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NABU nimmt OGP-Mitarbeiter fest: Anti-Korruptionsbehörden beschuldigen Vertrauten des Generalstaatsanwalts

Die ukrainischen Anti-Korruptionsbehörden NABU und SAP haben im Rahmen der Operation „Karthago" einen leitenden Mitarbeiter der Generalstaatsanwaltschaft, Serhij Kropywa, festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung geleitet zu haben, die betrügerische Callcenter schützte und Erlöse wusch. Bei der Haftprüfung vor dem HACC trug die Staatsanwaltschaft Mitschnitte vor, die Kropywa als „Vertrauensperson" von Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko darstellen sollen. Krawtschenko wies jede Verwicklung zurück, versetzte den Mitarbeiter und ordnete interne Prüfungen an.

Das Wichtigste

  • Am 4. September 2025 haben NABU und SAP die Operation „Karthago" bekannt gegeben: Eine vom OGP-Mitarbeiter Serhij Kropywa geleitete Organisation soll von Callcentern Bestechungsgelder kassiert und gewaschen haben.
  • Kropywa ist nach NABU-Angaben stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft und steht im Dienst seit August 2025; in den Akten führt er den Decknamen „Kanzler".
  • Am 6. September 2025 hat der HACC Kropywa in Untersuchungshaft genommen mit einer alternativen Kaution von 120 Mio. UAH; die SAP-Staatsanwaltschaft hatte 200 Mio. UAH beantragt.
  • Bei der Haftprüfung trug die Staatsanwaltschaft Mitschnitte vor: Kropyva soll Reparaturen am Haus in Kosyn organisiert, eine US-Visa für Krawtschenkos Ehefrau beschafft und dessen Geburtstagsfeier in Madrid mit Hotels und Restaurantbuchungen geplant haben.
  • NABU und SAP führten nach eigenen Angaben sowie nach Quellen der Ukrajinska Prawda nächtliche Durchsuchungen in Diensträumen der OGP-Spitze sowie bei Krawtschenko, seiner Stellvertreterin Marija Wdowytschenko und dem Leiter der Odesaer OVA Oleh Kiper durch.
  • Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko wies am 6. September jeden Zusammenhang mit der Deckung illegaler Callcenter zurück, versetzte den Mitarbeiter und ordnete eine Überprüfung der Abteilung sowie Polygraphentests an.
  • Anti-Korruptions-NGOs (TsPK) werten die Höhe der Kaution und die Durchsuchungen im Umfeld des Generalstaatsanwalts als Signal für den Ernst des Verfahrens.

Warum es wichtig ist

Der Fall reicht bis ins unmittelbare Umfeld des ukrainischen Generalstaatsanwalts: Die Ermittler bezeichnen den Beschuldigten als dessen „Vertrauensperson" und präsentieren Mitschnitte privater Absprachen – von der Hausrenovierung in Kosyn über eine US-Visa für die Ehefrau bis zur Geburtstagsfeier in Madrid. NABU und SAP werfen der Gruppe vor, systematisch Bestechungsgelder von betrügerischen Callcentern kassiert und über 20 Mio. UAH in Immobilien und Vermögenswerten verschoben zu haben; fünf Personen wurden nach den Artikeln 255 (Bildung/Leitung einer kriminellen Vereinigung) und 209 (Geldwäsche) des ukrainischen Strafgesetzbuchs angezeigt, denen bis zu 15 Jahre Haft drohen. Die Haftentscheidung des HACC mit einer außerordentlich hohen alternativen Kaution von 120 Mio. UAH sowie Durchsuchungen bei Krawtschenko selbst, seiner Stellvertreterin und dem Leiter der Odesaer OVA machen das Verfahren zu einem Lackmustest für die Unabhängigkeit der ukrainischen Anti-Korruptions-Institutionen.

