Generalstaatsanwalt Krawtschenko reicht nach „Karthago“-Affäre Rücktritt ein
Der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko hat am 7. September 2026 seinen Rücktritt eingereicht, wenige Tage nachdem die Antikorruptionsbehörden NABU und SAP die Operation „Karthago“ gegen eine kriminelle Organisation im Generalstaatsanwaltsamt gestartet und Durchsuchungen in seinem Büro und seinem Haus durchgeführt hatten. Krawtschenko bezeichnete seinen Schritt als bewusste politische Entscheidung und erklärte, er wolle nicht, dass das Amt des Generalstaatsanwalts zum Instrument politischer Auseinandersetzungen werde.
Das Wichtigste
- Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko reichte am 7. September 2026 seinen Rücktritt ein und nannte ihn eine bewusste politische Entscheidung.
- Krawtschenko dankte Präsident Wolodymyr Selenskyj und der Werchowna Rada für ihr Vertrauen und bat um seine Entlassung.
- Am selben Tag hatte er zuvor erklärt, nicht von sich aus zurücktreten zu wollen; zum Rücktritt bereit sei er nur, wenn Selenskyj oder die Werchowna Rada dies verlangten.
- Am 7. September trafen sich Selenskyj, Krawtschenko und der Fraktionsvorsitzende der „Diener des Volkes“, Dawyd Arachamija, um über Krawtschencks Verbleib im Amt zu beraten.
- Am 4. September hatten NABU und SAP die Operation „Karthago“ zur Aufdeckung einer kriminellen Organisation vorgestellt, die laut Ermittlungen systematisch Schutzgelder von betrügerischen Callcentern kassierte.
- Die Ermittlungen benennen den mutmaßlichen Organisator als Serhij Kropywa, stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft.
- Das HAKS (Höchstes Antikorruptionsgericht) verschärfte am 6. und 7. September die Haftbefehle gegen Kropywa (Kaution 120 Mio. Hrywnja), Jelysaweta „Muza“ Iwachnenko (20 Mio.) und Kropywas Fahrer Serhij Kuzij (3 Mio.).
- Krawtschenko bestätigte Durchsuchungen in seinem Büro und seinem Wohnhaus und erklärte, im Verfahren „Karthago“ weder Zeuge noch Verdächtiger zu sein; die Generalstaatsanwaltschaft bereitet Unterlagen zur Entlassung von sieben Mitarbeitern aus Kropywas Umfeld vor.
Warum es wichtig ist
Der Rücktritt entfernt den Generalstaatsanwalt, der eine Behörde leitete, deren stellvertretender Abteilungsleiter laut NABU-Ermittlungen eine kriminelle Organisation geführt haben soll. Die Affäre „Karthago“ stellt damit nicht nur das Ansehen, sondern auch die Funktionsfähigkeit der ukrainischen Strafverfolgung auf oberster Ebene infrage. Dass Krawtschenko zunächst ausdrücklich nicht von sich aus zurücktreten wollte und erst nach einem Treffen mit Selenskyj und Arachamija einlenkte, macht die Personalie zu einer politisch aufgeladenen Entscheidung – zwischen Antikorruptionsermittlungen, Präsidialamt und Parlamentsmehrheit.
Was geschehen ist
Der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko reichte am 7. September 2026 seinen Rücktritt ein. Wenige Stunden zuvor hatte er vor Journalisten noch erklärt, nicht aus eigener Initiative zurücktreten zu wollen; zum Rücktritt bereit sei er nur, wenn Präsident Wolodymyr Selenskyj oder die Werchowna Rada dies verlangten. Am selben Tag kam es zu einem Treffen mit Selenskyj und dem Fraktionsvorsitzenden der „Diener des Volkes“, Dawyd Arachamija, bei dem über Krawtschencks Verbleib im Amt entschieden werden sollte. Krawtschenko bezeichnete seinen Rücktritt als bewusste politische Entscheidung, dankte Selenskyj und der Werchowna Rada für ihr Vertrauen und bat um seine Entlassung.
