Höchste Antikorruptionsgericht verlängert Auflagen für Ex-Präsidialamtschef Jermak und entfernt Fußfessel
Das ukrainische Höchste Antikorruptionsgericht (ВАКС) hat die gegen den ehemaligen Leiter des Präsidialamtes, Andrij Jermak, verhängten Prozessauflagen um 60 Tage verlängert. Gleichzeitig entband es ihn aus medizinischen Gründen von der Pflicht, eine elektronische Fußfessel zu tragen. Jermak ist in einem Verfahren wegen Verdachts der Legalisierung kriminell erlangter Vermögenswerte im Umfang von über 460 Mio. Hrywnja angeklagt.
Das Wichtigste
- ВАКС verlängerte die Prozessauflagen gegen Andrij Jermak um 60 Tage.
- Die Fußfessel-Pflicht wurde aufgehoben, weil ein unabhängiger Mediziner eine Gesundheitsgefahr feststellte.
- Die übrigen Auflagen bleiben bestehen: Meldepflicht, kein Verlassen der festgelegten Orte, Reisepass-Abgabe, Kontaktverbote.
- Antragsteller war ein Staatsanwalt der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP/САП).
- Jermak wird verdächtigt, mit einer organisierten Gruppe 2021–2025 über 460 Mio. Hrywnja durch den Bau der Elite-Siedlung „Dynastija" in Kosyn legalisiert zu haben.
- Verdacht wurde am 11. Mai 2026 mitgeteilt; am 14. Mai wurde Untersuchungshaft mit 140 Mio. Hrywnja Kaution verhängt, am 18. Mai nach Kaution entlassen.
Warum es wichtig ist
Der Fall richtet sich gegen einen ehemaligen Spitzenbeamten der Präsidialverwaltung und signalisiert, dass ukrainische Antikorruptionsinstitutionen hochrangige Amtsträger verfolgen. Die Aufhebung der Fußfessel lockert die sichtbarste vorprozessuale Beschränkung für einen Beschuldigten in einem großen Geldwäscheverfahren, das die mutmaßliche Legalisierung von 460 Mio. Hrywnja über ein Elite-Bauprojekt bei Kiew zum Gegenstand hat.
Was geschehen ist
Das Höchste Antikorruptionsgericht (ВАКС) verlängerte am 15. September 2026 die Prozessauflagen gegen den ehemaligen Leiter des Präsidialamtes Andrij Jermak um 60 Tage. Ein Staatsanwalt der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP/САП) hatte die Verlängerung beantragt; der ermittelnde Richter gab dem Antrag teilweise statt. Jermak bleibt verpflichtet, jeder Vorladung von Ermittler, Staatsanwalt und Gericht Folge zu leisten, jeden Wechsel von Wohnsitz oder Arbeitsstelle zu melden, die zuvor festgelegten Ortschaften nicht zu verlassen, seine Reisepässe und Diplomatenpässe abzugeben sowie den Kontakt mit im Beschluss genannten Mitbeschuldigten und Zeugen zum Gegenstand der Verdachtsmitteilung zu unterlassen. Die Verpflichtung zum Tragen einer elektronischen Fußfessel wurde nicht verlängert. Nach Angaben des Gerichts stützte sich diese Entscheidung auf das Gutachten eines unabhängigen Mediziners, wonach das weitere Tragen eine Gefahr für Leben und Gesundheit des Beschuldigten darstellen könne.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle in der Auswertung berücksichtigten Quellen sind ukrainischsprachige Medien. Sie ordnen die Entscheidung als routinemäßige vorprozessuale Verfügung ein und betonen übereinstimmend die medizinische Begründung für die Aufhebung der Fußfessel. Gleichzeitig liefern sie umfangreiche Hintergrundinformationen zum Verfahrensverlauf – Verdacht vom 11. Mai 2026, Kautionsentscheidung am 14. Mai, Entlassung am 18. Mai, Reisegenehmigung im August, die Elite-Siedlung „Dynastija" in Kosyn und die Mitbeschuldigten, darunter Ex-Vizeregierungschef Oleksij Tschernyschow und Geschäftsmann Tymur Mindych – und verorten den Beschluss damit im Kontext einer fortdauernden, hochrangigen Antikorruptionsermittlung.
Hintergrund
Jermak wurde am 11. Mai 2026 von NABU und SAP über den Verdacht der Legalisierung kriminell erlangten Vermögens informiert. Am 14. Mai 2026 ordnete ВАКС Untersuchungshaft mit einer Kautionsmöglichkeit von 140 Mio. Hrywnja an; die volle Summe wurde am 18. Mai hinterlegt und Jermak aus der Haft entlassen. Nach Angaben der Ermittler soll eine organisierte Gruppe, der Jermak angehört haben soll, zwischen 2021 und 2025 über 460 Mio. Hrywnja durch den Bau der Elite-Siedlung „Dynastija" auf rund 8 Hektar in Kosyn, Oblast Kiew, legalisiert haben. Sechs weitere Personen, darunter Ex-Vizeregierungschef Oleksij Tschernyschow und Geschäftsmann Tymur Mindych, erhielten am 12. Mai 2026 ebenfalls eine Verdachtsmitteilung. Im August gestattete der ermittelnde Richter Jermak, ohne Genehmigung in mehrere östliche und südliche Oblaste zu reisen, um Militärangehörige juristisch zu unterstützen. Die Pressemitteilung des ВАКС nannte Jermak nicht namentlich; Medien identifizierten ihn aus Verfahrensmaterialien.