit einer Teilgruppe der 1. Panzerarmee angreife.

Wo die Berichte auseinandergehen

Ukrainische Stellen und westliche OSINT-Analysten verorten die aktuelle Kontaktlinie unterschiedlich: nach offiziellen ukrainischen Angaben verläuft sie mindestens 10 Kilometer östlich von Swjatochirsk, nach westlichen OSINT-Analysten rund 25 Kilometer östlich.

Hintergrund

Den ersten Hinweis auf den ukrainischen Vorstoß lieferte nach Darstellung des Materials der französische OSINT-Analyst und Kartograf Clément Molen, der Anfang Juni anhand von Satellitenbildern russische KAB-Bombenabwürfe in der Nähe des Dorfes Nowe erkannte und daraus auf ukrainische Kontrolle schloss, da Russland eigene Kräfte nicht mit solchen Bomben angreift. Westliche Geolokatoren stellten ihre öffentlichen Updates zum Raum Lyman ein, nachdem sie den ukrainischen Vormarsch bestätigt hatten; russische OSINT-Kanäle wie Rybar oder Anatoly Radow veröffentlichten demnach überwiegend aus diesen westlichen Daten übernommene Inhalte unter eigenem Namen. Der russischsprachige Analytiker Michael Nak, der mehrere Spendensammlungen für die ukrainischen Streitkräfte organisiert hat, hat den Ablauf der Operation in seinem YouTube-Blog detailliert rekonstruiert.