SBU vereitelt Bombenanschlag auf Militärbus in Riwne – 19-jähriger Tatverdächtiger festgenommen
Der ukrainische Sicherheitsdienst SBU hat nach eigenen Angaben einen Terroranschlag auf einen Kleinbus mit Soldaten der ukrainischen Streitkräfte in Riwne vereitelt. Festgenommen wurde ein 19-jähriger Student aus Kyjiw, der laut Ermittlungen über Telegram-Kanäle vom russischen Geheimdienst rekrutiert und aus der Ferne gesteuert worden sein soll. Der Sprengsatz wurde entschärft, der Verdächtige kam ohne Recht auf Kaution in Untersuchungshaft.
Das Wichtigste
- Der SBU vereitelte am 12. Oktober einen Anschlag auf einen Kleinbus mit Militärangehörigen in Riwne.
- Festgenommen wurde ein 19-jähriger Student einer Kyjiwer Universität.
- Laut Ermittlungen wurde er über Telegram-Kanäle vom russischen Geheimdienst für schnelles Geld rekrutiert.
- Er holte einen Sprengsatz aus einem von seinem Handler in Russland benannten Versteck am Stadtrand.
- Der Sprengsatz wurde unter dem Kleinbus platziert; gegenüber wurde ein Telefon im Saftkarton als Fernkamera installiert.
- Zur Verstärkung der Wirkung wurden zwei Glasflaschen mit brennbarer Flüssigkeit beigefügt.
- Der Verdächtige wurde am Busbahnhof Riwne beim Versuch festgenommen, nach Kyjiw zu fliehen; ein Gericht ordnete Untersuchungshaft ohne Kautionsmöglichkeit an.
- Der SBU beschreibt den Fall als den vierten vereitelten russischen Terroranschlag in Riwne seit Beginn des Jahres 2026.
Warum es wichtig ist
Der Anschlag hätte sich gegen Militärangehörige auf dem Weg zu ihrem Stützpunkt gerichtet und hätte zahlreiche Opfer fordern können. Der Fall zeigt das Muster, mit dem der russische Geheimdienst offenbar gezielt junge Ukrainerinnen und Ukrainer über Messenger-Kanäle mit Geldversprechen für Anschläge auf ukrainischem Boden anwirbt. Die Untersuchungshaft ohne Kautionsmöglichkeit unterstreicht, wie ernst die ukrainischen Behörden solche Plots nehmen.
Was geschehen ist
Nach Angaben des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU wurde am 12. Oktober ein geplanter Anschlag auf einen Kleinbus mit Soldaten der ukrainischen Streitkräfte in Riwne vereitelt. Ziel war ein Fahrzeug, das Militärangehörige zu ihrem ständigen Verlegungsort brachte. Ermittelt wurde gegen einen 19-jährigen Studenten einer Kyjiwer Universität, der laut SBU in Vorauszahlung mit einem russischen Geheimdienst zusammenarbeitete und für die Tat eine Geldbelohnung erhielt.
Der Verdächtige wurde demnach über Telegram-Kanäle rekrutiert, die schnelles Geld versprachen. Auf Anweisung seines Handlers reiste er nach Riwne, mietete eine Wohnung und holte aus einem von Russland aus ferngesteuert benannten Versteck am Stadtrand einen Rucksack mit einem Sprengsatz, einem Telefon und einer Powerbank. Er brachte das versteckte Telefon in einer Saftverpackung gegenüber dem Parkplatz an, um als Fernkamera für die russische Seite zu dienen, und platzierte den Sprengsatz unter dem Kleinbus. Zur Verstärkung der Sprengwirkung wurden zwei Glasflaschen mit brennbarer Flüssigkeit beigefügt. Der russische Handler wollte das Gerät aus der Ferne zünden, während der Bus zur Fahrt ansetzte.
SBU-Beamte durchschauten den Plan, entschärften den Sprengsatz und nahmen den Verdächtigen am Busbahnhof von Riwne fest, als er versuchte, nach Kyjiw zu fliehen. Bei ihm wurde ein Smartphone sichergestellt, über das er dem russischen Auftraggeber die Platzierung gemeldet hatte. Die Staatsanwaltschaft informierte den Mann über den Verdacht eines vollendeten Terroranschlagsversuchs nach Teil 2 des Artikels 15 und Teil 2 des Artikels 258 des ukrainischen Strafgesetzbuchs; ein Gericht ordnete Untersuchungshaft ohne Recht auf Kaution an.
Wo die Berichte auseinandergehen
Bei der möglichen Höchststrafe für den Tatverdächtigen gehen die Quellen auseinander: Eine Quelle nennt bis zu 8 Jahre Haft mit oder ohne Einziehung von Vermögen, vier weitere Quellen nennen bis zu 12 Jahre Haft mit Einziehung von Vermögen.
Uneinigkeit besteht zudem beim Ort der Festnahme: Eine Quelle verortet die Festnahme im Bereich des Verstecks am Stadtrand, an dem der Rucksack mit dem Sprengsatz deponiert war. Alle übrigen Quellen geben an, der Verdächtige sei am Busbahnhof von Riwne auf der Flucht nach Kyjiw festgenommen worden.
Hintergrund
Der SBU beschreibt den vereitelten Anschlag als den vierten terroristischen Plot, den russische Geheimdienste seit Beginn des Jahres 2026 in Riwne vorbereitet haben sollen. Die ukrainischen Behörden berichten in jüngster Zeit vermehrt von Fällen, in denen der russische Geheimdienst gezielt junge Ukrainerinnen und Ukrainer – häufig Studierende – über soziale Medien mit Versprechen auf schnelles Geld für Anschläge auf ukrainischem Boden anwirbt.