4 September 2026 · Aktualisiert am 4 September 2026

Schusswechsel zwischen SBU und Militärgeheimdienst HUR in Kiew – drei HUR-Kämpfer verwundet

In der Nacht zum 1. September und am Morgen des 2. September kam es im Innenhof des Wohnhauses von Stepan Kaplunow, stellvertretender Kommandeur des Russischen Freiwilligenkorps (RDK), in Kiew zu zwei Schusswechseln zwischen der SBU und dem Militärgeheimdienst HUR. Drei HUR-Kämpfer wurden verwundet. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete Voruntersuchungen ein; je ein Vertreter beider Seiten wurde des Verdachts angezeigt. Präsident Selenskyj kündigte Entlassungen von Stellvertretern der Leitungen beider Strukturen an. Zugleich stehen Vorwürfe einer Datenweitergabe durch das Staatliche Ermittlungsbüro (DBR) im Raum, die das DBR zurückweist.

Das Wichtigste

  • Zwei Schusswechsel im Kiewer Stadtteil Rusaniwka (Dniprowskyj Rajon) am späten 1. September und am Morgen des 2. September 2026.
  • Drei HUR-Kämpfer wurden verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.
  • Am 3. September wurde je einem SBU-Mitarbeiter und einem HUR-Angehörigen eine Strafanzeige zugestellt: § 365 Abs. 2 StGB (Befugnismissbrauch) bzw. § 348 StGB (Angriff auf das Leben eines Strafverfolgungsbeamten).
  • Präsident Selenskyj kündigte die Entlassung der für die Lage verantwortlichen Stellvertreter der SBU- und HUR-Leitung an; am 3. September wurde Oleh Chramow als Leiter der Abteilung für Staatsgeheimnisschutz und Lizenzierung der SBU entlassen.
  • Am 4. September wählte das Petschersker Gericht in Kiew für den HUR-Angehörigen Serhij Iwanow eine persönliche Bürgschaft als Präventivmaßnahme.
  • Das DBR wies Vorwürfe zurück, Daten ukrainischer Geheimdienstmitarbeiter an die russische Seite übermittelt zu haben, und stritt ab, dass Direktor Oleksij Suchatschow eine solche Weisung erteilt habe.
  • Ex-Abgeordneter Ihor Mosijtschuk (unter RNBO-Sanktionen) veröffentlichte in seinem Telegram-Kanal persönliche Daten angeblicher SBU-Offiziere des 5. Direktorats der Spionageabwehr.

Warum es wichtig ist

Der Vorfall ist der erste offene Schusswechsel zwischen zwei ukrainischen Sicherheitsdiensten in der Hauptstadt und macht einen ernsten zwischenbehördlichen Konflikt zwischen SBU und HUR öffentlich sichtbar. Er hat strafrechtliche Ermittlungen gegen Angehörige beider Strukturen, personelle Konsequenzen auf Präsidentenebene sowie Vorwürfe einer Datenweitergabe durch das DBR ausgelöst. Gleichzeitig berührt der Fall die Spionageabwehr: Die SBU wirft einem RDK-Offizier vor, im Auftrag des FSB Anschläge in Kiew vorbereitet zu haben.

Was geschehen ist

In der Nacht zum 1. September und am Morgen des 2. September 2026 kam es im Hof des Wohnhauses von RDK-Stellvertreterkommandeur Stepan Kaplunow im Kiewer Stadtteil Rusaniwka zu zwei Schusswechseln zwischen Mitarbeitern der SBU und des Militärgeheimdienstes HUR. Nach Darstellung des RDK-Kommandeurs Denys Kapustin eröffnete die SBU am späten 1. September gegen 23:00 Uhr das Feuer, als SBU-Vertreter versuchten, in Kaplunows Wohnung einzudringen; am Morgen des 2. September gegen 08:00 Uhr kam es zu einer zweiten Eskalation. Die SBU erklärte dagegen, ihre Offiziere seien während einer Durchsuchung angegriffen worden, SBU-Alpha-Spezialeinheiten hätten von der Waffe Gebrauch gemacht. Drei HUR-Kämpfer wurden verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert.

