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Lwiwer Gericht verurteilt Mörder der Linguistin Iryna Farion zu lebenslanger Haft

Das Schewtschenkiwskyj-Bezirksgericht in Lwiw hat am 1. Oktober 2026 den damals 18-jährigen Wjatscheslaw Sintschenko wegen der vorbedachten Ermordung der Linguistin und ehemaligen Abgeordneten Iryna Farion aus nationaler Intoleranz zu lebenslanger Haft verurteilt. Farion war am Abend des 19. Juli 2024 auf der Masaryk-Straße in Lwiw aus nächster Nähe erschossen worden und noch am selben Tag im Krankenhaus gestorben.

Das Wichtigste

  • Urteil vom 1. Oktober 2026: Schewtschenkiwskyj-Bezirksgericht Lwiw verhängt lebenslange Haft gegen Wjatscheslaw Sintschenko
  • Verurteilung wegen vorsätzlichen Mordes aus nationaler Intoleranz (Art. 115 Abs. 2 StGB Ukraine) sowie illegalen Waffenumgangs (Art. 263 Abs. 1 StGB Ukraine)
  • 5 Mio. Hrywnja Schmerzensgeld an Farions Tochter Sofia Osoba zugesprochen (von geforderten 15 Mio.)
  • Urteil noch nicht rechtskräftig – Berufung innerhalb von 30 Tagen beim Lwiwer Berufungsgericht möglich
  • Farion am Abend des 19. Juli 2024 aus rund 2 Metern Entfernung auf der Masaryk-Straße in Lwiw erschossen; sie starb noch am selben Tag im Krankenhaus
  • Sintschenko (damals 18, aus Dnipro) wurde am 25. Juli 2024 in Dnipro festgenommen; Tatvorbereitung umfasste u. a. Anmietung mehrerer Wohnungen und Überwachung des Opfers
  • Staatsanwaltschaft forderte ebenfalls lebenslange Haft; Verteidigung wies Schuld zurück und sprach von einem „fabrizierten" Fall

Warum es wichtig ist

Der Fall betrifft die Ermordung einer bekannten ukrainischen Sprachaktivistin und ehemaligen Parlamentsabgeordneten und hat in der Ukraine hohe politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit erfahren. Mit dem Urteil stuft das Gericht die Tat ausdrücklich als Hassmord aus nationaler Intoleranz ein. Die Ermittler sehen zudem eine Verbindung des Täters zu einer russischen Neonazi-Organisation, was den Fall auch im Kontext der Debatte über Radikalisierung und ausländische Einflussnahme relevant macht.

Was geschehen ist

Am 1. Oktober 2026 verkündete das Schewtschenkiwskyj-Bezirksgericht in Lwiw nach rund fünfwöchiger Beratungspause das Urteil im Mordfall Iryna Farion. Der Angeklagte Wjatscheslaw Sintschenko wurde der vorbedachten Ermordung der Linguistin und ehemaligen Abgeordneten der Werchowna Rada (7. Legislaturperiode) Iryna Farion für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Farion war am Abend des 19. Juli 2024 auf der Masaryk-Straße in Lwiw aus etwa zwei Metern Entfernung in den Kopf geschossen worden und noch am selben Tag im Krankenhaus gestorben. Sintschenko, damals 18 Jahre alt und aus Dnipro stammend, war am 25. Juli 2024 in Dnipro festgenommen und einen Tag später ohne Möglichkeit einer Kaution in Untersuchungshaft genommen worden. Im Dezember 2024 wurde die Anklagequalifikation auf Mord aus nationaler Intoleranz erweitert. Das Gericht erkannte auf eine Entschädigung von 5 Mio. Hrywnja an Farions Tochter Sofia Osoba; diese kündigte an, das Geld an die Brigade „Rubisch" spenden zu wollen, in der ihr Ehemann dient. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann innerhalb von 30 Tagen beim Lwiwer Berufungsgericht angefochten werden.

Hintergrund

Iryna Farion war Sprachwissenschaftlerin und ehemalige Abgeordnete der Werchowna Rada (7. Legislaturperiode) und bekannt für ihren Aktivismus rund um den Schutz der ukrainischen Sprache. Am Abend des 19. Juli 2024 wurde sie auf der Masaryk-Straße in Lwiw aus nächster Nähe erschossen und starb noch am selben Tag im Krankenhaus; sie wurde 60 Jahre alt. Wjatscheslaw Sintschenko, damals 18 Jahre alt und aus Dnipro, wurde am 25. Juli 2024 in seiner Heimatstadt festgenommen. Laut Ermittlern trat er ab 2022 Telegram-Gruppen bei, die Gewalt und nationale Intoleranz verherrlichen, und 2024 einer weiteren Gruppe mit Verbindung zu einer russischen Neonazi-Organisation. In diesen Gruppen habe sich laut Anklage seine persönliche Abneigung gegen Farion wegen ihrer Sprachaktivismus-Position verfestigt. Er habe in Lwiw mindestens drei Wohnungen angemietet, Farion überwacht, Notizen mit einem detaillierten Tatplan verfasst und im April 2024 eine umgebaute Pistole vom Typ „Stalker 2906" erworben; welches konkrete Tatwaffe verwendet wurde, konnte das Gericht laut Urteil nicht feststellen. Die Voruntersuchung lief bis zum 26. Januar 2025, die Hauptverhandlung seit Februar 2025; die Plädoyers dauerten rund fünf Monate mit über 80 Sitzungen und 30 Aktenbänden. Das ukrainische Innenministerium erwog unter anderem einen möglichen russischen Hintergrund als eine der Tatmotivationen.