NABU und SAP zeigen Forensik-Experten des KNDISE wegen gefälschter Wohnungsbewertung an
Die ukrainischen Antikorruptionsbehörden NABU und SAP haben forensische Sachverständige des Kiewer Forschungsinstituts für forensische Expertise (KNDISE) des Justizministeriums unter Verdacht gestellt. Ihnen wird vorgeworfen, wissentlich falsche Gutachten über den Marktwert einer fürgesuchten Wohnung der Ehefrau eines hochrangigen SBU-Beamten erstellt zu haben, um dessen Vermögen in laufenden Ermittlungen zu verschleiern.
Das Wichtigste
- NABU und SAP haben Sachverständige des KNDISE des Justizministeriums unter Verdacht gestellt.
- Die Experten sollen den Wert einer fürgesuchten Wohnung der Ehefrau eines hochrangigen SBU-Beamten bewusst falsch bewertet haben.
- Im Dezember 2023 kaufte die Ehefrau des Beamten die Wohnung für 21,6 Mio. UAH; im Vertrag wurde der Wert auf 12,8 Mio. UAH herabgesetzt.
- Im Mai 2024 kam die Sachverständigenkommission auf einen Marktwert von 12,3 Mio. UAH – 9,3 Mio. UAH unter dem tatsächlichen Preis.
- Zur Erreichung dieses Ergebnisses nutzten die Experten irrelevante Vergleichsobjekte und begrenzten den Quadratmeterpreis auf 2.500–2.600 USD statt marktüblicher 3.000 USD.
- Am 11. November 2024 widerrief NABU die Beauftragung mit der Bitte um Rückgabe des Materials; die Experten ignorierten dies und stellten Anfang Dezember 2024 ein auf den 8. November 2024 rückdatiertes Gutachten fertig.
- NABU argumentiert, solche Manipulationen wären bei einer unabhängigen Experteneinrichtung unter NABU nicht möglich.
Warum es wichtig ist
Der Fall richtet sich gegen die Integrität einer staatlichen Forensik-Einrichtung unter dem Justizministerium, einem zentralen Element des ukrainischen Beweissystems. Er verbindet zwei Institutionen, die im Zentrum der ukrainischen Antikorruptionsbemühungen stehen – NABU und den SBU –, über die Familie eines hochrangigen SBU-Beamten. NABU nutzt den Fall öffentlich für die Schaffung einer unabhängigen Experteneinrichtung unter eigener Autorität.
Was geschehen ist
NABU und SAP haben Sachverständige des KNDISE des ukrainischen Justizministeriums unter Verdacht gestellt, wissentlich falsche Wertgutachten über den Marktwert einer fürgesuchten Wohnung erstellt zu haben. Die Wohnung war im Dezember 2023 von der Ehefrau eines hochrangigen SBU-Beamten für 21,6 Mio. UAH gekauft worden; im Kaufvertrag wurde der Wert auf 12,8 Mio. UAH herabgesetzt. Im April 2024 beauftragte ein Anwalt des Ehepaares beim KNDISE eine bautechnische Bewertungsexpertise. Im Mai 2024 kam die Sachverständigenkommission zu einem Marktwert von 12,3 Mio. UAH – 9,3 Mio. UAH unter dem tatsächlichen Preis –, wobei sie irrelevante Immobilien als Vergleichsobjekte heranzog, den Quadratmeterpreis auf 2.500–2.600 USD begrenzte und die günstigsten Angebote ab 1.550 USD auswählte. Als NABU-Detektive die im selben Fall beauftragte Kommissions-Expertise am 11. November 2024 mit der Bitte um Rückgabe des Materials widerriefen, ignorierten die KNDISE-Experten die Anweisung. Anfang Dezember 2024 unterzeichneten sie das Gutachten und datierten es auf den 8. November 2024 – vor dem Widerruf. Die Detektive erhielten das Dokument nicht vom KNDISE, sondern vom Anwalt des verdächtigen hochrangigen Beamten. Das gefälschte Gutachten wurde anschließend von der Verteidigung als Beweismittel vor NAZK, NABU und vor Gericht verwendet.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle vier ukrainischsprachigen Quellen (ЛІГА.net LB.ua, ZN.UA, Інтерфакс-Україна, Укрінформ, hromadske, LIGA.net) berichten den Fall aus den offiziellen Mitteilungen von NABU. Sie stellen das KNDISE des Justizministeriums als Institution, deren Experten unter Verdacht stehen, und NABU als ermittelnde Behörde in den Mittelpunkt. Die Position von NABU, dass eine eigene Experteneinrichtung solche Manipulationen verhindern könnte, wird als Teil der Nachricht wiedergegeben, nicht als externe Kommentierung.
Hintergrund
Im Dezember 2023 kaufte die Ehefrau eines hochrangigen SBU-Beamten eine Wohnung für 21,6 Mio. UAH; im Vertrag wurde der Wert auf 12,8 Mio. UAH herabgesetzt. Im April 2024 beauftragte ein Anwalt des Ehepaares beim KNDISE eine bautechnische Bewertungsexpertise. Im Mai 2024 stellten die KNDISE-Experten unter Verwendung irrelevanter Vergleichsobjekte einen Marktwert von 12,3 Mio. UAH fest – 9,3 Mio. UAH unter dem tatsächlichen Preis. Sie begrenzten die Vergleichswerte auf 2.500–2.600 USD pro Quadratmeter statt der marktüblichen rund 3.000 USD und wählten die günstigsten Angebote ab 1.550 USD pro Quadratmeter. Am 11. November 2024 widerriefen die NABU-Detektive, die den Wohnungskauf untersuchten, eine im Verfahren beauftragte Kommissions-Expertise und baten um Rückgabe des Materials ohne Durchführung. Die KNDISE-Experten ignorierten den Widerruf, stellten Anfang Dezember 2024 das Gutachten fertig und datierten es auf den 8. November 2024 zurück – vor den Widerruf. Das Dokument erreichte NABU über den Anwalt des Verdächtigen statt über das Institut.