Britischer Sender BBC deckt offenbar russisches Netzwerk hinter Anschlagern auf Moscheen und Starmer-Anschlag auf
Eine gemeinsame Untersuchung von BBC und der Organisation Hope not Hate kommt zu dem Ergebnis, dass hinter den Brandanschlägen auf Eigentum des damaligen britischen Premierministers Keir Starmer und einer Serie antimuslimischer Graffiti-Anschläge auf Moscheen in London ein und dasselbe russische Agentennetzwerk stand. Per Telegram angeworbene Ukrainer — darunter Ilya Bilyk, der am Donnerstag in fünf Fällen rassistisch und religiös motivierter Sachbeschädigung in Großbritannien geständig aussagte — sollen die Taten im Auftrag einer Person mit den Initialen „EL" ausgeführt haben, die die BBC als den russischen Diplomaten Yevheniy Liukshin identifiziert.
Das Wichtigste
- Ilya Bilyk (21) gestand am 18. September vor dem Thames Magistrates' Court in fünf Fällen rassistisch und religiös motivierter Sachbeschädigung schuldig.
- Im Januar 2025 besprühte Bilyk Moscheen und Gebäude islamischer Organisationen in Ost-London, darunter die Stratford Islamic Association, die Al-Birr-Moschee und die Leyton Jamia Masjid.
- Bilyk wurde nach eigenen Angaben über Telegram von einem russischsprachigen Auftraggeber für Geld rekrutiert, der die Ziele benannte.
- Ein Urteil im Fall Bilyk wird am 19. Oktober vor dem Stratford Magistrates' Court erwartet.
- Im Juni 2026 (nach Angaben mehrerer ukrainischer Quellen; eine weitere datiert auf Juni 2025) wurden die Ukrainer Roman Lavrynovych und Stanislav Karpiuk wegen des Anschlags auf Starmer-bezogenes Eigentum verurteilt; Lavrynovych erhielt sieben Jahre Haft.
- BBC und Hope not Hate machen eine Person mit den Initialen „EL" für die Koordination verantwortlich; die BBC identifiziert sie als den russischen Diplomaten Yevheniy Liukshin, der laut BBC von russischen Geheimdienst-Offizieren in "Informationskriegsführung" ausgebildet wurde.
- Laut Financial Times war der Account, der Lavrynovych rekrutierte, mit der prorussischen Hackergruppe NoName057(16) verknüpft, die von den USA als „staatsnahes Projekt Russlands" eingestuft wurde.
Warum es wichtig ist
Die Untersuchung verbindet zwei in Großbritannien bekannt gewordene Vorfallsreihen — den Brandanschlag auf das damalige Premierminister Starmer zugeordnete Objekte und antimuslimische Schmierereien an Moscheen — mit einem gemeinsamen russischen Agentennetzwerk. Sie zeigt, wie Moskau nach den Erkenntnissen der Journalisten über Telegram und die erfundene rechtsextreme Tarnorganisation Direct Action UK Sabotage und Provokationen an schlecht bezahlte ausländische Ausführer auslagerte. Mit der Benennung des Diplomaten Yevheniy Liukshin als mutmaßlichem Koordinator liefert der Bericht konkrete Hinweise auf eine staatliche Steuerung der Operation.