Auslöser war die Festnahme Kaplunows am 23. August durch SBU-Vertreter. Die SBU spricht von einer Festnahme und wirft Kaplunow Kontakte zum russischen FSB sowie die Vorbereitung eines Attentats in Kiew vor – laut Medienberichten unter anderem auf Achmed Sakajew, den Chef der Regierung der Tschetschenischen Republik Itschkerija im Exil. Kaplunow schildert dagegen, er sei entführt, neun Tage an zwei Objekten festgehalten und unter Druck zu Geständnissen gezwungen worden.

Die Generalstaatsanwaltschaft eröffnete Voruntersuchungen; das Staatliche Ermittlungsbüro (DBR) übernahm die Ermittlungen. Am 3. September wurde je einem SBU-Mitarbeiter und einem HUR-Angehörigen der Verdacht mitgeteilt. Präsident Selenskyj kündigte die Entlassung der verantwortlichen Stellvertreter beider Strukturen an und entließ am 3. September Oleh Chramow, den Leiter der Abteilung für Staatsgeheimnisschutz und Lizenzierung der SBU. Am 4. September entschied das Petschersker Gericht in Kiew für den HUR-Angehörigen Serhij Iwanow eine persönliche Bürgschaft als Präventivmaßnahme.

Parallel veröffentlichte der sanktionierte Ex-Abgeordnete Ihor Mosijtschuk in seinem Telegram-Kanal persönliche Daten angeblicher SBU-Offiziere des 5. Direktorats der Spionageabwehr; Blogger Ihor Latschenkow behauptete, die Daten seien auf Weisung von DBR-Direktor Oleksij Suchatschow abgefragt worden. Das DBR wies dies zurück, stritt eine Weisung Suchatschows ab und bezeichnete die Vorwürfe als gezielte Diskreditierung.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Ukrainische Medien berichten ausführlich über den Zwischenfall, die strafrechtlichen Folgen und die politischen Konsequenzen. Der Fall wird als beispielloser offener Schusswechsel zwischen zwei ukrainischen Sicherheitsdiensten im Zentrum Kiews eingeordnet. Übereinstimmend werden die Verwundung der drei HUR-Kämpfer, die gegenseitigen Strafanzeigen und die von Präsident Selenskyj angekündigten personellen Konsequenzen dargestellt. Politische Beobachter wie Wolodymyr Fessenko sehen die Ursache in einem persönlichen und politischen Gegensatz zwischen SBU-Chef Oleksandr Poklad und HUR-Chef Kyrylo Budanow; demnach wurden sowohl RDK als auch die HUR-Spezialeinheit „Tymur“ auf Initiative Budanows geschaffen.

Hintergrund

Das Russische Freiwilligenkorps (RDK) ist dem ukrainischen Militärgeheimdienst (HUR) unterstellt und mit der „Spezialeinheit Tymur“ unter dem Kommandeur „Tymur“ verbunden. RDK-Kommandeur Denys Kapustin gibt an, dass alle Kontakte Kaplunows zur russischen Seite der RDK-Führung bekannt waren und keine nicht autorisierten Kontakte bestanden. Politischer Beobachter Wolodymyr Fessenko führt die Auseinandersetzung auf einen persönlichen und politischen Gegensatz zwischen SBU-Chef Oleksandr Poklad und HUR-Chef Kyrylo Budanow zurück; sowohl RDK als auch die Spezialeinheit „Tymur“ seien auf Initiative Budanows entstanden. Ex-Abgeordneter Ihor Mosijtschuk, der die strittigen Personendaten veröffentlichte, steht unter RNBO-Sanktionen wegen Verbreitung prorussischer Propaganda, verhängt von Präsident Selenskyj im Mai 2025. Blogger Ihor Latschenkow beschuldigte DBR-Direktor Oleksij Suchatschow öffentlich, die Datenweitergabe angeordnet zu haben – eine Behauptung, die das DBR zurückweist.