Hintergrund ist die am 4. September gestartete NABU-/SAP-Operation „Karthago“ gegen eine kriminelle Organisation, die laut Ermittlungen systematisch Schutzgelder von betrügerischen Callcentern kassierte und Erträge wusch. Die Ermittler identifizierten fünf Verdächtige und benannten als mutmaßlichen Organisator den stellvertretenden Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft, Serhij Kropywa. Das HAKS verschärfte daraufhin am 6. September die Haft gegen Kropywa (Kaution 120 Mio. Hrywnja), am 7. September auch gegen Jelysaweta „Muza“ Iwachnenko (Kaution 20 Mio.) und Kropywas Fahrer Serhij Kuzij (Kaution 3 Mio.).
Krawtschenko bestätigte Durchsuchungen in seinem Dienstbüro und an seinem Wohnort durch NABU-Detektive. Zugleich erklärte er, im Verfahren weder Zeuge noch Verdächtiger zu sein. Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte, im Durchsuchungsbeschluss gebe es keine direkten Hinweise darauf, dass Krawtschenko Anweisungen zur Begünstigung der Callcenter gegeben, Gelder erhalten oder Renovierungen mit kriminellen Mitteln finanziert habe. Krawtschenko kündigte zugleich die Entlassung Kropywas an; die Behörde bereitet Unterlagen für die Qualifikations- und Disziplinarkommission der Staatsanwälte zu sieben Mitarbeitern aus Kropywas Umfeld vor.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen widersprechen sich in drei Punkten: Erstens, ob NABU und SAP am 4. September tatsächlich beim Generalstaatsanwalt durchsuchten – „Ukrajinska Prawda“ meldete dies unter Berufung auf Quellen, das Generalstaatsanwaltsamt bestritt es zunächst am Abend und bestätigte am 5. September lediglich „Ermittlungshandlungen“ in Diensträumen Krawtschencks. Zweitens, wo sich Krawtschenko nach Operationsbeginn aufhielt: „Ukrajinska Prawda“ berichtete, er sei „nicht auffindbar“, ZN.UA-Quellen sprachen von einer Privatklinik in Kiew, das Generalstaatsanwaltsamt wies dies zurück und seine Sprecherin Natalija Bajurko erklärte am 5. September, er sei an seinem Arbeitsplatz. Drittens, welche Rolle Kropywa in Krawtschencks Privatleben spielte: Antikorruptionsstaatsanwälte trugen bei Kropywas Haftprüfung vor, er habe nicht deklarierte Renovierungsarbeiten am Haus Krawtschencks im elitären Kosyn koordiniert und Reisen für dessen Frau organisiert; Krawtschenko erklärte, seine Familie miete ein 280-Quadratmeter-Haus in Kosyn und werde es deklarieren, während das Generalstaatsanwaltsamt betonte, im Beschluss fänden sich „keine direkten Daten“ gegen ihn.
Hintergrund
Am 4. September 2025 hatten NABU und SAP die Operation „Karthago“ angekündigt, die sich gegen eine kriminelle Organisation richtete, die mutmaßlich betrügerische Callcenter schützte und Erträge wusch; fünf Verdächtige wurden identifiziert. Medienangaben zufolge ist der mutmaßliche Organisator Serhij Kropywa, stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft, in NABU-Unterlagen unter dem Alias „Kanzler“ geführt. Am 6. September ordnete das Höchste Antikorruptionsgericht (HAKS) Haft für Kropywa mit Kaution von 120 Mio. Hrywnja an; am 7. September folgten Haftbefehle gegen Jelysaweta „Muza“ Iwachnenko (Kaution 20 Mio. Hrywnja) und Kropywas Fahrer Serhij Kuzij (Kaution 3 Mio. Hrywnja). Die Beschuldigten müssen sich vor dem Höchsten Antikorruptionsgericht wegen Vorwürfen nach den Artikeln 255 und 209 des ukrainischen Strafgesetzbuchs verantworten – Bildung bzw. Leitung einer kriminellen Organisation und Legalisierung von Erträgen –, die mit bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.