Höchste Antikorruptionsgericht: Haft für Ivakhnenko in „Karthago"-Fall mit 20 Mio. Hrywnja Kaution
Das Höchste Antikorruptionsgericht (ВАКС) hat am 7. September 2026 gegen Yelyzaveta Ivakhnenko, Verdächtige im „Karthago"-Verfahren von NABU und SAP, Haft bis zum 2. November mit der Alternative einer Kaution von 20 Mio. Hrywnja angeordnet. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte 50 Mio. Hrywnja gefordert. Ivakhnenko wird beschuldigt, den mutmaßlichen Organisator Serhij Kropywa beim Waschen krimineller Erlöse unterstützt zu haben. Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko wies jede Verwicklung zurück.
Das Wichtigste
- ВАКС ordnete am 7. September Haft gegen Yelyzaveta Ivakhnenko bis 2. November an, mit Kaution in Höhe von 20 Mio. Hrywnja anstelle der von der SAP beantragten 50 Mio. Hrywnja.
- Ivakhnenko (Deckname „Muza") ist 24 Jahre alt und laut Ermittlungen mit dem Hauptverdächtigen Serhij Kropywa liiert; ihr wird Beihilfe zur Geldwäsche (Art. 209 StGB Ukraine) zur Last gelegt.
- Kropywa, stellvertretender Leiter der internationalen Abteilung im Büro des Generalstaatsanwalts (Deckname „Kanzler"), wurde am 6. September in Haft genommen; seine Kaution beträgt 120 Mio. Hrywnja.
- NABU und SAP hatten am 4. September die Operation „Karthago" angekündigt; fünf Beschuldigte werden unter Art. 255 und Art. 209 StGB Ukraine geführt, was bis zu 15 Jahren Haft bedeutet.
- Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko erklärte, nicht in den Fall verwickelt zu sein; er suspendierte Kropywa und leitete dessen Entlassung in die Wege.
- Bei Durchsuchungen im Büro des Generalstaatsanwalts wurden laut Staatsanwalt 50.000 US-Dollar am Arbeitsplatz eines Mitarbeiters sowie Schmuck und eine teure Uhr bei der Ersten Stellvertreterin gefunden.
- Auf Tonaufnahmen wird eine Figur „Shef" erwähnt, die früher die Steuerbehörde geleitet haben soll; Krawtschenko stand dieser von Dezember 2024 bis Juni 2025 vor.
Warum es wichtig ist
Der Fall trifft die Generalstaatsanwaltschaft, eine Schlüsselinstitution im ukrainischen Antikorruptionssystem. NABU-Aufnahmen werfen einem Mitarbeiter des OGP vor, ein Netzwerk betrügerischer Call-Center „gedeckt" und Erlöse gewaschen zu haben – gegen monatliche Zahlungen von 20.000 bis 24.000 US-Dollar. Die Durchsuchungen in den Diensträumen des Generalstaatsanwalts in der Nacht zum 5. September und dessen Vorladung in den parlamentarischen Rechtsausschuss verdeutlichen das Ausmaß der Krise. Indem das Gericht die von der SAP beantragte Kaution von 50 auf 20 Mio. Hrywnja senkte, signalisierte es zugleich eine Kontrolle der Ermittlungsbehörden in diesem hochpolitischen Verfahren.
