14-Jährige aus Riwne wegen Mordes an ukrainischem Soldaten auf FSB-Order vor Gericht
In Riwne muss sich ein 14-jähriges Mädchen wegen des Auftragsmords an einem 27-jährigen Ausbilder der ukrainischen Streitkräfte verantworten. Nach Angaben der Ermittler wurde die Jugendliche über Telegram von einem russischen Bürger angeworben, der im Auftrag eines FSB-Offiziers handelte. Außerdem wird ihr die Brandstiftung an einem Militärfahrzeug im November 2025 zur Last gelegt.
Das Wichtigste
- 14-jährige Bewohnerin von Riwne wird wegen Mordes an einem 27-jährigen Angehörigen der ukrainischen Streitkräfte und wegen Brandstiftung an einem Militärfahrzeug angeklagt.
- Die Tat ereignete sich am 30. Januar in einer Mietwohnung in Riwne.
- Das Mädchen mischte dem Opfer eine tödliche Dosis Methadon in Alkohol und strangulierte es, nachdem es das Bewusstsein verloren hatte.
- Während der Strangulation befand sich das Mädchen in einem Videoanruf mit dem Handler.
- Der Handler, ein russischer Bürger, soll im Auftrag eines FSB-Offiziers gehandelt und dem Mädchen im Gegenzug die Ausreise in von Russland kontrolliertes Gebiet versprochen haben.
- Am 11. November 2025 setzte das Mädchen auf Russlands Anweisung ein Militärfahrzeug vom Typ Opel Campo in Brand; die versprochenen 1.000 US-Dollar habe sie nie erhalten.
- Die Beschuldigte sitzt in Untersuchungshaft und drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft.
Warum es wichtig ist
Der Fall zeigt, wie der russische Inlandsgeheimdienst FSB über Online-Kanäle Minderjährige rekrutiert und für Auftragsmorde und Sabotageakte einsetzt. Die Ermittler werfen der Jugendlichen vor, dass eine persönliche bzw. romantische Manipulation durch den Handler direkt in einen politisch motivierten Mord mündete. Mit der gleichzeitigen Anklage wegen Landesverrats in Kriegszeiten und Behinderung der Streitkräfte wird das juristische Gewicht deutlich, das FSB-koordinierten Operationen innerhalb der Ukraine beigemessen wird.
Was geschehen ist
Nach Abschluss der Voruntersuchung wurde die 14-jährige Schülerin aus Riwne wegen Mordes an einem 27-jährigen Ausbilder der ukrainischen Streitkräfte sowie wegen Brandstiftung an einem Militärfahrzeug angeklagt. Das Mädchen hatte das spätere Opfer rund zehn Tage vor der Tat in einem Messenger kennengelernt und es am 30. Januar in eine Mietwohnung in Riwne gelockt. Dort schüttete sie dem Soldaten eine zuvor von den Auftraggebern über eine Logistikfirma zugestellte Mischung aus Alkohol und Methadon in die Gläser. Als der 27-Jährige das Bewusstsein verlor, strangulierte sie ihn – während sie per Videoanruf mit ihrem Handler verbunden war. Als Todesursache wurde mechanische Asphyxie festgestellt. Zusätzlich wird dem Mädchen zur Last gelegt, am 11. November 2025 in Riwne einen ukrainischen Opel Campo auf russische Anweisung in Brand gesetzt zu haben, wofür ihr 1.000 US-Dollar versprochen worden seien, die sie nicht erhielt. Nach der Tat wurde sie festgenommen; das Gericht ordnete Untersuchungshaft an. Die Identität des Handlers und des Auftraggebers wurde ermittelt; die entsprechenden Verfahren liegen im Zuständigkeitsbereich des SBU. Bei einer Verurteilung drohen der Beschuldigten bis zu 15 Jahre Haft.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen sind sich uneins, wie der Mord rechtlich qualifiziert wird: Ein Teil beschreibt ihn als ein Verfahren nach den Artikeln 11 und 12 in Verbindung mit Teil 2 des Artikels 115 des ukrainischen Strafgesetzbuchs (vorbedachter Mord auf Bestellung, in vorheriger Absprache einer Gruppe), andere fassen den Mord als eigenes Verfahren nach Teil 1 des Artikels 115 auf. Beim Ablauf der Tat schildert ein Bericht, das Mädchen habe den Soldaten mit einer Tüte und einem Ladekabel stranguliert, während die übrigen Quellen lediglich vom Strangulieren eines Bewusstlosen sprechen. Uneinigkeit besteht zudem über den Ort: Die meisten Darstellungen sprechen von einer Mietwohnung, eine Quelle dagegen davon, dass das Mädchen den Soldaten in die eigene Wohnung eingeladen habe.
Hintergrund
Beim Opfer handelte es sich nach Ermittlungsangaben um einen 27-jährigen Ausbilder an einem Ausbildungszentrum der ukrainischen Streitkräfte in der Oblast Riwne. Der Handler, ein russischer Staatsbürger, soll im Auftrag eines FSB-Offiziers gehandelt und dem Mädchen für die Tat die Ausreise in von Russland kontrolliertes Gebiet versprochen haben. Das für die Betäubung verwendete Betäubungsmittel war Methadon und wurde der Beschuldigten über eine Logistikfirma zugestellt. Die Voruntersuchung wurde gemeinsam von SBU und nationaler Polizei unter prozessualer Leitung der regionalen Staatsanwaltschaft geführt.