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Ukrainischer Generalstab weist Gerassimows Angaben zu Frontverschiebungen zurück

Der Sprecher des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte, Major Andrij Kowaljow, hat am 17. Oktober die Angaben des russischen Generalstabschefs Waleri Gerassimow zu Geländegewinnen und Ortschaftsnahmen an mehreren Frontabschnitten öffentlich zurückgewiesen. Der Generalstab erklärte mehrere der genannten Städte und Dörfer als weiterhin unter ukrainischer Kontrolle und widersprach insbesondere Gerassimows Zahl von über 1.800 Quadratkilometern und 92 Ortschaften seit dem 1. September.

Das Wichtigste

  • Major Andrij Kowaljow, Sprecher des ukrainischen Generalstabs, wies am 17. Oktober die Aussagen von Generalstabschef Waleri Gerassimow als nicht der Realität entsprechend zurück.
  • Gerassimow hatte behauptet, russische Streitkräfte hätten seit dem 1. September über 1.800 Quadratkilometer und 92 Ortschaften eingenommen.
  • Laut Generalstab sind seit Beginn des Herbstes von den ukrainischen Verteidigungskräften mehr Gebiete befreit worden, als der Feind einnahm.
  • Dobropillja, Kostjantyniwka und Oleksijewo-Druschkiwka befinden sich nach Angaben des Generalstabs weiterhin unter ukrainischer Kontrolle; in Kostjantyniwka werde weiter gekämpft.
  • Orichiw, Nowopawliwka und Nowoandrijiwka verbleiben dem Generalstab zufolge unter Kontrolle der ukrainischen Streitkräfte.
  • Die Frontlinie vor Saporischschja liegt nach ukrainischer Darstellung seit Längerem rund 22 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt; Gerassimow hatte 5 Kilometer behauptet.
  • Das ISW beziffert den Netto-Gebietsverlust Russlands seit dem 1. September auf 122 Quadratkilometer zugunsten der Ukraine.

Warum es wichtig ist

Die Auseinandersetzung betrifft zahlreiche konkrete Ortschaften und Frontabschnitte in den Oblasten Donezk und Saporischschja und prägt damit das öffentliche Bild der Frontlage. Die ukrainische Seite sieht in den russischen Angaben ein wiederkehrendes Muster gezielter Desinformation gegenüber der politischen Führung und der russischen Bevölkerung. Eine unabhängige Analyse deutet darauf hin, dass die Netto-Territorialveränderung seit dem 1. September sogar zugunsten der Ukraine ausfallen könnte, was dem russischen Narrativ großer Gewinne widerspricht.

Was geschehen ist

Major Andrij Kowaljow, Sprecher des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte, trat am 17. Oktober vor die Medien und wies die Angaben des russischen Generalstabschefs Waleri Gerassimow zu Frontfortschritten zurück. Gerassimow hatte in einem am 16. Oktober vorgelegten Bericht behauptet, russische Truppen hätten seit dem 1. September mehr als 1.800 Quadratkilometer ukrainisches Territorium und 92 Ortschaften eingenommen. Kowaljow bezeichnete diese Zahlen als unwahr und stellte fest, dass die ukrainischen Verteidigungskräfte seit Beginn des Herbstes mehr Gebiet befreit als der Feind eingenommen habe. Er benannte eine Reihe konkreter Ortschaften, die Gerassimow als eingenommen dargestellt hatte, und erklärte sie als weiterhin unter ukrainischer Kontrolle: Dobropillja, Kostjantyniwka (wo weiterhin gekämpft werde), Oleksijewo-Druschkiwka, Orichiw, Nowopawliwka und Nowoandrijiwka. Auch die Behauptung, russische Truppen hätten die Außenbezirke von Kramatorsk erreicht, in den Vororten von Slowjansk eine Offensive gestartet oder mehr als die Hälfte von Mykola jiwka kontrolliert, wies er zurück; tatsächlich sei nur eine kleine russische Gruppe in die südlichen Randgebiete von Mykolajiwka eingedrungen, die mit Aufklärungs- und Suchoperationen bekämpft werde. Die Darstellung, russische Truppen seien bis auf 5 Kilometer an Saporischschja herangerückt, bezeichnete Kowaljow als falsch: Die Frontlinie liege seit Längerem rund 22 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Auch die angebliche Einnahme von Welykomychajliwka in der Oblast Dnipropetrowsk nannte er eine Fälschung; der Ort bleibe unter ukrainischer Kontrolle, die Frontlinie verlaufe 8 Kilometer östlich davon. Die 1. Korps der Nationalgarde „Asow“ erklärte zudem, dass die Dörfer Solotyj Kolodjas, Nowotroizke und Petriwka in der Oblast Donezk weiterhin unter ukrainischer Kontrolle stünden und nicht – wie vom russischen Verteidigungsministerium behauptet – eingenommen worden seien.

Wo die Berichte auseinandergehen

Gerassimow erklärte, die russischen Streitkräfte hätten seit dem 1. September mehr als 1.800 Quadratkilometer und 92 Ortschaften eingenommen; der ukrainische Generalstab bezeichnete diese Zahlen als unwahr und erklärte, seit Herbstbeginn sei mehr ukrainisches Territorium befreit als vom Feind eingenommen worden. Gerassimow behauptete die Einnahme von Dobropillja; der Generalstab erklärte die Stadt am Morgen des 17. Oktober als unter ukrainischer Kontrolle. Gerassimow behauptete die Einnahme von Kostjantyniwka; der Generalstab erklärte, ukrainische Stellungen befänden sich weiterhin in der Stadt, und die Gefechte dauerten an. Gerassimow behauptete, russische Truppen seien bis auf 5 Kilometer an Saporischschja herangerückt; der Generalstab erklärte, die Frontlinie liege seit Längerem rund 22 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

Hintergrund

Am 1. September hatte der russische Präsident Wladimir Putin öffentlich die Einnahme von Swjatochirsk behauptet, das nach ukrainischer Darstellung durchgehend unter ukrainischer Kontrolle stand. Am 16. Oktober erklärte Putin, russische Streitkräfte hätten seit Jahresbeginn rund 6.500 Quadratkilometer eingenommen. Gerassimows am 16. Oktober vorgelegter Bericht behandelte Vorstöße in Richtung Kramatorsk und Saporischschja sowie die Einnahme mehrerer Ortschaften. Das Institute for the Study of War (ISW) bezifferte den Netto-Gebietsverlust Russlands seit dem 1. September auf 122 Quadratkilometer zugunsten der Ukraine. Ukrainische Kräfte erklärten, im Rahmen der vierten Phase der Operation „Vivaldi“ drei weitere Ortschaften in der Oblast Donezk befreit und 101 Quadratkilometer zurückgewonnen zu haben.