Ukrainischer Geheimdienst klagt russischen Soldaten wegen Tötung von sechs Menschen an
Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) hat einen festgenommenen russischen Soldaten – den 36-jährigen Leonid Ryzhikow aus Sankt Petersburg mit dem Rufzeichen „Jula" – unter dem Kriegsverbrechertatbestand des Artikels 438 Absatz 2 des ukrainischen Strafgesetzbuchs angeklagt. Ihm wird die Tötung eines 60-jährigen Zivilisten und fünf unbewaffneter ukrainischer Soldaten in der Oblast Charkiw zur Last gelegt. Ryzhikow war zuvor desertiert und zu Fuß in Richtung Charkiw unterwegs gewesen. Er wurde am 14. Oktober im Saltiwskyj-Distrikt von Charkiw festgenommen; bei seiner Befragung gestand er die Taten. Im Falle einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.
Das Wichtigste
- Der SBU hat den 36-jährigen russischen Staatsbürger Leonid Ryzhikow aus Sankt Petersburg offiziell des Kriegsverbrechens angeklagt.
- Ihm wird die Tötung eines 60-jährigen Zivilisten am 13. Oktober nahe dem Dorf Mychajliwka sowie die Tötung von fünf unbewaffneten Soldaten der 72. selbständigen mechanisierten Brigade „Schwarze Saporoger" im Dorf Momotowe am selben Tag zur Last gelegt.
- Ryzhikow war laut SBU Ende Juli in die russische Armee eingezogen worden, nachdem er zuvor acht Jahre wegen schwerer Körperverletzung und Diebstahls in Haft gesessen hatte.
- Der Verdächtige war nach eigenen Angaben am 5.–6. Oktober aus seiner Stellung nahe dem Dorf Staryzja geflohen und mit einer AK-74 zu Fuß in Richtung Charkiw unterwegs.
- Ryzhikow wurde am 14. Oktober im Saltiwskyj-Distrikt von Charkiw durch SBU, Nationalpolizei und Nationalgarde festgenommen; sein AK-74-Gewehr wurde sichergestellt.
- Ihm droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft; die Frage der Untersuchungshaft sollte gerichtlich entschieden werden.
Warum es wichtig ist
Der Fall dokumentiert ein konkretes, einer identifizierten Person zugeschriebenes Kriegsverbrechen und stärkt damit die ukrainische Beweissammlung zu mutmaßlichen Verstößen Russlands gegen das humanitäre Völkerrecht. Die Tötung unbewaffneter Soldaten in Zivilkleidung wird von ukrainischer Seite als Verletzung der Genfer Konvention eingeordnet, was die Klassifizierung als Kriegsverbrechen untermauert. Gleichzeitig geben die offengelegten persönlichen Umstände – ein achtjähriger Vorstrafe, erst kürzliche Mobilisierung, Zuteilung zu einer konkreten russischen Einheit – Einblick in die Personalzusammensetzung der russischen Kampftruppen. Das Strafmaß von bis zu lebenslanger Haft unterstreicht den Willen der ukrainischen Justiz, individuelle Täter strafrechtlich zu verfolgen.
Was geschehen ist
Der SBU hat den 36-jährigen russischen Staatsbürger Leonid Ryzhikow aus Sankt Petersburg, Angehöriger des 2. Bataillons des 1009. motorisierten Schützenregiments der 68. motorisierten Schützendivision der 6. Vereinigten Armee der russischen Streitkräfte, unter dem Verdacht eines Kriegsverbrechens angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, am 13. Oktober in der Oblast Charkiw sechs Menschen getötet zu haben: einen 60-jährigen Zivilisten, der an einem Teich angelte, sowie fünf ukrainische Soldaten der 72. selbständigen mechanisierten Brigade „Schwarze Saporoger", die in einem Privathaus im Dorf Momotowe unbewaffnet und in Zivilkleidung untergebracht waren. Laut SBU floh Ryzhikow am 5.–6. Oktober aus seiner Stellung nahe dem Dorf Staryzja, nachdem diese unter Beschuss geraten war, und bewegte sich mit einem AK-74-Gewehr zu Fuß in Richtung Charkiw. Am 13. Oktober tötete er demnach zunächst den 60-jährigen Mann und schob dessen Leiche ins Wasser in eine künstlich angelegte Wasserfläche. Am selben Tag drang er in das Haus in Momotowe ein und erschoss die fünf dort untergebrachten Soldaten, von denen einige schliefen. Das Tatwerkzeug wurde später sichergestellt. Am 14. Oktober wurde Ryzhikow im Saltiwskyj-Distrikt von Charkiw durch den SBU gemeinsam mit Nationalpolizei und Nationalgarde festgenommen. Am 15. Oktober wurde ihm offiziell die Anklage nach Artikel 438 Absatz 2 des ukrainischen Strafgesetzbuchs (Kriegsverbrechen mit Todesfolge) zugestellt; im Falle einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Die Charkiwer Gebietsstaatsanwaltschaft veröffentlichte am 15. Oktober ein Video der Befragung, in dem Ryzhikow die Taten gestand. Ryzhikow war Ende Juli nach achtjähriger Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung und Diebstahls in die russische Armee mobilisiert worden.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle verfügbaren Quellen sind ukrainisch. Sie ordnen den Vorfall eindeutig als Kriegsverbrechen eines russischen Soldaten an ukrainischen Opfern ein und rücken den SBU als ermittelnde Behörde in den Mittelpunkt. Die Berichterstattung betont die Genfer Konvention, die konkrete Einheit des Verdächtigen, dessen Vorstrafen sowie den Umstand seiner erst kürzlichen Einberufung. Mehrere ukrainische Medien veröffentlichten Einzelheiten aus dem Befragungsvideo, in dem Ryzhikow die Taten gestand, und unterstrichen so die von den ukrainischen Ermittlungsbehörden präsentierte Beweiserzählung.
Wo die Berichte auseinandergehen
Ukrainische Quellen widersprechen sich teilweise in zwei Punkten. Erstens ist unklar, wann genau Ryzhikow in die russische Armee mobilisiert wurde: Einige Quellen nennen Ende Juli, andere spezifizieren das Jahr 2026, wieder andere lassen das Jahr offen. Zweitens unterscheiden sich die Darstellungen zum Erwerb der Zivilkleidung: Während der SBU und mehrere Agenturen von einem Raub an einem verlassenen Privathaus während der Bewegung sprechen, berichtet eine Quelle von einem Vorfall am 9. Oktober an einem Haus nahe einem See.
Hintergrund
Der Verdächtige war ein 36-jähriger Bewohner Sankt Petersburgs mit einer achtjährigen Vorstrafe, der Ende Juli in die russische Armee einberufen und in den Chuhiwer Rajon der Oblast Charkiw entsandt wurde. Die mutmaßlichen Tötungen erfolgten, nachdem er seine Stellung nahe dem Dorf Staryzja verlassen hatte und sich zu Fuß in Richtung Charkiw bewegte. Bei den fünf getöteten ukrainischen Soldaten handelte es sich nach Bestätigung ihrer Brigade um Angehörige der 72. selbständigen mechanisierten Brigade „Schwarze Saporoger".