SBU nimmt zwei Straftäter in Kiew fest, die Anschläge auf Wehrersatzbehörden vorbereitet haben sollen
Der ukrainische Sicherheitsdienst SBU und die Nationalpolizei haben am 20. Oktober in Kiew zwei vorbestrafte Männer festgenommen, die im Auftrag russischer Geheimdienste Anschläge auf Gebäude der territorialen Rekrutierungs- und Sozialunterstützungszentren (TCC) in der Innenstadt vorbereitet haben sollen. Die Festgenommenen wurden unter anderem wegen Vorbereitung eines Terrorakts angeklagt; ein dritter Komplize im Ausland wurde in Abwesenheit beschuldigt.
Das Wichtigste
- SBU und Nationalpolizei nahmen am 20. Oktober zwei vorbestrafte Männer in Kiew fest.
- Die Festgenommenen sollen im Auftrag russischer Geheimdienste Anschläge auf TCC-Gebäude in der Kiewer Innenstadt geplant haben.
- Sie erwogen mehrere Angriffsmethoden: Granatwerfer, Kampfgranaten, Molotowcocktails und selbstgebaute Sprengsätze.
- Einer der Verdächtigen stammt aus dem Gebiet Tschernihiw und war zuvor wegen Mordes verurteilt; der zweite aus dem Gebiet Sumy; beide hatten ihre Haftstrafen in derselben Kolonie verbüßt.
- Bei der Festnahme wurde eine Kampfgranate im Auto eines der Verdächtigen sichergestellt.
- Die beiden Festgenommenen wurden nach Art. 14 Abs. 1 und Art. 258 Abs. 2 des ukrainischen Strafgesetzbuchs angeklagt und sitzen in Untersuchungshaft; ein dritter Komplize im Ausland wurde in Abwesenheit angeklagt.
- Im Falle einer Verurteilung drohen bis zu 12 Jahre Haft mit Vermögensenteignung.
Warum es wichtig ist
Der Fall zeigt nach Darstellung der ukrainischen Behörden einen angeblich aus Russland gesteuerten Anschlagsversuch auf Infrastruktur der militärischen Mobilmachung mitten in Kiew. Auffällig ist, dass die mutmaßlichen Täter vorbestrafte Straftäter sind, die sich aus dem Strafvollzug kennen, und dass der Anschlag mit mehreren Angriffsmethoden konkret vorbereitet wurde. Der Vorgang mündete in formellen Terrordelikten nach dem ukrainischen Strafgesetzbuch und in der in Abwesenheit erhobenen Anklage gegen einen dritten Komplizen im Ausland.
Was geschehen ist
Am 20. Oktober meldete der SBU gemeinsam mit der Nationalpolizei die Festnahme von zwei Männern in Kiew, die im Auftrag russischer Geheimdienste eine Reihe von Terroranschlägen vorbereitet haben sollen. Ziel der geplanten Anschläge waren Gebäude der territorialen Rekrutierungs- und Sozialunterstützungszentren (TCC) im Zentrum der Hauptstadt. Die Verdächtigen hatten nach Ermittlungsangaben mehrere Vorgehensweisen in Betracht gezogen: den Beschuss der Gebäude mit einem Granatwerfer, den Einsatz von Kampfgranaten, Molotowcocktails sowie die Zündung selbstgebauter Sprengsätze. Die Festnahme erfolgte, während die beiden ein Aufklärungsprogramm in der Nähe der potenziellen Ziele durchführten: Sie fuhren mit dem eigenen Auto durch die Stadt, fotografierten die gesicherten Objekte, prüften Wachpersonal und Überwachungskameras und studierten Fluchtwege. Bei einem der Festgenommenen wurde im Fahrzeug eine für den Einsatz vorbereitete Kampfgranate gefunden. Einer der beiden ist Bewohner des Gebiets Tschernihiw und war zuvor wegen Mordes verurteilt; der andere stammt aus dem Gebiet Sumy. Beide hatten ihre Haftstrafen in derselben Kolonie verbüßt und sich dort kennengelernt. Zusätzlich wollten sie einen dritten Komplizen einbeziehen, der sich derzeit im Ausland aufhält und in Abwesenheit angeklagt wurde. Die beiden Festgenommenen wurden nach Art. 14 Abs. 1 und Art. 258 Abs. 2 des ukrainischen Strafgesetzbuchs (Vorbereitung eines Terrorakts durch eine Gruppe von Personen aufgrund vorheriger Absprache) angeklagt; ihnen drohen bis zu 12 Jahre Haft mit Vermögensenteignung. Beide befinden sich in Untersuchungshaft. An der Operation waren nach Angaben des SBU die SBU-Hauptdirektion Kiew und Kiewer Gebiet sowie die Nationalpolizei unter Verfahrensleitung der Kiewer Stadtanwaltschaft beteiligt.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle vorliegenden Quellen sind ukrainische, staatlich verbundene oder inländische Medien und zeichnen die Festnahmen einheitlich als erfolgreiche Anti-Terror-Operation ukrainischer Behörden gegen einen angeblich von russischen Geheimdiensten angeordneten Anschlagsplan. Die Berichterstattung stellt die Rolle des SBU und der Nationalpolizei in den Vordergrund, betont die russischen Geheimdienste als Auftraggeber und hebt die kriminelle Vorgeschichte der Verdächtigen sowie die Bedrohung für TCC-Gebäude hervor. Auffällig ist die ausführliche Darstellung prozessualer Details – Anklage nach dem Strafgesetzbuch, Untersuchungshaft ohne Kaution, in Abwesenheit erhobene Anklage gegen den dritten Komplizen –, die für die offizielle Kommunikation des SBU typisch ist. Im Hintergrund ist zu beachten, dass TCCs als Behörden für militärische Mobilmachung und Einberufung in der Ukraine in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen unterscheiden sich in der Rolle der beiden Festgenommenen innerhalb der Gruppe. Nach Darstellung der Kiewer Stadtanwaltschaft, auf die sich Укрінформ beruft, war einer der Festgenommenen ein krimineller Autorität mit dem Status eines sogenannten ‚smotryashchyi', der die Vorbereitung des Verbrechens im Dezember 2025 organisiert und die Mittäter angeworben haben soll; dabei seien gestaffelte Zahlungen von 15.000 bis 20.000 US-Dollar pro Angriff auf ein regionales TCC und 50.000 US-Dollar pro Angriff auf ein städtisches TCC angeboten worden. Andere Darstellungen präsentieren beide Festgenommenen gleichrangig als vorbestrafte Straftäter, die gemeinsam im Auftrag Russlands handelten, ohne einen von ihnen als Anführer hervorzuheben. Abweichende Angaben finden sich auch zur Frage, in wessen Auftrag der RGD-5-Sprengsatz platziert werden sollte, und ob ein in der Stadt Schostka im Gebiet Sumy festgenommenes Gruppenmitglied mit den in Kiew Festgenommenen identisch ist.
Hintergrund
Die TCCs – Territoriale Rekrutierungs- und Sozialunterstützungszentren – sind die ukrainischen Behörden, über die die militärische Mobilmachung und Einberufung abgewickelt werden, und stehen seit Kriegsbeginn in der öffentlichen Diskussion. Pressemitteilungen des SBU zu Anti-Terror-Operationen sind ein routinemäßiger Kanal, über den die Ukraine mutmaßliche russische Sabotage- und Geheimdienstaktivitäten im Land öffentlich macht.