Was geschehen ist
Am 7. September 2026 wählte das Höchste Antikorruptionsgericht der Ukraine (ВАКС) eine präventive Maßnahme für Yelyzaveta Ivakhnenko im „Karthago"-Verfahren: Haft bis zum 2. November mit der Alternative einer Kaution von 20 Mio. Hrywnja, obwohl die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) 50 Mio. Hrywnja beantragt hatte. Die 24-jährige Ivakhnenko wird unter dem Decknamen „Muza" geführt; die Anklage lautet auf Beihilfe zur Geldwäsche gemäß Art. 209 des ukrainischen Strafgesetzbuchs. Laut Ermittlern half sie dem Hauptverdächtigen Serhij Kropywa, stellvertretender Leiter der internationalen Abteilung im Büro des Generalstaatsanwalts, illegale Erlöse zu legalisieren – unter anderem durch die Eintragung von Immobilien und die Einrichtung von FOP-Konten (Einzelunternehmer) auf Verwandte. Im Fall sind fünf Verdächtige identifiziert (Art. 255 und 209 StGB, bis zu 15 Jahre Haft). Kropywa wurde bereits am 6. September in Haft genommen; gegen ihn wurde eine Kaution von 120 Mio. Hrywnja festgesetzt. Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko wies jede Verwicklung zurück, suspendierte Kropywa und ordnete dessen Entlassung an. Bei Durchsuchungen im OGP fanden Staatsanwälte 50.000 US-Dollar am Arbeitsplatz eines Mitarbeiters sowie Schmuck und eine teure Uhr bei Krawtschenkos Erster Stellvertreterin. NABU-Aufnahmen erwähnen eine Figur „Shef" – einen früheren Leiter der Steuerbehörde, den Kommentatoren mit Krawtschenko in Verbindung bringen, der diese Position von Dezember 2024 bis Juni 2025 innehatte.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainische Berichterstattung stellt die institutionelle Krise im Büro des Generalstaatsanwalts in den Mittelpunkt. Ausführlich werden die nächtlichen Durchsuchungen bei Krawtschenko, dessen Vorladung in den parlamentarischen Rechtsausschuss sowie Fragen zur Integrität der Staatsanwaltschaft selbst behandelt. Der Politologe Ihor Rejterowytsch argumentiert, das OGP habe faktisch die Echtheit der NABU-Aufnahmen eingeräumt – die Berichterstattung deutet den Fall entsprechend als Aufdeckung systemischer Missstände. Detailliert werden Ivakhnenkos persönlicher Hintergrund (Luxusauto, Wohnungen in Odessa und im Kiewer Stadtteil Petschersk, akademische Position an der Juristischen Akademie Odessa) sowie die Behauptung der Staatsanwaltschaft wiedergegeben, sie habe eine Stelle als stellvertretende Bildungsministerin angestrebt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Über das Enddatum der Haft für Ivakhnenko besteht Uneinigkeit: Einige Quellen nennen den 2. November 2025, während der ermittelnde Richter den 2. November 2026 anführt. Ukrainische Prawda berichtete unter Berufung auf Quellen, Krawtschenko sei nach Beginn der Operation „Karthago" verschwunden – das Büro des Generalstaatsanwalts wies dies zurück. Die Herkunft des veröffentlichten Fotos eines geöffneten Tresors mit Bargeld ist ebenfalls umstritten: SAP-Staatsanwalt Mykola Karas erklärte, es stamme aus „Karthago" und der Tresor sei nicht in den OGP-Räumen gefunden worden; Verteidiger Vitalij Serdjuk erklärte hingegen, das Bild gehöre zu einem separaten „Land"-Verfahren.
Hintergrund
Operation „Karthago" wurde von NABU und SAP am 4. September 2025 angekündigt; fünf Verdächtige wurden unter Art. 255 und 209 des ukrainischen Strafgesetzbuchs identifiziert, die Strafrahmen bis zu 15 Jahren vorsehen. Hauptverdächtiger ist Serhij Kropywa, stellvertretender Leiter der internationalen Abteilung im Büro des Generalstaatsanwalts (Deckname „Kanzler"); er wurde am 6. September mit einer Kaution von 120 Mio. Hrywnja in Haft genommen. Den Ermittlern zufolge stand Ruslan Krawtschenko der Steuerbehörde von Dezember 2024 bis Juni 2025 vor; NABU-Aufnahmen beziehen sich auf eine Figur „Shef", die früher die Steuerbehörde geleitet haben soll und von Kommentatoren mit Krawtschenko in Verbindung gebracht wird. Am 2. September 2025 hatte Präsident Selenskyj der Werchowna Rada zwei Gesetzentwürfe zur Verschärfung der Haftung für die Organisation betrügerischer Call-Center vorgelegt.