Schwedischer Behördenchef warnt vor russischer Desinformation vor Europawahlen
Magnus Hjort, Direktor der schwedischen Behörde für psychologische Verteidigung, warnt im Politico-Interview vor russischen Bot-Netzwerken und Desinformationskampagnen, die auf anstehende Wahlen in mehreren europäischen Ländern abzielen. Besonders im Fokus stehen regionale Wahlen in deutschen Bundesländern und die französische Präsidentschaftswahl.
Das Wichtigste
- Magnus Hjort, Direktor der schwedischen Behörde für psychologische Verteidigung, warnte in einem Politico-Interview vor russischen Bot-Netzwerken und Desinformationskampagnen gegen anstehende Wahlen.
- Laut Hjort ist das Hauptziel Moskaus, europäische Wähler daran zweifeln zu lassen, ob ihre Politiker die Unterstützung der Ukraine fortsetzen sollen.
- Russische Kampagnen verbreiten demnach Falschnachrichten über Korruption und Missstände in der Ukraine.
- Hjort nennt regionale Wahlen in deutschen Bundesländern und die französische Präsidentschaftswahl als Schwerpunkte der russischen Beeinflussung.
- Am 6. September gewann die pro-russische AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt über 43 % der Stimmen.
- Eine identifizierte Bot-Netzwerk aus 1.200 X-Konten veröffentlichte 2025 und 2026 rund 50.000 Beiträge mit polarisierenden politischen Inhalten.
- Hjort forderte Meta, TikTok und X auf, automatisierte Konten, die Desinformation verbreiten, stärker zu entfernen.
Warum es wichtig ist
Die Warnung kommt von einem europäischen Sicherheitsamt und benennt konkrete Wahlen in Deutschland und Frankreich als Ziele russischer Desinformation. Damit wird ein direkter Zusammenhang zwischen den Kampagnen und einem möglichen Erstarken prorussischer Kräfte in Europa hergestellt – was wiederum die politische Unterstützung der Ukraine berührt.
Was geschehen ist
Magnus Hjort, Direktor der schwedischen Behörde für psychologische Verteidigung, sagte in einem Interview mit Politico, russische Bot-Netzwerke und Desinformationskampagnen bedrohten anstehende Wahlen in mehreren europäischen Ländern. Hauptziel Moskaus sei es, europäische Wähler daran zweifeln zu lassen, ob ihre Politiker die Ukraine weiter unterstützen sollten; dazu würden Falschnachrichten über Korruption und Missstände in der Ukraine verbreitet. Hjort nannte regionale Wahlen in deutschen Bundesländern und die französische Präsidentschaftswahl als Schwerpunkte der russischen Beeinflussung, da dort rechtsextreme Parteien mit größerer Moskau-Sympathie stark abschneiden könnten. Er forderte Meta, TikTok und X auf, automatisierte Konten stärker zu entfernen. Schweden sieht sich nach seiner Einschätzung derzeit nicht als Hauptziel, da die schwedische Gesellschaft die Ukraine-Unterstützung weitgehend mitträgt. Die Behörde dokumentierte zudem ein Netzwerk von 1.200 X-Konten eines staatlichen Akteurs, das 2025 und 2026 rund 50.000 polarisierende Beiträge veröffentlichte, sowie eine «Matrjoschka»-Methode, bei der Faktenchecker und Journalisten mit Hinweisen auf angebliche russische Inhalte abgelenkt werden.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Medien rahmen Hjorts Warnung vor allem als Bedrohung europäischer Wahlen durch Russland und betonen, dass die Bot-Kampagnen gezielt die Unterstützung für die Ukraine untergraben sollen. Damit wird Russland als Aggressor gegen europäische Demokratien positioniert.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Internationale, auf Politico zurückgehende Berichte stellen den gesamteuropäischen Wahlkalender in den Vordergrund und benennen konkret die deutschen Landtagswahlen und die französische Präsidentschaftswahl. Sie geben zugleich Hjorts Hinweis wieder, dass eine Übertreibung des Ausmaßes ausländischer Einmischung das Vertrauen in Wahlen untergraben könnte.
Hintergrund
Am 6. September gewann die pro-russische AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt über 43 % der Stimmen. Die französische Präsidentschaftswahl ist für April 2027 angesetzt, wobei Marine Le Pen in Umfragen führt. Schwedens allgemeine Wahlen waren für Sonntag, den 13. September geplant; die Sozialdemokraten unter Ex-Regierungschefin Magdalena Andersson lagen in Umfragen vorn. Der italienische Außenminister Antonio Tajani hatte zuvor Befürchtungen geäußert, Russland könne sich in die für 2027 geplanten italienischen Parlamentswahlen einmischen.