Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Selenskyj weist russische Angaben zu Frontverlauf bei Saporischschja zurück – Ukraine habe seit Herbstbeginn mehr Territorium befreit als erobert

In seiner Abendansprache am 18. Oktober erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, die ukrainischen Streitkräfte hätten seit Beginn des Herbstes mehr Gebiet befreit als Russland einnehmen konnte. Er widersprach damit direkt den Angaben des russischen Generalstabschefs Waleri Gerassimow, der am 16. Oktober behauptet hatte, russische Truppen seien nur noch 5 km von Saporischschja entfernt und hätten die Siedlungen Malokateryniwka, Dobropillja und Oleksijewo-Druschkiwka eingenommen. Nach Selenskyjs Angaben liegt die tatsächliche Entfernung russischer Kräfte von Saporischschja bei rund 20 km, das Zentrum für Desinformationsabwehr nennt 25 km.

Das Wichtigste

  • Selenskyj erklärte am 18. Oktober, die Ukraine habe seit Herbstbeginn mehr Territorium befreit als Russland erobern konnte – und verwies auf einen Bericht von Generalstabschef Mychajlo Drapatyj.
  • Selenskyj widersprach der russischen Behauptung, Truppen seien nur 5 km von Saporischschja entfernt; nach seinen Angaben sind es rund 20 km, nach Angaben des ukrainischen Zentrums für Desinformationsabwehr etwa 25 km.
  • Nach Selenskyj stehen Dobropillja, Kostjantyniwka, Oleksijewo-Druschkiwka, Oriechiw, Nowopawliwka, Nowoandrijiwka und Welykomychailiwka unter ukrainischer Kontrolle.
  • Das ukrainische Zentrum für Desinformationsabwehr wies die russische Behauptung zurück, Malokateryniwka sei eingenommen worden; Soldaten der 128. Schweren Mechanisierten Brigade filmten aus dem Inneren der Siedlung.
  • Gerassimow hatte am 16. Oktober bei einem Treffen mit Wladimir Putin russische Erfolge gemeldet, darunter die Einnahme von 92 Ortschaften seit September und einen Vorstoß auf 5 km an Saporischschja heran.
  • Die ukrainische Süd-Gruppierung erklärte, das russische Kommando habe seinen Truppen eine Frist zur Einnahme von Tawrijske, Oriechiw und Preobraschenka in der Oblast Saporischschja bis Ende Oktober gesetzt.

Warum es wichtig ist

Die Stellungnahme steht in direktem Widerspruch zu hochrangigen russischen Angaben über schnelle Geländegewinne Richtung Saporischschja und die Einnahme mehrerer Ortschaften. Sie rahmt die operative Bilanz des Herbstes als positiv für die Ukraine ein und macht den informationellen Wettstreit zwischen beiden Generalstäben um Ortschaften und Frontentfernungen sichtbar. Damit hat die Aussage sowohl militärisch-operative als auch propagandistische Bedeutung.

