Ukraines Generalstaatsanwalt Ruslan Kravchenko tritt nach Korruptionsvorwürfen zurück
Der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Kravchenko ist nach Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit illegalen Callcentern zurückgetreten. Anti-Korruptionsermittler hatten seine Büros durchsucht; Kravchenko bestreitet die Vorwürfe und erklärt, er wolle seine Position nicht zum Instrument politischer Auseinandersetzungen machen.
Das Wichtigste
- Ruslan Kravchenko trat als ukrainischer Generalstaatsanwalt zurück.
- Ermittler von Nabu und Sap durchsuchten seine Büros.
- Die Behörden werfen einem Beamten in seinem Büro eine Geldwäscheorganisation vor.
- Die Callcenter sollen Telefonbetrügereien begangen und Vermögenswerte in Millionenhöhe gewaschen haben.
- Kravchenko nannte die Vorwürfe vollständig unbegründet und bestritt jedes Fehlverhalten.
- In seinem Rücktrittsschreiben warnte er vor der politischen Instrumentalisierung seiner Position.
Warum es wichtig ist
Der Rücktritt eines amtierenden Generalstaatsanwalts unter Korruptionsdruck ist in der Ukraine im Krieg ein ungewöhnlicher und politisch bedeutsamer Vorgang. Der Fall berührt ausgerechnet Nabu und Sap, deren Unabhängigkeit 2025 landesweite Proteste ausgelöst hatte. Er reiht sich zudem in eine Serie korruptionsbedingter Entlassungen hochrangiger ukrainischer Beamter und von Personen aus dem Umfeld von Wolodymyr Selenskyj ein.
Was geschehen ist
Ukraines Generalstaatsanwalt Ruslan Kravchenko reichte nach Korruptionsvorwürfen seinen Rücktritt ein. Zuvor hatten Ermittler des Nationalen Antikorruptionsbüros (Nabu) und der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (Sap) seine Büros durchsucht. Nach Darstellung der Behörden leitete ein Beamter in Kravtschenkos Büro ein Netzwerk, das Geld von illegalen Callcentern erhielt, die Telefonbetrügereien betrieben und Vermögenswerte in Millionenhöhe wuschen. Kravtschenko wies sämtliche Vorwürfe zurück. Wolodymyr Selenskyj hatte sich nach dem Stand der Berichterstattung noch nicht öffentlich zu dem Rücktritt geäußert.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die beiden vorliegenden Beiträge aus Aserbaidschan und Großbritannien rahmen den Vorgang als Korruptionsskandal, der zum Rücktritt des obersten Staatsanwalts führte. Der britische Beitrag stellt besonders den Zusammenhang mit den illegalen Callcentern heraus und weist darauf hin, dass Selenskyj sich bislang nicht öffentlich geäußert hatte.
Hintergrund
Nabu und Sap wurden vor mehr als zehn Jahren als spezialisierte ukrainische Antikorruptionsbehörden geschaffen. Als Selenskyj 2025 versuchte, ihre Unabhängigkeit einzuschränken, kam es landesweit zu Protesten. Botschafter der G7 warnten, dies könnte die ukrainische EU-Integration gefährden; Selenskyj gab den Plan anschließend auf. Im Vormonat meldete Nabu zudem die Veruntreuung von mehr als drei Millionen US-Dollar in ukrainischer Währung, mit denen die Kaution für einen wegen Geldwäsche angeklagten ehemaligen Energieminister bezahlt worden sein soll.