Berufungskammer des ukrainischen Antikorruptionsgerichts bestätigt Haft für Ex-Staatsanwalt Kropyva im „Karthago"-Fall
Die Berufungskammer des Obersten Antikorruptionsgerichts (ВАКС) hat am 16. September 2026 die Haft für Serhij Kropyva, ehemaliger stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft, im sogenannten „Karthago"-Fall bestätigt. Die Verteidigung hatte gefordert, die alternative Kaution von 120 Millionen Hrywnja auf 2 Millionen Hrywnja zu senken oder Hausarrest mit elektronischer Fußfessel zu verhängen — das Gericht wies die Berufung zurück.
Das Wichtigste
- Berufungskammer des ВАКС bestätigte am 16. September 2026 die Haft für Serhij Kropyva mit alternativer Kaution von 120 Mio. Hrywnja.
- Die Verteidigung hatte beantragt, die Kaution auf 2 Mio. Hrywnja zu senken oder Hausarrest mit Fußfessel anzuordnen — beides wurde abgelehnt.
- Die Entscheidung erster Instanz stammt vom 6. September 2026; die Haft ist bis zum 2. November befristet.
- Kropyva war stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft; auf NABU-Aufnahmen trägt er den Decknamen „Kanzler".
- Die Operation „Karthago" wurde am 4. September 2026 bekannt; Durchsuchungen fanden auch in Räumen statt, die Generalstaatsanwalt Kravchenko nutzt.
- Die Staatsanwaltschaft spricht von legalisierten Vermögenswerten in Höhe von ca. 41,76 Mio. Hrywnja (August 2025–2026) sowie weiteren ca. 40 Mio. Hrywnja (2023–2025) und 505 angeblich „geschützten" Callcentern.
- Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich eine Kaution von 200 Mio. Hrywnja gefordert.
Warum es wichtig ist
Der Fall ist politisch brisant, weil er einen ranghohen Mitarbeiter der Generalstaatsanwaltschaft — der Behörde, die in der Ukraine selbst Korruptionsverbrechen verfolgt — betrifft und im Rahmen der hochrangigen NABU/SAPO-Operation „Karthago" verhandelt wird. Durchsuchungen in Räumen, die Generalstaatsanwalt Kravchenko nutzt, deuten darauf hin, dass die Ermittlungen die Führungsebene der Strafverfolgung selbst erreichen. Die ungewöhnlich hohe alternative Kaution von 120 Millionen Hrywnja unterstreicht nach Darstellung der Staatsanwaltschaft die Schwere der Vorwürfe — Aufbau einer kriminellen Vereinigung, systematische Bestechlichkeit zugunsten betrügerischer Callcenter und Legalisierung der Erträge.
Was geschehen ist
Am 16. September 2026 verhandelte die Berufungskammer des Obersten Antikorruptionsgerichts (ВАКС) die Berufung der Verteidigung von Serhij Kropyva gegen den Haftbeschluss erster Instanz vom 6. September 2026. Die Richter wiesen die Berufung zurück und beließen die Haft mit der Möglichkeit einer Kaution in Höhe von 120 Millionen Hrywnja. Die Verteidigung hatte die Aufhebung der Haft oder zumindest Hausarrest mit elektronischer Fußfessel sowie eine Reduzierung der Kaution auf 2 Millionen Hrywnja beantragt; die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich 200 Millionen Hrywnja gefordert. Kropyva bleibt damit bis zum 2. November 2026 in Untersuchungshaft, sofern die Kaution nicht gestellt wird. Die Entscheidung wurde mit Verkündung sofort rechtskräftig und ist nicht mit Kassation anfechtbar.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainische Berichterstattung stellt den Vorgang als Verfahrensakt des heimischen Antikorruptionsgerichts dar und rückt die Verfahrensdetails der Kautionsauseinandersetzung in den Vordergrund. Betont wird die Integrität der ukrainischen Antikorruptionsinstitutionen NABU, SAPO und ВАКС sowie die Bedeutung des Umstands, dass die Ermittlungen bis in die Generalstaatsanwaltschaft selbst reichen — eine Behörde, die ihrerseits für die Korruptionsverfolgung zuständig ist.
Wo die Berichte auseinandergehen
Strittig ist die Verhältnismäßigkeit der Kaution: Die Verteidigung forderte eine Reduzierung von 120 Mio. auf 2 Mio. Hrywnja und argumentierte, Kropyva habe kein Fluchtrisiko; die Staatsanwaltschaft hielt die Kaution mit Verweis auf das Volumen der mutmaßlichen Finanzströme und fortbestehende Risiken — Flucht, Beweisvernichtung, Einflussnahme auf andere Verfahrensbeteiligte — für gerechtfertigt. Umstritten sind zudem die Umstände der Festnahme vom 4. September: Die Verteidigung erklärte, Kropyva sei auf einer Dienstreise gewesen; die Staatsanwaltschaft erklärte, die Ermittlungen hätten keine Dokumente gefunden, die eine solche Dienstreise belegen.
Hintergrund
Die Entscheidung erster Instanz über die Präventivmaßnahme wurde am 6. September 2026 von einem Ermittlungsrichter getroffen. Die Operation „Karthago" wurde am Abend des 4. September 2026 öffentlich bekannt, als NABU Ermittlungshandlungen in der Generalstaatsanwaltschaft durchführte. Am folgenden Tag bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft Durchsuchungen in Büroräumen, die Generalstaatsanwalt Kravchenko nutzt; NABU und SAPO nahmen Kropyva fest. Die Staatsanwaltschaft spricht von legalisierten Vermögenswerten in Höhe von rund 41,76 Mio. Hrywnja für den Zeitraum August 2025 bis 2026 sowie weiteren rund 40 Mio. Hrywnja für 2023 bis 2025 und benennt 505 angeblich „geschützte" Callcenter als Teil der mutmaßlichen Finanzströme. Als Methoden der Geldwäsche gelten: Bargeldumwandlung über Einzelunternehmer (FOPs), Registrierung von Vermögenswerten auf Verwandte und Nahestehende, Kryptowährungen sowie ein Investmentfonds. Ein Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft erklärte, 2 Mio. Hrywnja seien der Höchstbetrag, den Kropyva aufbringen könne.