Erste Drohnenabschuss über Litauen: Präsident Nausėda spricht von russischer "Gerbera"
In der Nacht zum 16. September wurde über Litauen erstmals eine Drohne abgeschossen. Nach Angaben von Präsident Gitanas Nausėda handelte es sich um eine russische Drohne vom Typ "Gerbera", die ursprünglich die Ukraine angreifen sollte, aber durch ukrainische elektronische Kampfmittel vom Kurs abgekommen war. Italienische NATO-Kampfjets des Luftpolizeieinsatzes vom Stützpunkt Šiauliai schossen sie nahe dem Dorf Pratkūnai im Bezirk Kaišiadorys ab. Der Fund von Sprengstoff an Bord erhöht die Besorgnis über künftige Vorfälle.
Das Wichtigste
- Erster Abschuss einer Drohne im litauischen Luftraum und erster derartiger NATO-Luftpolizeieinsatz über Litauen
- Drohne nach Angaben Nausėdas vom Typ "Gerbera", russischen Ursprungs und ursprünglich gegen die Ukraine gerichtet
- Abgeschossen in der Nacht zum 16. September durch italienische Kampfjets der NATO-Luftpolizei vom Stützpunkt Šiauliai nahe dem Dorf Pratkūnai im Bezirk Kaišiadorys
- Die Drohne war nach litauischen Angaben mit Sprengstoff bestückt; dieser wurde von Pionieren entschärft
- Nausėda erklärte, der Vorlag sei vermutlich keine gezielte Attacke auf Litauen gewesen, warnte aber vor Wiederholungen
- Litauen kündigt eine Protestnote an Belarus an und will sich mit Verbündeten beraten
- Nausėda fordert Alternativen zu Kampfjets und Raketen, da deren Einsatz teuer und ineffektiv sei
Warum es wichtig ist
Der Vorfall ist der erste Abschuss einer Drohne im litauischen Luftraum und der erste derartige Einsatz von NATO-Luftpolizeiflugzeugen über Litauen. Dass die Drohne Sprengstoff trug, erhöht die Risiken künftiger Zwischenfälle deutlich. Litauens Führung nutzte das Ereignis, um vor Wiederholungen zu warnen und bessere Aufklärungs- sowie Abfangsysteme zu fordern. Gleichzeitig kündigte das Land eine diplomatische Protestnote an Belarus sowie Konsultationen mit Verbündeten an – mögliche bilaterale und NATO-weite Reaktionen zeichnen sich ab. Das Ereignis verdeutlicht zudem das grenzüberschreitende Risiko durch Drohnen, die im Russland-Ukraine-Krieg eingesetzt werden, einschließlich der Rolle ukrainischer elektronischer Kampfführung bei der Ablenkung solcher Drohnen in NATO-Territorium.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 16. September (Dienstagnacht) drang eine nicht identifizierte Drohne aus Richtung Belarus in den litauischen Luftraum ein. Italienische Kampfjets der NATO-Luftpolizeimission, stationiert auf dem Stützpunkt Šiauliai, schossen sie nahe dem Dorf Pratkūnai im Bezirk Kaišiadorys ab, unweit des Pumpspeicherkraftwerks Kruonis. Das Gebiet wurde abgesperrt und gesichert; der Plan „Shield“ wurde aktiviert. Pioniere entschärften eine an der Drohne gefundene Sprengladung. Bei dem Treffen des Staatlichen Verteidigungsrats am 16. September erklärte Präsident Gitanas Nausėda, die Drohne sei höchstwahrscheinlich eine russische Drohne vom Typ „Gerbera" gewesen, die ursprünglich die Ukraine angreifen sollte, jedoch durch ukrainische elektronische Kampfmittel vom Kurs abgekommen sei. Nausėda betonte, der Vorfall sei vermutlich kein gezielter Angriff auf Litauen gewesen, warnte jedoch vor Wiederholungen. Er forderte das Verteidigungsministerium auf, Alternativen zu Kampfjets und Raketen zu prüfen, deren Einsatz teuer und ineffektiv sei, und verwies auf die Notwendigkeit, Flugbewegungen auch über Belarus und die russische Oblast Kaliningrad zu beobachten. Die Analyse der elektronischen Komponenten der Drohne dauert an, um Herkunft und Flugweg weiter zu klären. Außenminister Kęstutis Budrys kündigte eine Protestnote an Belarus sowie Konsultationen mit Verbündeten an. Verteidigungsminister Robertas Kaunas erklärte, die Sprengladung sei unschädlich gemacht worden. Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto erklärte, die Drohne sei wahrscheinlich russisch.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen verorten den Abschussort mit unterschiedlicher Präzision: einige nennen das Dorf Pratkūnai im Bezirk Kaišiadorys, andere betonen die Nähe zum Pumpspeicherkraftwerk Kruonis. Beide Angaben sind miteinander vereinbar und heben lediglich verschiedene Orientierungspunkte hervor. Daneben rahmen einige Beiträge den Abschuss als Erfolg der NATO-Luftpolizei und weisen darauf hin, dass es der erste derartige Drohnenabschuss über Litauen war; andere betonen zugleich, dass Kampfjets und Raketen eine teure und ineffektive Lösung darstellen und Litauen alternative Fähigkeiten benötige. So wird dasselbe Ereignis sowohl als Präzedenzfall für eine erfolgreiche Abwehr als auch als Beleg für bestehende Fähigkeitslücken dargestellt.
Hintergrund
Russlands Drohne vom Typ „Gerbera" ist ein unbemanntes Luftfahrzeug, das bei Angriffen auf die Ukraine beobachtet wurde; die ukrainische Luftwaffe meldete „Gerbera"-Drohnen über der Nordukraine in der Nacht des Vorfalls. Ähnliche Drohnenvorfälle hatte es zuvor bereits im Luftraum Lettlands und Estlands gegeben; der ukrainische Außenminister Sybiha hatte einige dieser Fälle auf ukrainische Drohnen zurückgeführt, die durch russische elektronische Kampfführung von Zielen in Russland abgelenkt worden waren. Zwei Tage vor dem Abschuss, am 13. September, hatten litauische Behörden eine Luftwarnung der Stufe Gelb über Vilnius und umliegenden Bezirken wegen einer möglichen Drohnensichtung ausgegeben, die sich später als Vogelschwarm herausstellte. Unmittelbar vor dem Vorfall hatte Belarus viertägige Militärübungen nahe der Grenzen zu Polen und Litauen begonnen, die unter anderem Grenzverteidigung und Drohnenabwehr umfassten.