Erste Generalstaatsanwältin der Ukraine Vdowytschenko tritt nach Anti-Korruptionsrazzia zurück
Die Erste Stellvertreterin des Generalstaatsanwalts der Ukraine, Marija Vdowytschenko, hat ihr Rücktrittsschreiben eingereicht und wurde aus der Generalstaatsanwaltschaft entlassen. Ihr Ausscheiden folgt auf die „Operation Karthago" von NABU und SAPO, die eine mutmaßliche kriminelle Organisation um hochrangige Mitarbeiter der Behörde aufgedeckt haben soll. Generalstaatsanwalt Ruslan Kravchenko hatte bereits am 7. September seinen Rücktritt eingereicht.
Das Wichtigste
- Marija Vdowytschenko, Erste Stellvertreterin des Generalstaatsanwalts, reichte ein Rücktrittsschreiben ein; letzter Arbeitstag war der 8. September.
- Am 9. September bestätigte Mariana Hajowska-Kowbasiuk vom Informationsreferat der Generalstaatsanwaltschaft den Rücktritt; Vdowytschenko wurde per unterzeichnetem Order aus dem Dienst entlassen.
- Am 4. September hatten NABU und SAPO die „Operation Karthago" angekündigt: Eine kriminelle Organisation unter Leitung eines Leiters einer Abteilung der Generalstaatsanwaltschaft soll seit Mitte 2025 Bestechungsgelder von betrügerischen Callcentern kassiert und gewaschen haben.
- Generalstaatsanwalt Ruslan Kravchenko reichte am 7. September seinen Rücktritt ein; laut Liga.net bat Präsident Selenskyj ihn darum.
- Das HACC verhängte am 6. September Untersuchungshaft gegen Serhij Kropywa, stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit, mit einer alternativen Kaution von 120 Mio. UAH; seine Freundin und sein Fahrer wurden ebenfalls festgenommen.
- Vdowytschenkos Name taucht in den Materialien der „Operation Karthago" auf; bei Durchsuchungen wurden laut Strafverfolgern mögliche Hinweise auf Überwachung von Anti-Korruptions-Ermittlern gefunden.
Warum es wichtig ist
Mit dem gleichzeitigen Ausscheiden von Generalstaatsanwalt Kravchenko und seiner Ersten Stellvertreterin Vdowytschenko steht die Führung der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft mitten in einem Umbruch — ausgelöst durch eine der größten Anti-Korruptionsermittlungen gegen die eigene Behörde. Vdowytschenko wird in den „Karthago"-Materialien genannt, und bei Durchsuchungen sollen Hinweise auf Überwachung von NABU- und SAPO-Führungsfiguren gefunden worden sein. Sollte sich das bewahrheiten, wäre dies ein direkter Angriff auf die Unabhängigkeit der ukrainischen Anti-Korruptionsinstitutionen und ein schwerer Vertrauensverlust in die Integrität der Strafverfolgung.
Was geschehen ist
Die Erste Stellvertreterin des Generalstaatsanwalts, Marija Vdowytschenko, reichte ein Rücktrittsschreiben ein und wurde am 9. September aus der Generalstaatsanwaltschaft entlassen. Ihr letzter Arbeitstag war der 8. September. Mariana Hajowska-Kowbasiuk, Leiterin des Referats für Informationspolitik und Kommunikation der Behörde, bestätigte sowohl den Rücktritt als auch die bereits unterzeichnete Entlassungsverfügung. Vdowytschenko erscheint nicht mehr in der Führungsriege auf der Website der Generalstaatsanwaltschaft. Ihr Ausscheiden folgt auf den Rücktritt von Generalstaatsanwalt Ruslan Kravchenko am 7. September, der laut Liga.net-Berichten auf eine Bitte von Präsident Wolodymyr Selenskyj zurückgeht. Auslöser ist die am 4. September angekündigte „Operation Karthago" von NABU und SAPO: Ermittler werfen einer kriminellen Organisation unter Leitung eines Abteilungsleiters der Generalstaatsanwaltschaft vor, seit Mitte 2025 Schutzgelder von betrügerischen Callcentern erpresst, kassiert und gewaschen zu haben. Als mutmaßlicher Organisator gilt Serhij Kropywa, stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit, dessen Untersuchungshaft das HACC am 6. September mit einer alternativen Kaution von 120 Mio. UAH verhängte; seine 24-jährige Freundin Jelisaweta Iwachnjenko und sein Fahrer Serhij Kutsyj kamen ebenfalls in Haft. NABU durchsuchte Räume von Kravchenko, Vdowytschenko und dem Leiter der Odesaer OVA, Oleh Kiper; laut Strafverfolgern wurden bei Vdowytschenko Materialien mit möglichem Bezug zur Überwachung von NABU- und SAPO-Führungsfiguren gefunden. Kravchenko wies jede Verbindung zu den Callcentern zurück, suspendierte den betroffenen Mitarbeiter und ordnete Prüfungen sowie Polygraphentests in den betroffenen Abteilungen an.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen sind sich uneins, ob Vdowytschenko freiwillig zurückgetreten oder formal entlassen wurde: Fakten bezeichnen sie teils als Verfasserin eines Rücktrittsschreibens, teils als per Order entlassene Person, und auch die Website der Generalstaatsanwaltschaft führt sie nicht mehr — die Rahmung schwankt zwischen freiwilligem Ausscheiden und Entlassung. Zu Kravchenkos Rücktritt halten die Fakten fest, dass er am 7. September sein Rücktrittsschreiben einreichte; Liga.net-Quellen berichten jedoch, Präsident Selenskyj habe ihn zuvor zum Rücktritt gebeten — die Darstellung reicht von freiwilliger Entscheidung bis zu politisch veranlasstem Abgang. Bei Vdowytschenko bleibt zudem offen, in welchem Umfang sie formal in die „Operation Karthago" verstrickt ist: Ihr Name tauche in den Materialien auf, Durchsuchungen hätten stattgefunden, eine förmliche Verdächtigenmitteilung wird in den vorliegenden Fakten jedoch nicht festgehalten.
Hintergrund
Die „Operation Karthago" wurde am 4. September von NABU und SAPO öffentlich gemacht. Im Zentrum steht der Vorwurf, dass eine kriminelle Organisation unter Führung eines Abteilungsleiters der Generalstaatsanwaltschaft seit Mitte 2025 Schutzgelder von betrügerischen Callcentern kassierte, die ukrainische und ausländische Bürger massenhaft schädigten, und die Erlöse wusch. NABU informierte fünf Personen über Verdachtsmomente nach Art. 255 (Gründung und Leitung einer kriminellen Organisation) und Art. 209 (Geldwäsche) des ukrainischen Strafgesetzbuchs; im Falle einer Verurteilung drohen bis zu 15 Jahre Haft. Serhij Kropywa gilt als Organisator; gegen ihn sowie seine Freundin Jelisaweta Iwachnjenko (Kaution 20 Mio. UAH) und seinen Fahrer Serhij Kutsyj (Kaution 3 Mio. UAH) ordnete das HACC Untersuchungshaft an. Kropywas Schwester Viktorija Dydych und deren Ehemann Oleksandr Dydych, Spitzenbeamte der Regionalstaatsanwaltschaft Tscherkassy, wurden entlassen, nachdem ihre Namen in NABU/SAPO-Aufnahmen auftauchen sollen. Bihus.Info berichtete zudem über ein rund 300 Quadratmeter großes Haus in Kosyn, das Anfang 2026 auf eine 73-jährige, in Kravchenkos Erklärung nicht als Verwandte geführte Frau registriert wurde.