Was geschehen ist

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in seiner Abendansprache am 18. Oktober 2026, die ukrainischen Streitkräfte hätten seit Beginn des Herbstes mehr Territorium befreit als Russland einnehmen konnte; dieselbe Tendenz habe in anderen Phasen des Jahres gegolten. Er bezog sich dabei auf einen Bericht des Generalstabschefs der ukrainischen Streitkräfte, Generalmajor Mychajlo Drapatyj. Selenskyj führte mehrere Ortschaften namentlich auf, die nach seinen Angaben unter ukrainischer Kontrolle stehen: Dobropillja, Kostjantyniwka, Oleksijewo-Druschkiwka, Oriechiw, Nowopawliwka, Nowoandrijiwka und Welykomychailiwka. In Dobropillja sei die Lage schwierig, russische Sturm- und Infiltrationsversuche würden jedoch abgewehrt. Im Raum Kramatorsk würden ukrainische Stellungen verteidigt. Selenskyj widersprach der russischen Behauptung, russische Truppen seien nur noch 5 km von Saporischschja entfernt, und nannte eine tatsächliche Entfernung von rund 20 km. Er verwies zudem auf Ergebnisse der Luftsturmtruppen (DSchW) und des 3. Armeekorps, die er als Bestandteil der ukrainischen Aktivverteidigung bezeichnete, und dankte mehreren Brigaden für ihre Einsätze.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Quellen betonen die positive Framing des Herbstes durch Selenskyj und benennen einzelne Ortschaften sowie eingesetzte Einheiten, darunter die 128. Schwere Mechanisierte Brigade, die 82. Luftsturmbrigade, die 59. und 414. Brigade der Unbemannten Systeme sowie das 3. Armeekorps. Die russischen Angaben werden über das Zentrum für Desinformationsabwehr und den Sprecher der Süd-Gruppe Maksym Krawtschuk zurückgewiesen; als Beweis dient Videoaufnahmen aus Malokateryniwka. Die Lage wird als schwierig, aber beherrschbar dargestellt, mit Distanzangaben (20 km bzw. 25 km), die der russischen 5-km-Behauptung widersprechen.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Die einzige nicht-ukrainischsprachige Quelle, ein englischsprachiger Bericht der aserbaidschanischen Agentur APA, stellt den Vorgang als direktes Dementi Selenskyjs gegen konkrete russische Angaben dar – Einnahme von Dobropillja und Vorrücken auf Saporischschja. Beide Seiten werden mit ihren Positionen wiedergegeben, ohne eigene unabhängige Überprüfung der Lage.

Wo die Berichte auseinandergehen

Drei wesentliche Punkte werden in den Quellen unterschiedlich dargestellt. Erstens beanspruchen der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow und Präsident Wladimir Putin die vollständige Einnahme von Dobropillja und Oleksijewo-Druschkiwka südlich von Kramatorsk; Selenskyj und das Zentrum für Desinformationsabwehr geben beide Ortschaften als unter ukrainischer Kontrolle stehend an. Zweitens nennt Gerassimow eine Entfernung russischer Truppen von Saporischschja von 5 km; Selenskyj spricht von rund 20 km, das Zentrum für Desinformationsabwehr und der Sprecher der Süd-Gruppe von etwa 25 km bis zu den südlichen Ausläufern der Stadt. Drittens behauptet Gerassimow, Malokateryniwka in der Oblast Saporischschja sei eingenommen worden; das Zentrum für Desinformationsabwehr, die Süd-Gruppe und Soldaten der 128. Schweren Mechanisierten Brigade – die aus dem Inneren der Siednung filmten – widersprechen und bezeichnen die Siedlung als unter ukrainischer Kontrolle stehend.

Hintergrund

Am 16. Oktober 2026 hatte der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow bei einem Treffen mit Wladimir Putin schnelle russische Geländegewinne gemeldet, darunter einen Vormarsch auf 5 km an Saporischschja heran sowie die Einnahme der Ortschaften Dobropillja, Oleksijewo-Druschkiwka und Malokateryniwka. Der ukrainische Generalstab wies diese Angaben am 17. Oktober zurück. Selenskyjs Gegenangaben folgten am Abend des 18. Oktober nach einem Bericht von Generalstabschef Mychajlo Drapatyj. Im selben Zeitraum hatte das 3. Armeekorps eigenen Angaben zufolge die vierte Phase der Operation „Vivaldi“ an der Lyman-Richtung abgeschlossen und dabei nach eigenen Angaben zusätzliche 101 Quadratkilometer – darunter Kolodjasi, Selena Dolyna und Lypowe – befreit. Die Süd-Gruppierung der ukrainischen Streitkräfte berichtete, das russische Kommando habe seinen Truppen eine Frist zur Einnahme von Tawrijske, Oriechiw und Preobraschenka in der Oblast Saporischschja bis Ende Oktober gesetzt.