SBU-Chef Poklad entlässt zwei hochrangige Beamte im Korruptionsfall «Kartage»
Der Chef der ukrainischen Sicherheitsbehörde SBU, Olexandr Poklad, hat zwei hochrangige SBU-Beamte entlassen, die laut Nationaler Antikorruptionsbehörde (NACU) im Rahmen der Operation «Kartage» zu Verdächtigen geworden sind. Die SBU erklärte, die Ermittlungen der NACU und der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) uneingeschränkt zu unterstützen.
Das Wichtigste
- Poklad entlässt am 4. November zwei hochrangige SBU-Beamte, die zu Verdächtigen der Operation «Kartage» zählen.
- Die NACU und die SAP hatten zuvor eine neue kriminelle Organisation aufgedeckt, an der mindestens zwölf Personen beteiligt waren.
- Nach Angaben der Ermittler kontrollierte die Organisation mindestens 52 Betrugs-Callcenter in Kyjiw, Dnipropetrowsk, Lemberg und Iwano-Frankiwsk.
- Für den Schutz eines Callcenters wurden laut Ermittlern monatlich 7.000 US-Dollar an Beamte und Kriminelle gezahlt; die Gelder wurden über eine Kryptowallet überwiesen.
- Die NACU nahm am 4. November den ersten stellvertretenden Leiter der Abteilung für den Schutz der nationalen Staatssicherheit der SBU, General Serhij Duk, fest.
- Bei einem Durchsuchungsversuch bedrohte einer der hochrangigen SBU-Beamten die NACU-Ermittler mit einer Schusswaffe und hinderte sie am Zutritt.
- Poklad bot dem unter dem Spitznamen «Mexikaner» bekannten Verdächtigen an, nach Ukraine zu kommen und sich den Behörden zu stellen.
Warum es wichtig ist
Die Entlassungen stellen eine deutliche interne Reaktion der SBU auf Vorwürfe dar, wonach hochrangige Beamte an der untersuchten kriminellen Organisation beteiligt waren. Da die Organisation nach Angaben der Ermittler mit einer ganzen Reihe von Betrugs-Callcentren verbunden war und Bestechungen an Sicherheitsbeamte flossen, könnte die zugesagte Zusammenarbeit von SBU, NACU und SAP die Überprüfung angeblicher Korruption innerhalb der Sicherheitsbehörden beeinflussen. Die Vorfälle bei den Durchsuchungen stellen zudem die institutionelle Kooperation und den Verlauf der Ermittlungen infrage.
Was geschehen ist
Olexandr Poklad hat am 4. November zwei hochrangige Beamte der SBU entlassen, die nach Angaben der NACU im Rahmen der Operation «Kartage» zu Verdächtigen geworden waren. Die Entscheidung wurde von der SBU nach einem neuen Etappen der Operation beziehungsweise als Teil der Reaktion auf die umfassendere Untersuchung dargestellt; das Pressedienst der SBU meldete die Entlassungen am selben Tag.
Die NACU und die SAP hatten zuvor eine neue kriminelle Organisation aufgedeckt. Nach Angaben des Ermittlungsleiters der NACU, Olexandr Abakumow, umfasste sie mindestens zwölf Personen. Sie soll hochrangige Beamte der SBU, des Generalstaatsanwaltsamts und der Nationalpolizei sowie Vertreter des kriminellen Milieus einbezogen haben. Die Organisation koordinierte den Betrieb von mindestens 52 Betrugs-Callcentern, an denen nach einer Darstellung der Ermittler rund 2.700 Menschen arbeiteten. Sie verkaufte Betäubungsmittel, produzierte illegale Tabakwaren und Fälschungen ausländischer Währung und organisierte Angriffe, Entführungen und Körperverletzungen. Die Callcenterbetreiber zahlten laut Ermittlern monatlich 7.000 US-Dollar pro Zentrum für den Schutz durch Beamte und Kriminelle; die Zahlungen wurden über eine Kryptowallet abgewickelt.
Am 4. November nahm die NACU den ersten stellvertretenden Leiter der Abteilung für den Schutz der nationalen Staatssicherheit der SBU, General Serhij Duk, fest. Die NACU und die SAP führten außerdem Durchsuchungen beim Leiter der Hauptverwaltung für innere Sicherheit der SBU, Antin Kravchuk, und beim ersten stellvertretenden Leiter der Hauptverwaltung der Abteilung für den Schutz der nationalen Staatssicherheit, Olexandr Kowaltschuk, durch. Die SBU bestätigte diese Durchsuchungen. Laut NACU bedrohte einer der hochrangigen Beamten während der Ermittlungen die Detektive mit einer Schusswaffe und hinderte sie am Betreten des Durchsuchungsorts.
Poklad erklärte, er habe die Situation mit den Leitern der NACU und der SAP besprochen und sich auf eine transparente, objektive und unvoreingenommene Untersuchung verlassen. Er wies auf die klare und konstruktive Zusammenarbeit der drei Institutionen hin und erklärte, die SBU unterstütze die Ermittlungen uneingeschränkt. Außerdem unterstütze sie die Verbindung zu den Geheimdiensten von Partnerstaaten, um Ermittlungen zu Verbrechen in anderen Rechtsordnungen zu erleichtern. Den unter dem Spitznamen «Mexikaner» bekannten Verdächtigen, den die Ermittler als Leiter des transnationalen Drogenkartells «Chimprom» identifizieren, forderte er zur freiwilligen Stellungnahme in der Ukraine auf.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainische Berichterstattung richtet den Fokus auf die Entlassung der beiden hochrangigen SBU-Beamten, die erklärte Unterstützung der NACU und der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft sowie die Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten verbündeter Staaten. Zugleich werden die mutmaßlichen Verbindungen der aufgedeckten Organisation zu aktiven Beamten hervorgehoben, darunter der Schutz von Betrugs-Callcentern, Bestechungen, Drogenhandel und Gewalt gegen Personen.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Darstellungen des Entlassungsbeschlisses unterscheiden sich in der zeitlichen Einordnung: Einige Quellen führen die Entscheidung auf einen neuen Etappen der Operation «Kartage» zurück, andere ordnen sie als Teil der Reaktion der SBU auf die umfassendere Untersuchung ein, ohne diese Abfolge näher zu spezifizieren.
Hintergrund
Die Operation «Kartage» wurde von der Nationalen Antikorruptionsbehörde (NACU) und der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) gestartet. Nach Darstellung der Ermittler umfasste die aufgedeckte Organisation aktive Beamte der SBU, des Generalstaatsanwaltsamts und der Nationalpolizei sowie Vertreter des kriminellen Milieus. Sie betrieb Betrugs-Callcenter, handelte mit Betäubungsmitteln, produzierte gefälschte Zigaretten und Devisen und organisierte Angriffe sowie Entführungen. Mindestens zwölf Personen waren beteiligt, und die Organisation kontrollierte mindestens 52 Callcenter in Kyjiw, Dnipropetrowsk, Lemberg und Iwano-Frankiwsk. Für den Schutz eines Callcenters wurden monatlich 7.000 US-Dollar gezahlt; die Gelder wurden über eine Kryptowallet überwiesen. Die SBU erklärte, die Untersuchung uneingeschränkt zu unterstützen und die erforderlichen Verfahrenshandlungen zu erleichtern.