Biletsky: Russische „nördliche Zange“ im Donezk-Gebiet faktisch zerschlagen
Der Kommandeur des 3. Armeekorps, Brigadegeneral Andrij Biletsky, hat im Fernsehen erklärt, die russische „nördliche Zange“ an der Donezker Front im Zuge der Offensive „Vivaldi« faktisch zerschlagen zu haben. Der geplante russische Zangenangriff mit einer Südachse über Dobropillja und einer Nordachse über Swjatohirsk Richtung Barwinkowe sei damit durchkreuzt worden. Nach seinen Angaben ist die Kontrolle über das aufgegebene Terrain aber noch nicht endgültig gesichert.
Das Wichtigste
- Biletsky: die russische „nördliche Zange« an der Donezker Front ist faktisch zerschlagen
- Geplant war ein russischer Zangenangriff: von Süden über Dobropillja, von Norden über Swjatohirsk bis Barwinkowe
- Die Infiltration russischer Kräfte bei Dobropillja wurde laut Biletsky bereits im Vorjahr gestoppt
- 3. Armeekorps meldete bis 15. September rund 75 km² von Infiltrationen gesäubert und weitere 10 km² deokkupiert
- Operation „Vivaldi« lief bis 15. September unter vollständiger Informationstiefe
- Biletsky räumt ein, dass die russische Armee derzeit mehr Infanterie hat als die ukrainischen Streitkräfte
- Biletsky leitet das neu aufgestellte Truppengruppierung „Zentrum«; die zweite, „Asow«, führt Denys Prokopenko
Warum es wichtig ist
Biletskys Aussagen zeichnen das Bild eines russischen Doppelschlags, der nach ukrainischer Darstellung bereits an der Nordachse gescheitert ist. Sollte die Schilderung zutreffen, wäre Moskau gezwungen, die Slowjansk-Kramatorsker und Druschkiwka-Kostjantyniwkaer Agglomerationen frontal anzugreifen – nach Biletskys Aufgaben wesentlich verlustreicher als ein russischer Zangenangriff. Zugleich räumt er einen russischen Infanterievorsprung ein und warnt vor einer zusätzlichen russischen Mobilisierung.
Was geschehen ist
Brigadegeneral Andrij Biletsky, Kommandeur des 3. Armeekorps der ukrainischen Streitkräfte, hat im Fernsehen erklärt, die „nördliche Zange« der russischen Besatzungstruppen an der Donezker Front sei faktisch zerschlagen und vernichtet worden. Der russische Plan habe eine Umfassung ukrainischer „Festungsstädte« von zwei Seiten vorgesehen: von Süden über Dobropillja, von Norden über Swjatohirsk bis Barwinkowe, wo sich beide „Zangen« schließen sollten. Die Infiltration bei Dobropillja sei bereits im Vorjahr gestoppt worden; die Lage dort bleibe schwierig, aber kontrolliert. Das 3. Armeekorps meldete bis zum 15. September im Rahmen der Operation „Vivaldi« rund 75 km² gesäubert und weitere 10 km² deokkupiert. Russische Infiltrationsnester seien bei Nowoseliwka, Oleksandriwka, Jarowa sowie am Stadtrand von Korowyj Jar vernichtet worden. Biletsky bezeichnete die Lähmung der russischen Logistik und Hinterlandgebiete als entscheidend, um eine Wiederaufnahme der russischen Offensive zu verhindern. Wenn die Umfassung nicht gelinge, müssten die russischen Kräfte die Slowjansk-Kramatorsker und Druschkiwka-Kostjantyniwkaer Agglomerationen frontal stürmen – das sei deutlich schmerzhafter und verlustreicher. Er räumte ein, dass die russische Armee derzeit mehr Infanterie habe als die ukrainische, verwies aber auf zunehmenden Infanteriemangel auch auf russischer Seite. Mehr russische Infanterie werde wegen des modernen Aufklärungs- und Wirkungsfeuerkreislaufs mit Drohnen und Sensoren mehr russische Verluste bedeuten, und eine neue russische Mobilisierung werde – weil die Mobilisierten keine Vertragssoldaten seien – erhebliche soziale Spannungen in Russland erzeugen.
Hintergrund
Nach Angaben aus den Quellen plante Russland an der Donezker Front eine Zangenbewegung mit zwei Achsen: von Süden über Dobropillja und von Norden über einen Brückenkopf in Richtung Swjatohirsk bis Barwinkowe. Die Infiltration bei Dobropillja wurde demnach bereits im Vorjahr gestoppt; die Lage bleibe dort schwierig, aber kontrolliert. Am 26. August kündigte Präsident Wolodymyr Selenskyj die Verstärkung der ukrainischen Positionen im Donezker Gebiet durch zwei neu aufgestellte Truppengruppierungen an: „Zentrum« unter Biletsky und „Asow« unter Denys Prokopenko. Am 7. September wandte sich Biletsky aus dem Zentrum von Swjatohirsk vor der Heiligen Dormition-Lavra an die Öffentlichkeit, nachdem der russische Machthaber die Stadt als „eingenommen« dargestellt hatte. Das 3. Armeekorps meldete bis zum 15. September im Rahmen der Offensive „Vivaldi« rund 75 km² von Infiltrationen gesäubert und weitere 10 km² deokkupiert; die Operation lief bis dahin unter vollständiger Informationstiefe. Laut Ukrinform hatte Präsident Selenskyj zuvor mitgeteilt, Russland wolle nach den Wahlen zusätzlich 300.000 Personen mobilisieren.