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Gericht in Lwiv zieht sich zur Beratung im Mordprozess um Sprachwissenschaftlerin Iryna Farion zurück

Am 17. September 2026 hat sich das Schewtschenkiwski-Bezirksgericht in Lwiv nach dem Schluss der Plädoyers zur Beratung über das Urteil im Mordfall der Linguistin und ehemaligen Volksabgeordneten Iryna Farion zurückgezogen. Der Angeklagte Wjatscheslaw Sinchenko und seine Verteidigerin Diana Kara erklärten den Fall für konstruiert und kündigten an, falls nötig den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anzurufen.

Das Wichtigste

  • 17. September 2026: Schewtschenkiwski-Bezirksgericht in Lwiv zieht sich nach den Plädoyers zur Urteilsberatung zurück.
  • Angeklagt: Wjatscheslaw Sinchenko; Verteidigerin: Diana Kara.
  • Verteidigerin Kara erklärte den Fall für konstruiert und kündigte bei Bedarf einen Gang zum EGMR an.
  • Iryna Farion wurde am Abend des 19. Juli 2024 in Lwiv auf der Masaryk-Straße erschossen und starb im Krankenhaus.
  • Ein damals 18-jähriger Einwohner von Dnipro wurde am 25. Juli 2024 festgenommen und am 26. Juli 2024 ohne Kaution in Untersuchungshaft genommen.
  • Im Dezember 2024 wurde die Anklage gegen Sinchenko umqualifiziert: vorsätzlicher Mord aus nationaler Intoleranz sowie unerlaubter Waffenbesitz.
  • Die Plädoyers waren zuvor mehrfach verschoben worden – wegen des Gesundheitszustands des Angeklagten, eines Hungerstreiks und Wechseln in der Verteidigung.

Warum es wichtig ist

Ein Urteil in einem vielbeachteten Mordfall an einer polarisierenden Persönlichkeit des öffentlichen Lebens steht unmittelbar bevor. Die Verteidigung bestreitet die Fairness des Verfahrens öffentlich und signalisiert, notfalls den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anzurufen. Der Prozess war wiederholt durch den Gesundheitszustand des Angeklagten, einen Hungerstreik und Wechsel in der Verteidigung verzögert worden.

Was geschehen ist

Am 17. September 2026 begann die Sitzung im Schewtschenkiwski-Bezirksgericht in Lwiv um 11:48 Uhr. Nach dem Ende der Plädoyers zog sich das Gericht zur Urteilsberatung zurück. Im Saal waren neben dem Angeklagten Wjatscheslaw Sinchenko seine Verteidigerin Diana Kara sowie die Staatsanwälte Olena Danyliv und Dmytro Petlowanyi anwesend; Natalija Romanjuk, Vertreterin der Nebenklägerin Sofija Osoba, war online zugeschaltet. Kara hatte zuvor beantragt, Sinchenko neben ihr Platz nehmen zu lassen oder eine andere Lösung für die Kommunikation zu finden. Nach der Sitzung erklärte sie den Fall für konstruiert; Sinchenko sei nicht schuldig und das Gericht habe ihm keine ausreichende Möglichkeit zur Äußerung gegeben. Richter Petro Newoit erklärte, nach dem letzten Wort des Angeklagten ziehe sich das Gericht zur Urteilsfindung zurück.

Hintergrund

Iryna Farion, Linguistin und ehemalige Volksabgeordnete, wurde am Abend des 19. Juli 2024 in Lwiv auf der Masaryk-Straße durch ein Attentat schwer verletzt und starb später im Krankenhaus. Am 25. Juli 2024 wurde in Dnipro ein damals 18-jähriger Mann als Tatverdächtiger festgenommen; am Folgetag ordnete das Gericht Untersuchungshaft ohne Kaution an. Im Dezember 2024 wurde die Anklage umqualifiziert auf vorsätzlichen Mord einer Person in Verbindung mit der Ausübung ihrer bürgerlichen Pflichten aus nationaler Intoleranz sowie unerlaubten Umgang mit Waffen. Die Plädoyers hatten bereits im April begonnen, wurden aber wegen des Gesundheitszustands des Angeklagten, eines Hungerstreiks und mehrerer Wechsel der Verteidigung wiederholt verschoben.