Ukrainische Drohnenangriffe entfachen Brände an Gazprom-Raffinerie in Baschkirien und am Sasta-Werk in Rjasan
In der Nacht zum 8. Oktober haben ukrainische Drohnenangriffe Brände am Ölraffinerie- und Petrochemiekomplex „Gazprom Neftechim Salawat“ in der Republik Baschkirien sowie am Maschinenbauwerk „Sasta“ in Sassowo, Oblast Rjasan, ausgelöst. Auf dem Gelände des Sasta-Werks befindet sich ein Rechenzentrum von Yandex, das nach eigenen Angaben den Betrieb vollständig einstellte. Yandex-Aktien verloren an der Moskauer Börse 3,4 %.
Das Wichtigste
- In der Nacht zum 8. Oktober wurden Brände in der „Gazprom Neftechim Salawat“ in Salawat (Baschkirien) und am Sasta-Werk in Sassowo (Oblast Rjasan) gemeldet.
- Die Salawat-Raffinerie verarbeitet bis zu 10 Mio. t Kohlenwasserstoffe pro Jahr und ist Teil der Gazprom-Gruppe; sie erzeugt über 150 Produktarten, darunter Benzin, Diesel, Heizöl und Bitumen.
- Salawat liegt rund 1.400 km von der ukrainischen Grenze entfernt.
- Das Sasta-Werk produziert CNC-Maschinen und ist laut Berichten in Lieferketten für das taktische Raketensystem Iskander eingebunden; es unterliegt Sanktionen u. a. der USA, Kanadas, der Schweiz, der EU, Großbritanniens, Australiens, Neuseelands und Japans.
- Yandex bestätigte einen Vorfall am „Yandex DC Sassowo“, der den Betrieb des Rechenzentrums vollständig stoppte; Yandex Cloud meldete Stromversorgungsprobleme in einer Verfügbarkeitszone.
- Yandex-Aktien fielen an der Moskauer Börse um 3,4 %.
- Die Salawat-Raffinerie war bereits zuvor angegriffen worden, unter anderem am 24. September 2025, wobei die Primärverarbeitungsanlage ELOT-AWT-6 beschädigt wurde.
Warum es wichtig ist
Der Angriff trifft einen der größten Ölverarbeitungs- und Petrochemiekomplexe Russlands, der wegen seiner Rolle bei der Treibstoffversorgung der russischen Streitkräfte regelmäßig Ziel ukrainischer Drohnen ist. Mit Salawat in etwa 1.400 km Entfernung zur ukrainischen Grenze unterstreicht der Schlag die Reichweite ukrainischer Drohnenoperationen tief ins russische Hinterland. Gleichzeitig wurde mit dem Sasta-Werk ein Produzent von CNC-Maschinen getroffen, der in Lieferketten für das Iskander-Raketensystem eingebunden ist und internationalen Sanktionen unterliegt; auf seinem Gelände wurde das Yandex-Rechenzentrum vollständig außer Betrieb gesetzt, was zu Störungen bei Yandex-Cloud-Diensten und einem Kursverfall der Yandex-Aktie um 3,4 % führte.
Was geschehen ist
In der Nacht zum 8. Oktober schlugen ukrainische Drohnen nach übereinstimmenden ukrainischen Medienberichten sowohl die „Gazprom Neftechim Salawat“ in der Republik Baschkirien als auch das Maschinenbauwerk „Sasta“ in der Stadt Sassowo, Oblast Rjasan, wo ein Yandex-Rechenzentrum untergebracht ist. In Salawat wurden am Morgen Explosionen gehört, in der Umgebung des Raffineriekomplexes brach ein Brand aus. Am Sasta-Werk entstand ebenfalls ein Feuer, nachdem der Gouverneur der Oblast Rjasan nach offiziellen Angaben den Abschuss zweier Drohnen und die Entzündung des Dachs eines Unternehmens gemeldet hatte. Yandex bestätigte einen „Vorfall“ am Rechenzentrum „Yandex DC Sassowo“, der zum vollständigen Stillstand des Standorts sowie zu Stromversorgungsproblemen in einer Yandex-Cloud-Verfügbarkeitszone führte; Nutzer meldeten Probleme mit Yandex.Disk, Yandex.Dokumente und weiteren Diensten. Yandex-Aktien gaben an der Moskauer Börse um 3,4 % nach. Genaue Lage und Schadensumfang am Salawat-Komplex waren zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch nicht abschließend geklärt; OSINT-Analysten von Astra stuften den Standort des Brandes anhand von Fotoauswertungen als mehrere Kilometer von der Stadt entfernt im Bereich der Raffinerie ein.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle vorliegenden Quellen sind ukrainische Medien und schreiben die Angriffe einheitlich den ukrainischen Streitkräften zu. Sie rahmen den Schlag gegen die Salawat-Raffinerie als Fortsetzung der Maßnahmen zur Schwächung der Treibstoffversorgung der russischen Armee und den Angriff auf Sasta als Schlag gegen den russischen militärisch-industriellen Komplex. Hervorgehoben werden die strategische Bedeutung des Werks – Rolle bei der Kraftstoffversorgung der russischen Streitkräfte, Einbindung in die Iskander-Produktionskette, Sanktionsstatus unter mehreren westlichen Jurisdiktionen – sowie die Entfernung von rund 1.400 km zur ukrainischen Grenze als Beleg für die Reichweite ukrainischer Drohnen. Einige Ausgaben zitieren den ukrainischen Experten Mychajlo Hontschar (Zentrum für Globalistik „Strategie XXI“), der eine Ausweitung des Drucks auf die gesamte russische Erdöllogistik – Pipelines, Tanks, Tanker und Häfen – fordert.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die ukrainischen Quellen widersprechen sich bei der Jahresangabe früherer Brände an der Salawat-Raffinerie: Einige schreiben die Angriffe vom 14. Juli und vom 13. August dem Jahr 2025 zu, andere dem Jahr 2026.
Hintergrund
Die Salawat-Raffinerie ist in den vergangenen Monaten mehrfach von Drohnen getroffen worden. Bei einem Angriff am 24. September 2025 wurde die Primärverarbeitungsanlage ELOT-AWT-6 beschädigt, nach Angriffen im Juli und im August wurde über Brände und eine vollständige Unterbrechung der Ölverarbeitung berichtet. Das Yandex-Rechenzentrum „Yandex DC Sassowo“ ist seit 2014 auf dem früheren Gelände des Sasta-Werks in Betrieb und verfügt über eine angegebene Leistung von bis zu 12 MW sowie Infrastruktur für Zehntausende Server. Sasta stellt CNC-Dreh- und Fräsmaschinen, Fünf-Achs-Bearbeitungszentren und andere Ausrüstung her und hat nach Berichten spezialisierte Maschinen an Unternehmen der Korporation „Taktische Raketenbewaffnung“ und an Roskosmos geliefert. Die Telegram-Kanäle Exilenova+ und Supernova+ sowie das OSINT-Medium Astra waren die wichtigsten russischsprachigen Quellen für die Meldungen über die Angriffe und die Brände.