HACС nimmt Fahrer von OGP-Beamten Kropywa in der „Karthago“-Affäre in Untersuchungshaft
Das ukrainische Hohe Antikorruptionsgericht (HACС) hat am 7 September Serhiy Kutsi, den Fahrer des stellvertretenden Leiters der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft Serhiy Kropywa, bis zum 3. November in Untersuchungshaft genommen. Eine alternative Kaution in Höhe von 3 Millionen Hrywnja wurde festgesetzt. Kutsi ist im Rahmen der Spezialoperation „Karthago“ von NABU und SAP angeklagt, an einer kriminellen Vereinigung beteiligt gewesen zu sein, die ein Netzwerk betrügerischer Callcenter „gedeckt“ und Gelder gewaschen haben soll.
Das Wichtigste
- HACС nahm Serhiy Kutsi am 7 September bis zum 3. November in Untersuchungshaft; alternative Kaution: 3 Mio. Hrywnja
- Kutsi ist Fahrer von Serhiy Kropywa, stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft
- Operation „Karthago“ wurde am 4. September von NABU und SAP angekündigt; im Visier steht eine kriminelle Vereinigung, die Callcenter „gedeckt“ und Geld gewaschen haben soll
- Staatsanwalt forderte für Kutsi Untersuchungshaft oder eine Kaution von 20 Mio. Hrywnja
- Verteidigung von Kutsi bestreitet Beweise für „Schutz“ von Callcentern und für die Annahme unlauterer Vorteile durch ihren Mandanten
- Am 6. September wurde Kropywa bis zum 2. November mit einer alternativen Kaution von 120 Mio. Hrywnja in Haft genommen; er soll 89,9 Mio. Hrywnja gewaschen haben
- Am 7. September wurde auch Yelyzaveta Ivakhnenko („Muza“), die Lebensgefährtin Kropywas, mit einer Kaution von 20 Mio. Hrywnja in Haft genommen
- NABU deckte fünf Personen auf; ihnen drohen nach Art. 255 und 209 des ukrainischen Strafgesetzbuchs bis zu 15 Jahre Haft
Warum es wichtig ist
Die „Karthago“-Affäre zielt auf mutmaßliche Korruption im Herzen der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, also einer Institution, die selbst für die Bekämpfung von Kriminalität zuständig ist. Sie zeigt, dass Antikorruptionsbehörden wie NABU und SAP hochrangige Beamte und deren Umfeld aktiv verfolgen, während Gerichte erhebliche Kautionssummen verhängen. Die politische Reichweite ist beträchtlich: Durchsuchungen in den Diensträumen von Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko und in seinem Miethaus sowie sieben mögliche Entlassungen und polygraphische Massenüberprüfungen in der OGP unterstreichen die institutionellen Erschütterungen durch den Fall.
Was geschehen ist
Am 7. September verhängte das Hohe Antikorruptionsgericht (HACС) gegen Serhiy Kutsi, den Fahrer des stellvertretenden Leiters der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft Serhiy Kropywa, Untersuchungshaft bis zum 3. November mit einer alternativen Kaution von 3 Millionen Hrywnja. Kutsi, in den NABU-Aufzeichnungen als „Komrad“ geführt, wird die Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung und die Legalisierung kriminell erlangten Vermögens im Rahmen der Spezialoperation „Karthago“ vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft hatte Untersuchungshaft oder eine Kaution von 20 Millionen Hrywnja gefordert; die Verteidigung kündigte an, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen und Hausarrest zu beantragen. Laut Ermittlungen soll Kutsi von Oktober 2025 bis September 2026 an der Vereinigung beteiligt gewesen sein, Sicherheit bei Kropywas Fahrten gewährleistet, nicht zugelassene Kennzeichen verwendet und Gelder von callcenterverbundenen Personen an Kropywa weitergeleitet haben. Im selben Verfahren war am 6. September Kropywa bis zum 2. November mit einer alternativen Kaution von 120 Millionen Hrywnja in Haft genommen worden; ihm wird „Schutz“ für Callcenter und Geldwäsche in Höhe von 89,9 Millionen Hrywnja zur Last gelegt. Am 7. September wurde zudem Yelyzaveta Ivakhnenko („Muza“), Kropywas Lebensgefährtin, mit einer Kaution von 20 Millionen Hrywnja in Untersuchungshaft genommen. NABU und SAP hatten die Operation „Karthago“ am 4. September angekündigt; nach den Artikeln 255 und 209 des ukrainischen Strafgesetzbuchs wurden fünf Personen angeklagt, denen bis zu 15 Jahre Haft drohen.