Was geschehen ist
BBC und die Organisation Hope not Hate haben nach eigenen Angaben herausgefunden, dass hinter der Serie antimuslimischer Vorfälle an Moscheen in London und dem Anschlag auf Objekte im Umfeld des damaligen Premierministers Keir Starmer ein einheitliches russisches Agentennetzwerk steht. Am 18. September bekannte sich der 21-jährige Ukrainer Ilya Bilyk vor dem Thames Magistrates' Court in fünf Fällen rassistisch und religiös motivierter Sachbeschädigung schuldig. Im Januar 2025 hatte er nach britischen Angaben Graffiti an der Stratford Islamic Association, der Al-Birr-Moschee, der Leyton Jamia Masjid, der Grundschule Noor Ul Islam sowie dem Islamic Sharia Council hinterlassen. Er sagte laut Polizei aus, er sei über Telegram von einem Russisch sprechenden Mann für Geld angeworben worden, der die Ziele auswählte und ihn nach erledigter Arbeit bezahlte. Fotos der Graffiti wurden demnach im Telegram-Kanal der Direct Action UK veröffentlicht, einer erfundenen rechtsextremen Gruppe, die als Tarnung für russische Operationen in Großbritannien diente. Im Juni — nach Angaben mehrerer ukrainischer Quellen 2026, einer weiteren 2025 — wurden die Ukrainer Roman Lavrynovych und Stanislav Karpiuk in der Starmer-Affäre verurteilt; Lavrynovych erhielt sieben Jahre Haft. Beide waren laut Financial Times ebenfalls über Telegram rekrutiert worden. Auch Lavrynovych war nach Erkenntnissen der BBC an antimuslimischen Graffiti an einem Gebäude einer muslimischen Gemeinde im Süden Londons beteiligt. Als zentralen Koordinator sehen die Investigativreporter eine Person mit den Initialen „EL", die die BBC als den russischen Diplomaten Yevheniy Liukshin identifiziert; dessen persönliche Daten sollen mit denen von „EL" übereinstimmen. Die Financial Times berichtete zudem, der Account, der Lavrynovych rekrutiert habe, sei mit der prorussischen Hackergruppe NoName057(16) verknüpft, die von den USA als „Russian state-sanctioned project" gelistet wird. Ein Urteil im Fall Bilyk wird am 19. Oktober vor dem Stratford Magistrates' Court erwartet.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die in dieser Auswertung verfügbaren Quellen sind ausschließlich ukrainischsprachige Medien. Sie rahmen den Fall als BBC-Investigativbericht, der eine russische Geheimdienst-Rekrutierung ukrainischer Staatsbürger für Sabotageakte im Ausland beleuchtet. Im Vordergrund steht die ukrainische Staatsangehörigkeit der Täter — Ilya Bilyk, Roman Lavrynovych und Stanislav Karpiuk — sowie der Mechanismus der Rekrutierung über russischsprachige Telegram-Kanäle. Mehrere ukrainische Redaktionen heben die von ihnen gesehene Ironie hervor, dass Ukrainer, die über russischsprachige Kanäle angeworben wurden, gegen einen westlichen Regierungschef (Starmer) und gegen muslimische Gemeinden in Großbritannien eingesetzt wurden, und betonen die russische staatliche Verantwortung für diese Ausnutzung ukrainischer Bürger.
Wo die Berichte auseinandergehen
Ukrainische Quellen widersprechen sich hinsichtlich des Datums der Verurteilung von Roman Lavrynovych und Stanislav Karpiuk: Ein Artikel (Nr. 24672) formuliert sie als „im Juni dieses Jahres" und verortet sie damit in 2025, während drei weitere Artikel (24784, 25249 und 25933) ausdrücklich Juni 2026 nennen. Beide Zeitangaben stammen aus dem verfügbaren Material; eine Auflösung des Widerspruchs lässt sich aus der Synthese nicht ableiten.
Hintergrund
Im Januar 2025 besprühte der 21-jährige Ukrainer Ilya Bilyk Moscheen und Gebäude islamischer Organisationen in Ost-London mit antimuslimischen Schriftzügen. Im Juni (in den Quellen teils als 2025, teils als 2026 datiert) wurden die Ukrainer Roman Lavrynovych und Stanislav Karpiuk wegen Verschwörung zur Brandstiftung an Objekten verurteilt, die mit dem damaligen Premierminister Keir Starmer in Verbindung gebracht wurden; Lavrynovych erhielt sieben Jahre Haft und war laut BBC zusätzlich an antimuslimischen Graffiti in Süd-London beteiligt. Sowohl Bilyk als auch Lavrynovych wurden nach den Erkenntnissen von BBC und Hope not Hate über Telegram von einem Russisch sprechenden Auftraggeber mit den Initialen „EL" rekrutiert, den die BBC als den russischen Diplomaten Yevheniy Liukshin identifiziert — einen Sohn eines hochrangigen russischen Beamten und Absolventen des MGIMO, der laut BBC von Offizieren russischer Geheimdienste in „Informationskriegsführung" geschult wurde. Die Financial Times berichtete, der Account, über den Lavrynovych rekrutiert wurde, sei mit der prorussischen Hackergruppe NoName057(16) verknüpft, die von den USA als „Russian state-sanctioned project" eingestuft ist.