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Erste Anklage in der Ukraine nach neuem Gesetz gegen Betrüger-Callcenter – Verdächtige in Stryj festgenommen

Die ukrainische Cyberpolizei und der SBU haben in Stryj, Oblast Lwiw, eine organisierte Gruppe entlarvt, die über Dating-Plattformen mit gefälschten Profilen, Stimmverzerrer-Software und versteckter Fernwartungssoftware (RAT) an Online-Banking-Zugänge von ukrainischen und EU-Bürgern gelangte. Drei Männer wurden festgenommen; es ist die erste Anklage nach dem im September 2026 in Kraft getretenen neuen Artikel 255-4 des Strafgesetzbuchs zur Bekämpfung betrügerischer Callcenter.

Das Wichtigste

  • Festnahme in Stryj, Oblast Lwiw: drei Männer, davon zwei 23-Jährige und ein 21-Jähriger
  • Vorgehen: gefälschte Dating-Profile, Stimmverzerrer-Software (Männerstimme zu Frauenstimme), mit RAT versteckte Foto-Dateien und Bildschirmfreigabe-Tricks
  • Ziel des Angriffs: Umgehung der Zwei-Faktor-Authentifizierung und Abhebung von Geldern über Online-Banking
  • Erstmals in der Ukraine Anklage nach dem neuen Artikel 255-4 des Strafgesetzbuchs zu Betrüger-Callcentern, in Kraft seit September 2026
  • Beschlagnahmt: über 1,2 Mio. Hrywnja Bargeld, Devisen im Wert von über 800.000 Hrywnja, Computer, Dutzende Smartphones und SIM-Karten, Kryptowallet
  • Strafrahmen der Vorwürfe (Art. 255-4, Art. 190, Art. 361 des Strafgesetzbuchs): bis zu 15 Jahre Haft
  • Laut SBU zwischen Juli und September 2026 insgesamt 60 Betrüger-Callcenter aufgedeckt und stillgelegt

Warum es wichtig ist

Es ist die erste Anwendung des im September 2026 in Kraft getretenen Artikels 255-4 des ukrainischen Strafgesetzbuchs, der eigens für die Betreiber betrügerischer Callcenter geschaffen wurde – ein Lackmustest für die neue Norm. Die Gruppe agierte grenzüberschreitend: ukrainische Bürger und im EU-Ausland lebende Ukrainer in Polen, Tschechien, Deutschland und Georgien gehörten zu den Opfern. Die Behörden stellten rund 2 Mio. Hrywnja sowie Geräte, SIM-Karten und ein Kryptowallet sicher, was das Ausmaß des Netzwerks verdeutlicht. Laut SBU reiht sich der Fall in eine breitere Kampagne ein, in der zwischen Juli und September 2026 insgesamt 60 Betrüger-Callcenter zerschlagen worden sein sollen.

Was geschehen ist

Am 14. Oktober 2026 vermeldeten die ukrainische Cyberpolizei, der SBU und die regionale Staatsanwaltschaft Lwiw die Zerschlagung eines organisierten Betrüger-Callcenters in der Stadt Stryj. Den Ermittlungen zufolge suchten die Täter ihre Opfer auf Dating-Plattformen, erstellten gefälschte weibliche Profile und traten in schriftlichen und telefonischen Kontakt. Während Gesprächen mit Männern kam Software zum Einsatz, die die Stimme in Echtzeit von männlich in weiblich umwandelte. Nach dem Aufbau eines Vertrauensverhältnisses wurde ein vermeintliches Foto verschickt, das im Hintergrund ein Remote-Administration-Tool (RAT) enthielt; öffnete das Opfer die Datei, erhielten die Täter heimliche Kontrolle über das Gerät und konnten die Zwei-Faktor-Authentifizierung beim Online-Banking umgehen. Wenn die Opfer meldeten, dass das Foto nicht zu öffnen sei, wurden sie zur Bildschirmfreigabe und zu bestimmten Einstellungen am Smartphone gedrängt, wobei Passwörter und weitere vertrauliche Daten abgegriffen wurden. Die erbeuteten Gelder leiteten die Mitglieder auf eigene Konten weiter, konvertierten sie in Kryptowährung und ließen sie über einen illegalen Wechselstubenpunkt in bar auszahlen. Die unmittelbaren Ausführenden erhielten 15 Prozent der Beute, die Organisatoren 85 Prozent. Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens fanden neun Durchsuchungen statt, darunter an den Wohnsitzen der Verdächtigen und an einer Kryptobörse. Die Polizei beschlagnahmte Computerausrüstung, Speichermedien, Bankkarten, Dutzende Smartphones und SIM-Karten, ein Kryptowallet, handschriftliche Aufzeichnungen sowie über 1,2 Mio. Hrywnja Bargeld und Devisen (US- und kanadische Dollar, Euro, tschechische Kronen, Zloty, Schweizer Franken und weitere) im Wert von über 800.000 Hrywnja. Drei Männer – zwei 23-jährige Bewohner von Stryj und ihr 21-jähriger Bekannter – wurden festgenommen. Ihnen wurde nach den Teilen 1 und 2 des neuen Artikels 255-4 (Bildung, Leitung oder Teilnahme an einer organisierten Gruppe zur Begehung von Betrug über elektronische Kommunikation), Teil 5 des Artikels 190 (Betrug) und Teil 5 des Artikels 361 (unbefugter Eingriff in den Betrieb von Informations- und Telekommunikationssystemen) des Strafgesetzbuchs der Ukraine der Verdacht eröffnet. Die Strafandrohung beträgt bis zu 15 Jahre Freiheitsentzug. Nach vorläufigen Angaben wurden mindestens 50 ukrainische und 30 ausländische Staatsbürger geschädigt.

Wo die Berichte auseinandergehen

Über das Datum der Unterzeichnung des Gesetzes zur strafrechtlichen Verantwortlichkeit für Betrüger-Callcenter durch Präsident Wolodymyr Selenskyj widersprechen sich die Quellen: Hromadske Radio nennt den 16. September, Radio Swoboda den 17. September. Über die wesentlichen Punkte des Falls – das Vorgehen, die Beschlagnahmungen und die Festnahmen – berichten die Quellen übereinstimmend.

Hintergrund

Im September 2026 trat in der Ukraine der neue Artikel 255-4 des Strafgesetzbuchs in Kraft, der nach der Unterzeichnung durch Präsident Wolodymyr Selenskyj gezielt die Betreiber betrügerischer Callcenter unter Strafe stellt. Vorausgegangen war eine Welle von Betrugsfällen, bei denen über Dating-Seiten mit gefälschten Profilen, Stimmverzerrer-Software und Remote-Administration-Tools die Zwei-Faktor-Authentifizierung beim Online-Banking umgangen und Konten geplündert wurden.