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Sämtliche vorliegenden Quellen sind ukrainisch und ukrainischsprachig; sie verteilen sich auf Nachrichtenagenturen und Medien und liefern eine dichte inländische Berichterstattung über den Fall. Die ukrainische Berichterstattung stellt den institutionellen Schock innerhalb der Generalstaatsanwaltschaft in den Mittelpunkt: Durchsuchungen in den Diensträumen des Generalstaatsanwalts, mögliche Entlassungen von sieben Staatsanwälten und die von Krawtschenko angeordnete Massenüberprüfung mit dem Polygraphen. Hervorgehoben werden das Ausmaß der Vorwürfe – 89,9 Millionen Hrywnja gewaschenes Vermögen bei Kropywa und über 20 Millionen Hrywnja Immobilieninvestitionen durch die Beteiligten – sowie die Rolle investigativer Outlets wie Bihus.Info bei der Aufdeckung von Vermögenswerten der Verwandten. Politische Verantwortung wird ausdrücklich thematisiert: Der Politologe Ihor Reiterovych wird mit der Bewertung zitiert, Präsident Selenskyj trage die politische Verantwortung für die enttarnten Beamten und die Werchowna Rada könne den Fall nutzen, um sich gegenüber dem Generalstaatsanwalt zu positionieren. Einige Medien betonen zudem den Konflikt- und Druck-Aspekt und räumen Krawtschenkos Darstellung, der Fall sei politischer Druck, sowie dem formalen Widerspruch der OGP gegen die Durchsuchungen breiten Raum ein.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen widersprechen sich in mehreren Punkten. Erstens zur Rolle von Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko: „Ukrajinska Prawda“ berief sich auf Quellen aus politischen Kreisen und schrieb, Krawtschenko sei nach Beginn der Operation „Karthago“ verschwunden; sowohl die Generalstaatsanwaltschaft als auch Krawtschenko selbst wiesen dies zurück, und die Klinik Dobrobut erklärte, er sei am 5. September nicht Patient dort gewesen. Zweitens zu Rahmen und Berechtigung der nächtlichen Durchsuchungen in den Diensträumen der OGP: Krawtschenko behauptete, die NABU-Ermittler seien über den Zaun der Behörde geklettert, um der Wache die Ziele der Durchsuchung nicht mitteilen zu müssen; die OGP erklärte hingegen, die gerichtliche Anordnung enthalte keine Daten, die Krawtschenko mit der Begünstigung der Callcenter in Verbindung bringen. Drittens zur angeblichen Beteiligung von Serhiy Kutsi: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Gelder von callcenterverbundenen Personen erhalten und an Kropywa weitergeleitet zu haben; die Verteidigung bestreitet Beweise für „Schutz“ von Callcentern oder für die Annahme unlauterer Vorteile durch ihn. Viertens zur Identität der Figur „Schef“ in den NABU-Aufzeichnungen: Die Ermittler beschreiben „Schef“ als früheren Leiter des Staatlichen Steuerdienstes; Krawtschenko leitete den STS von Dezember 2024 bis Juni 2025 – die Fakten markieren diese Zuordnung ausdrücklich als umstritten.
Hintergrund
Die Operation „Karthago“ wurde am 4. September von NABU und SAP angekündigt; sie deckte nach Angaben eine Vereinigung auf, die ein Netzwerk betrügerischer Callcenter „gedeckt“ und Erlöse gewaschen haben soll. Am 6. September setzte das Hohe Antikorruptionsgericht Kropywa bis zum 2. November mit einer alternativen Kaution von 120 Millionen Hrywnja in Untersuchungshaft; er wird der Beteiligung am „Decken“ von Callcentern und der Geldwäsche in Höhe von über 89,9 Millionen Hrywnja verdächtigt und in den NABU-Aufzeichnungen als „Kanzler“ geführt. Am 7. September wurde zudem Yelyzaveta Ivakhnenko („Muza“), Kropywas Lebensgefährtin, mit einer Kaution von 20 Millionen Hrywnja in 60-tägige Untersuchungshaft genommen. NABU deckte fünf Personen nach den Artikeln 255 und 209 des ukrainischen Strafgesetzbuchs auf, denen bis zu 15 Jahre Haft drohen. Etwa um Mitternacht des 5. September führten NABU-Ermittler Durchsuchungen in Diensträumen des Generalstaatsanwalts Ruslan Krawtschenko, seiner ersten Stellvertreterin Mariya Wdowytschenko und weiterer OGP-Mitarbeiter sowie in einem von Krawtschenko gemieteten Haus durch; Quellen der „Ukrajinska Prawda“ berichteten zudem von Durchsuchungen beim Leiter der Oderer OVA, Oleh Kiper. Krawtschenko weist jede Verstrickung zurück, erklärt, keine Verfahrensstellung in dem Fall zu haben, und deutet die Situation als politischen Druck; die Behörde bestreitet die Durchsuchungen mit dem Hinweis, die gerichtliche Anordnung enthalte keine Krawtschenko belastenden Angaben. Kropywa ist 42 Jahre alt, war von 2023 bis 2024 stellvertretender Leiter der Oderer OVA unter Oleh Kiper für digitale Entwicklung und leitete vor 2022 Führungspositionen in der Cyberpolizei.