Was geschehen ist

Am 4. September 2025 gaben NABU und SAP die Operation „Karthago" bekannt und nahmen Serhij Kropywa fest, stellvertretenden Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft. Ihm wird die Leitung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, die ab Mitte 2025 systematisch Bestechungsgelder von betrügerischen Callcentern kassiert und die Erlöse gewaschen haben soll; in den Akten führt er den Decknamen „Kanzler". Am 6. September wählte das HACC für Kropywa Untersuchungshaft mit einer alternativen Kaution von 120 Mio. UAH – die SAP-Staatsanwaltschaft hatte 200 Mio. UAH beantragt. Bei der Haftprüfung trug ein SAP-Staatsanwalt Ermittlungsergebnisse vor: Kropywa habe Reparaturen am Haus in Kosyn (Generator, Videoüberwachung, Internet) koordiniert, eine US-Visa für Krawtschenkos Ehefrau beschafft, einen Flug der Ehefrau und Lebensgefährtin nach Spanien vor Krawtschenkos Dienstreise organisiert sowie dessen Geburtstagsfeier in Madrid in einem teuren Hotel mitsamt Restaurantbuchungen geplant. Eine Aufzeichnung vom 4. März 2026 belege, dass Kropywa „unter dem Protektorat des Generalstaatsanwalts" stehe. Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko wies am selben Tag jede Verbindung zu den Vorwürfen zurück, suspendierte den Mitarbeiter und ordnete eine Überprüfung der Abteilung für internationale Zusammenarbeit, der Cybercrime-Einheit sowie Polygraphentests an. Das HACC verhängte im Fall einer Kautionszahlung Auflagen wie Aushändigung der Reisepässe und Kontaktverbot zu Krawtschenko und Wdowytschenko. Die Auswahl eines Präventivmaßnahmens für Kropywas Lebensgefährtin Iwachnenko wurde auf Montag vertagt.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die Berichterstattung stammt ausschließlich aus ukrainischen Quellen – Ukrajinska Prawda, Bihus.Info, ZN.UA, NV, Babel sowie Agenturen wie Interfax-Ukraine und Ukrinform. Im Vordergrund stehen die vor Gericht verlesenen Ermittlungsergebnisse und die Bihus.Info-Recherche zu einem nicht deklarierten, rund 300 m² großen Haus in Kosyn, das Krawtschenko nutzen soll – womit der Korruptionsfall zugleich als Lebensstil-Story über den Generalstaatsanwalt erzählt wird. Krawtschenko kommt mit eigenen Stellungnahmen ausführlich zu Wort; Anti-Korruptions-NGOs wie das TsPK liefern analytischen Kontext zu Kaution und Begleitumständen.

Wo die Berichte auseinandergehen

Uneinheitliche Angaben gibt es zur genauen Position Kropywas (Leiter der Cyberabteilung oder stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der OGP), zu den Durchsuchungen bei Krawtschenko persönlich (anfängliches Dementi der OGP-Sprecherin Hajowska, spätere Bestätigung nächtlicher Maßnahmen in Diensträumen der OGP-Spitze), zum Geburtstag des Generalstaatsanwalts (4. oder 14. März – in jedem Fall fiel die März-Dienstreise 2026 darauf), zu Größe und Status des Hauses in Kosyn (Bihus.Info: rund 300 m², Eigentum einer 73-jährigen Frau; Krawtschenko: 280 m², seit 1. Mai 2026 gemietet) sowie zu einem möglichen „Verschwinden" Krawtschenkos (Medien: über 12 Stunden unauffindbar; Krawtschenko bestreitet dies, ZN.UA-Quellen verorten ihn in der Kiewer Klinik „Dobrobut"). Die beantragte Kaution lag bei 200 Mio. UAH, das Gericht setzte 120 Mio. UAH fest.

Hintergrund

Kropywa arbeitet seit August 2025 in der Generalstaatsanwaltschaft und ist nach Quellen der Ukrajinska Prawda Leiter der OGP-Cyberabteilung beziehungsweise stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit. Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko stand von Dezember 2024 bis Juni 2025 an der Spitze der Staatlichen Steuerbehörde, bevor er zum Generalstaatsanwalt ernannt wurde; seither leitet Lessja Karnauch die STS kommissarisch. In den Akten wird zudem ein früherer STS-Chef unter den Decknamen „Boss" bzw. „Andrijowytsch" als Figur mit anhaltendem Einfluss auf die Steuerbehörde erwähnt.