5 September 2026 · Aktualisiert am 5 September 2026

NABU und SAP zerschlagen mutmaßlich von OGP-Beamten geführte kriminelle Organisation

Die ukrainische Antikorruptionsbehörde NABU und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) haben eine kriminelle Organisation aufgedeckt, die nach Ermittlungsangaben von einem ranghohen Beamten der Generalstaatsanwaltschaft geleitet wurde. Die Teilnehmer sollen systematisch Bestechungsgelder von betrügerischen Callcentern kassiert und die erlangten Mittel in Höhe von mehreren Dutzend Millionen Hrywnja über Immobilien, Schmuck und Bankkonten nahestehender Personen gewaschen haben. Bislang wurden fünf Mitglieder der Organisation enttarnt; die Ermittlungen dauern an.

Das Wichtigste

  • Ermittelt wird im Rahmen der Operation „Carthage" (Карфаген) der NABU und SAP.
  • Die kriminelle Organisation wurde nach Angaben der Ermittler Mitte 2025 vom mutmaßlichen Anführer gegründet, der im August 2025 auf seine Führungsposition berufen worden sein soll.
  • Teilnehmer waren demnach aktuelle Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft sowie Personen aus deren Umfeld.
  • Die Gruppe soll systematisch Bestechungsgelder von betrügerischen Callcentern für die Nichtbehinderung deren Tätigkeit kassiert haben; Opfer waren Bürger der Ukraine und Ausländer.
  • Über 20 Mio. Hrywnja wurden für Immobilien, Schmuck und andere Wertgegenstände ausgegeben.
  • Der Anführer soll Vermögenswerte im Marktwert von über 12 Mio. Hrywnja – darunter Immobilien in einem Apartmentkomplex nahe den Karpaten – auf Dritte umgeschrieben haben.
  • Über 10 Mio. Hrywnja wurden auf Bankkonten nahestehender Personen unter dem Deckmantel von Geschäftseinkünften platziert.
  • Fünf Teilnehmer wurden bislang identifiziert; der Fall wird vorläufig nach Art. 255 (Bildung und Leitung einer kriminellen Organisation) und Art. 209 (Geldwäsche) des ukrainischen Strafgesetzbuchs qualifiziert.
  • Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte, den betroffenen Mitarbeiter suspendieren und mit den Antikorruptionsbehörden kooperieren zu wollen.

Warum es wichtig ist

Der mutmaßliche Organisator ist ein leitender Beamter der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft – jener Behörde, die eigentlich die Aufsicht über die Strafverfolgung innehat. Das Verfahren betrifft den Schutz betrügerischer Callcenter, die ukrainische und ausländische Bürger geschädigt haben. Die Beteiligten sollen Dutzende Millionen Hrywnja über Immobilien, Schmuck und Konten nahestehender Personen gewaschen haben. Mit der Veröffentlichung von Mitschnitten durch NABU und SAP handelt es sich um eine öffentlich inszenierte Großoperation. Der Fall ist nach den Artikeln zu kriminellen Organisationen und Geldwäsche qualifiziert; die Ermittlungen werden ausgeweitet.

Was geschehen ist

Die Antikorruptionsbehörde NABU und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) haben am 5. September 2026 die Aufdeckung einer kriminellen Organisation im Rahmen der Operation „Carthage" (Карфаген) bekannt gegeben. Nach Ermittlungsangaben wurde die Organisation Mitte 2025 von einem ranghohen Beamten der Generalstaatsanwaltschaft gegründet, der im August 2025 auf seine Führungsposition berufen worden sein soll. Neben aktuellen Mitarbeitern der Staatsanwaltschaft waren demnach auch nicht-offizielle Personen aus dem Umfeld des Anführers eingebunden. Die Teilnehmer sollen systematisch Bestechungsgelder von betrügerischen Callcentern für die Nichtbehinderung deren Tätigkeit erhalten haben; als Opfer der Callcenter werden sowohl ukrainische Bürger als auch Ausländer genannt. Über 20 Mio. Hrywnja wurden nach Ermittlungsangaben für Immobilien, Schmuck und andere Wertgegenstände ausgegeben. Der Anführer soll Vermögenswerte im Marktwert von über 12 Mio. Hrywnja – darunter eine Immobilie in einem Apartmentkomplex nahe den Karpaten – auf Dritte umgeschrieben haben; weitere über 10 Mio. Hrywnja seien auf Bankkonten nahestehender Personen unter dem Vorwand von Geschäftseinkünften platziert worden. Bislang wurden fünf Teilnehmer identifiziert. Nach Quellen der „Ukrajinska Prawda" wurde unter anderem Serhij Kropywa, stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Rechtszusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft, festgenommen; die Generalstaatsanwaltschaft wies indes Berichte über Durchsuchungen bei Generalstaatsanwalt Ruslan Kravtschenko zurück. Der Fall ist vorläufig nach Art. 255 (Bildung, Leitung und Teilnahme an einer kriminellen Organisation) und Art. 209 (Geldwäsche) des ukrainischen Strafgesetzbuchs qualifiziert; die Ermittlungen zur Identifizierung weiterer möglicher Teilnehmer dauern an.

Wo die Berichte auseinandergehen

Nach Quellen der „Ukrajinska Prawda" führten NABU und SAP Durchsuchungen bei Generalstaatsanwalt Ruslan Kravtschenko, dessen Stellvertreterin Marija Wdowytschenko und dem Leiter der Oblast-Verwaltung Odessa, Oleh Kiper, durch; die Generalstaatsanwaltschaft wies Informationen über Durchsuchungen bei Kravtschenko öffentlich zurück. In den von NABU veröffentlichten Videomaterialien werden die Beschuldigten mit unterschiedlichen Spitznamen bezeichnet: teils als „Канцлер" und „Шеф" (Boss/Chef), teils als „Канцлер" und „Муза" (Muse).

Hintergrund

Die Operation trägt den Decknamen „Карфаген" (Carthage). Nach Ermittlungsangaben wurde die kriminelle Organisation Mitte 2025 gegründet; der mutmaßliche Anführer wurde im August 2025 auf seine Führungsposition berufen.