NATO-Kampfjets schießen erstmals Drohne im litauischen Luftraum ab
In der Nacht zum 15. September haben NATO-Kampfjets eine Drohne im litauischen Luftraum abgeschossen, die nach vorläufigen Erkenntnissen aus Belarus eingeflogen war. Der Vorfall ist die erste gemeldete direkte Drohnen-Abfangaktion der NATO über Litauen; italienische Patrouillenjets der Luftpolizei-Mission von der Luftbasis Šiauliai führten den Abschuss aus. Vilnius Flughafen wurde vorübergehend gesperrt, eine Luftalarm der Stufe „Gelb“ wurde ausgelöst.
Das Wichtigste
- In der Nacht vom 14. auf den 15. September schossen NATO-Kampfjets eine Drohne im litauischen Luftraum ab – nach Angaben die erste derartige Abfangaktion über Litauen.
- Nach vorläufigen Informationen war die Drohne aus Belarus eingeflogen; belarussische Stellen gaben keine Warnung vor einer Annäherung an die litauische Grenze heraus.
- Italienische Patrouillenjets der NATO-Luftpolizei-Mission, von der Luftbasis Šiauliai gestartet, führten den Abschuss durch.
- Die Drohne wurde im Bezirk Kaišiadorys in der Nähe des Dorfes Pratkūnai abgeschossen; Trümmer verteilten sich auf einer größeren Fläche nahe Kaunas.
- Der litauische Präsident Gitanas Nausėda gab den Abschuss über X (Twitter) bekannt und dankte den alliierten Einsatzkräften für ihre schnelle Reaktion.
- Die litauischen Streitkräfte warnten die Bevölkerung kurz vor Mitternacht vor einer möglichen Luftbedrohung; Anwohner erhielten Warnmeldungen auf ihre Mobiltelefone.
- Während des Vorfalls wurde der Betrieb des Flughafens Vilnius und des Luftraums darüber eingeschränkt; zwei Flüge aus Antalya und Reykjavík wurden bei der Aufnahme verzögert.
- Informationen über Verletzte oder Schäden durch den Abschuss der Drohne lagen zum Zeitpunkt der Meldungen nicht vor; der Drohnentyp und die Urheberschaft wurden noch nicht offiziell zugeordnet.
Warum es wichtig ist
Es ist der erste gemeldete Fall, in dem NATO-Kampfjets eine Drohne direkt im litauischen Luftraum abgeschossen haben – ein bislang einmaliger Vorgang im Baltikum. Die Drohne war ohne Vorwarnung aus Belarus in NATO-Territorium eingeflogen, was die Frage nach belarussischer Verantwortung und einer möglichen russischen Beteiligung aufwirft. Der Vorfall löste eine vorübergehende Schließung des Flughafens Vilnius sowie eine Luftalarmwarnung aus und führte zu Konsultationen Litauens mit EU- und NATO-Partnern über eine Stärkung der Ostflanke, einschließlich Luftverteidigungsmitteln zum Schutz kritischer Infrastruktur.
Was geschehen ist
In der Nacht vom 14. auf den 15. September 2026 drang eine Drohne aus Belarus in den litauischen Luftraum ein und wurde von litauischen Radaren gegen Mitternacht (Ortszeit) erfasst. Die litauischen Streitkräfte warnten die Bevölkerung über Mobiltelefon-Alarme vor einer wahrscheinlichen Luftbedrohung; im Süden Litauens, einschließlich Vilnius, wurde Luftalarm der Stufe „Gelb“ ausgerufen, später auch in Kaunas. Italienische Patrouillenjets der NATO-Luftpolizei-Mission, die von der Luftbasis Šiauliai aufgestiegen waren, fingen die Drohne ab und schossen sie ab, nachdem sie visuell bestätigt worden war. Der Abschuss erfolgte im Bezirk Kaišiadorys nahe dem Dorf Pratkūnai; Trümmer verteilten sich auf einer größeren Fläche nahe Kaunas, und ein Sprengkörper an der Absturzstelle wurde von Pionieren entschärft. Während des Vorfalls wurde der Betrieb des Flughafens Vilnius und des Luftraums darüber eingeschränkt, wodurch zwei Flüge aus Antalya und Reykjavík bei der Aufnahme verzögert wurden. Informationen über Verletzte oder Schäden lagen nicht vor. Präsident Gitanas Nausėda hielt sich zum Zeitpunkt des Vorfalls zu einem Arbeitsbesuch in Finnland auf und gab den Abschuss über X (Twitter) bekannt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto erklärte, die Drohne sei „wahrscheinlich“ russisch, und verwies gleichzeitig auf die laufende litauische Untersuchung. Der Kommandeur der litauischen Luftstreitkräfte, Oberst Antanas Matutis, wollte sich dagegen nicht festlegen und erklärte, eine Zuordnung – russisch oder ukrainisch – sei erst nach Untersuchung der Trümmer möglich; die litauischen Behörden hatten zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch keine offizielle Zuschreibung vorgenommen. Ein weiterer Unterschied betrifft die Beschreibung des Flugwegs: Während der NKVC-Leiter Vilmantas Vitkauskas gegenüber LRT Radio angab, die Drohne sei westwärts über Lentvaris im Bezirk Trakai geflogen, beschreiben andere Berichte den Einschlag bzw. Abschuss nahe Kaunas – beide Darstellungen widersprechen sich nicht strikt, variieren aber leicht. Schließlich hielten frühere Berichte fest, dass der Drohnentyp nicht benannt worden sei; spätere Berichte ergänzten, dass an der Absturzstelle ein Sprengkörper gefunden und von Pionieren entschärft wurde.
Hintergrund
Bereits im August 2026 war eine Drohne über Lettland abgeschossen worden, und ein spanischer NATO-Jet hatte im August eine Drohne über Rumänien abgeschossen. Der erste von der NATO über dem Baltikum abgeschossene Drohneneinsatz betraf Estland und ging laut Berichten auf eine vom Kurs abgekommene ukrainische Kampfdrohne zurück. Litauen und Estland hatten in diesem Frühjahr Russland beschuldigt, ukrainische Drohnen mittels russischer Elektronkrieg-Systeme absichtlich in den baltischen Luftraum umzulenken. Am 13. September 2026 hatte in einigen litauischen Regionen ein Luftalarm bestanden, wobei sich der verdächtige Gegenstand letztlich als Vogelschwarm herausstellte; am 20. Mai war ebenfalls Luftalarm ausgerufen und die Öffnung aller Schutzräume angeordnet worden. Auch Polen und Rumänien hatten zuvor Kampfjets wegen Drohnen in der Nähe ihrer Grenzen zur Ukraine aufsteigen lassen, ohne eine Verletzung des eigenen Luftraums festzustellen.