Korruptionsoperation „Karthago“: Fünf Verdächtige – darunter hochrangige Sicherheits- und Polizeibefehlshaber
Ukrainische Antikorruptionsbehörden haben im Rahmen der Operation „Karthago“ eine kriminelle Organisation aufgedeckt, die offenbar hochrangige Beamte der Sicherheitsbehörde, der Nationalpolizei und der Generalprokuratur für die Absicherung krimineller Geschäfte bestochen hat. Fünf Beteiligte wurden verdächtigt; mehrere Festnahmen, Hausarreste und Amtsentlassungen folgten. Bei der Durchsuchung eines ehemaligen SBU-Generals kam es beinahe zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den Behörden.
Das Wichtigste
- 4. November: Nationale Antikorruptionsbehörde (NABU) und Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) nahmen hochrangige Beamte der SBU und der Nationalpolizei fest.
- 5. November: Fünf Teilnehmer der kriminellen Organisation wurden unter Prozessaufsicht der SAP verdächtigt.
- Das mutmaßliche Organisatorenprofil nennt Andrei Osipow, in den NABU-Materialien als „Kriminal“ bezeichnet.
- Die Organisation soll Schaheer-Callcenter, Drogenhandel, die Herstellung gefälschter Zigaretten und ausländischer Währung sowie Angriffe und Entführungen ermöglicht haben.
- SBU-Generalsekretär Serhij Duka wurde nach einem fast bewaffneten Zusammenstoß während der Durchsuchung seiner Villa festgenommen.
- Untersuchungen zufolge erhielt Duka vier Kryptowährungs-Wallets mit einem Gesamtwert von rund drei Millionen US-Dollar.
- Der Waffenbesitzer des Transnationalen Drogenkartells „Chimprom“, Jegor Burkin alias „Mexikaner“, soll den damaligen Innenminister Ihor Klymenko bestechen wollen.
- Am 5. November wurde Wolodymyr Tsenow unter Hausarrest mit einer möglichen Kaution von 15 Millionen UAH gestellt; Vitalij Rybalko erhielt Hausarrest ohne bestimmte Kaution.
Warum es wichtig ist
Die Operation deckt nach Darstellung der Ermittler Verbindungen zwischen organisiertem Verbrechen und hochrangigen Funktionären der SBU, der Nationalpolizei und der Generalprokuratur auf. Die angeblichen Schmiergeld- und Einflussnetze ermöglichten mehrere illegale Geschäftsmodelle, darunter Drogenhandel, betrügerische Callcenter, gefälschte Zigaretten und ausländische Währung. Die Auseinandersetzung während der Durchsuchung von Serhij Dukas Villa wirft außerdem Fragen zur Kooperation und zum Informationsaustausch zwischen den ukrainischen Sicherheits- und Antikorruptionsbehörden auf. Zu den Folgen gehören Festnahmen, verschärfte Maßnahmen, Amtsentlassungen sowie der Rücktritt und die Entlassung des Generalprokurors.
Was geschehen ist
Am 4. November führten NABU und SAP im Rahmen der Spezialoperation „Karthago“ Durchsuchungen bei hochrangigen Beamten der SBU und der Nationalpolizei durch. Am 5. November wurden fünf Teilnehmer der aufgedeckten kriminellen Organisation unter der Prozessaufsicht der SAP verdächtigt. Nach Darstellung der Ermittler organisierte Andrei Osipow, der in den Materialien als „Kriminal“ bezeichnet wird, ein Netzwerk, in das aktuelle hochrangige Beamte der SBU, der Generalprokuratur und der Nationalpolizei sowie Vertreter des kriminellen Milieus eingebunden waren. Die Organisation soll die reibungslose Tätigkeit von Schaheer-Callcentern ermöglicht, Drogen vertrieben, gefälschte Zigaretten und ausländische Währung hergestellt sowie Angriffe, Entführungen und Körperverletzungen begangen haben.
Bei der Durchsuchung des suburbanen Wohnhauses von SBU-Generalsekretär Serhij Duka in der Oblast Kyiv handelten die NABU-Ermittler auf Grundlage eines rechtmäßigen Gerichtsbeschlusses. Nach Angaben des NABU studierten Sicherheitskräfte die Positionen der Ermittler, um einen Angriff abzuwehren und Duka zu evakuieren. Unbekannte richteten eine Waffe mit Laservisier auf einen NABU-Spezialagenten und drohten, das Feuer zu eröffnen. In den Fenstern des Hauses standen zwei bewaffnete SBU-Kämpfer mit Automatengewehren; Duka erschien mit einer Pistole am Fenster des Obergeschosses. Er zerstörte zwei Mobiltelefone und eine Festplatte mit einem Hammer. Drei Kleinbusse mit bewaffneten Angehörigen des SBU-Spezialkommandos „Alpha“ trafen ein. Nach längeren Verhandlungen und dem Eintreffen von Dukas Anwälten wurde ein Schusswechsel vermieden und Duka festgenommen. Die Ermittler dokumentierten außerdem die Übergabe von vier Kryptowährungs-Wallets im Wert von rund drei Millionen US-Dollar an den General. Nach der Version des Verfahrens wollte Duka das Geld über die Generalprokuratur einsetzen, um die Sperre von Geldern des Kartells „Chimprom“ aufzuheben.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainische Berichterstattung richtet den Fokus auf die institutionellen Folgen in der SBU, der Nationalpolizei und der Generalprokuratur. Im Mittelpunkt stehen Festnahmen, Dienstsuspensionen, Amtsentlassungen sowie der Abgang des Generalprokurors. Zudem wird die breite alleged Verflechtung zwischen organisiertem Verbrechen und amtlichen Funktionären hervorgehoben. Kommentare von Daria Kaleniuk und Yuliia Zabelina stellen die Operation als Beleg für systemische Verbindungen zwischen Topbeamten, Sicherheitsorganen und organisierter Kriminalität dar und erwarten weitere Verdächtige.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die meisten Berichte schildern den Anführer von „Chimprom“ als Mann, der einen möglichen Underhand mit Ihor Klymenko erörterte, und betonen, dass es keinen direkten Kontakt zwischen ihnen gab. Eine anfängliche Schlagzeile stellte Klymenko selbst als Ziel dar; spätere Angaben in derselben Berichterstattung präzisierten, dass die Verdächtigen nicht mit ihm kommunizierten.
Hintergrund
Die Operation „Karthago“ hatte zuvor eine Gruppe aufgedeckt, die nach Angaben der Ermittler systematisch Bestechungsgelder von betrügerischen Callcentern annahm und die Erlöse wusch. Eine weitere, von Serhij Kropyva angeführte Gruppe soll Mitte 2025 entstanden sein und amtliche Staatsanwälte sowie informelle Kontakte einbezogen haben. Das erweiterte Verfahren betrifft alleged nicht ordnungsgemäße Vorteile für hochrangige Beamte der Strafverfolgungsbehörden und der Staatsanwaltschaft im Austausch gegen die Absicherung illegaler Aktivitäten.